altemaelze

The Archer

Masters of Reality

Neues nach langer Recording-Pause

Die kultige Band um Chris Goss veröffentlicht damit das erste neue Stuadioalbum seit 16 Jahren. Goss gilt als eines der Genies des amerikanischen Rock. Als Sänger, Gitarrist und treibende Kraft hinter Masters Of Reality hat er mehr als vier Jahrzehnte damit verbracht, seine eigene musikalische Reise zu kartografieren, die ihn von mystischem Blues über Desertrock bis hin zu psychedelisch angehauchter Schönheit an alle Punkte dazwischen geführt hat. Die Liste der Bands und Künstler, mit denen er in dieser Funktion gearbeitet hat, ist lang und illuster: Queens Of The Stone Age, Kyuss, Mark Lanegan, Foo Fighters, The Cult, UNKLE, Stone Temple Pilots-Sänger Scott Weiland, die ehemalige Hole-Bassistin Melissa Auf Der Maur und sogar Hollywood-Star Russell Crowe.

Als im Mai 2024 der Song „Sugar“ veröffentlicht wurde, war das die erste neue Musik seit 15 Jahren. Hypnotisch, ergreifend und verletzlich baut es sich von einer mitreißenden Melodie zu einer großen, orchestrierten Gefühlswallung auf, über der Goss‘ ätherische und doch gefühlvolle Stimme schwebt. Auf „The Archer“ folgen jetzt die restlichen acht Tracks. Die Charaktere in „The Archer“ sind die namen- und gesichtslosen Menschen, die man manchmal sieht oder regelmäßig beobachtet, wenn man auf der Straße unterwegs ist. „Jeder hat eine Geschichte. Und seine eigene Geschichte ist für ihn das Wichtigste auf der Welt“, sagt er. „Keiner ist etwas Besonderes. Jeder steuert auf seinen eigenen ‚Gethsemane‘-Moment zu oder befindet sich gerade darin – eine Erzählung aus dem Neuen Testament, die die kalte Erkenntnis des eigenen Schicksals veranschaulicht. Blut zu schwitzen ist alltäglicher, als die meisten sich vorstellen können.“ Und deshalb ist auch der Titel des Albums bewusst gewählt. „Der Bogenschütze ist derjenige, den man als unsichtbaren Herrscher des Schicksals wahrnimmt“, erklärt Goss. „Oft ist der Bogenschütze sehr sichtbar für diejenigen, die aufmerksam sind. Manche halten ihn vielleicht sogar für einen diktatorischen Gott. Oder sogar ein beschworenes Wesen. Aber alle sind sich darin einig, dass der Bogenschütze ein tadelloses Geschick hat, das Ziel zu treffen.“

Zum neuen Album meint der Masters of Reality-Mastermind: „Mit diesem Album haben wir uns absichtlich von dem härteren Riff-Rock gelöst, den wir über drei Jahrzehnte lang dominiert haben“, sagt er. „Ich hoffe, dass man Nina Simone genauso kraftvoll wie eine schwere Blueskraft sehen kann, in ihrer Emotion, ihrer rebellischen Haltung, ihrer rohen Präsentation und nicht nur in gotisierten Blues-Riffs.“ Er fährt fort. „Das ‚Stoner- und Desert-Rock‘-Riffing war ein Grund für Masters of Reality, auf dieser Platte auszubrechen und unseren Blues für eine Minute in einem anderen Licht zu präsentieren. Blues ist keine Drei-Akkord-Riff-Progression. Er ist das Leben selbst. Ich kann mit Leichtigkeit tausend schwere Riffs auf Knopfdruck liefern.“

Die Ankunft von „The Archer“ – produziert von Goss und mit Gitarrist Alain Johannes, Schlagzeuger John Leamy und Bassist Paul Powell – läutet die willkommene Rückkehr von Masters Of Reality ein. Die Band kommt auf Europatour und spielt am 16. April ihr einziges Konzert in Deutschland im Z-Bau in Nürnberg. Dazu meint Goss: „Die Herausforderung, die dynamische Bandbreite der neuen Musik zu schaffen, ist im Moment etwas entmutigend, weil wir diese Songs noch nicht live gespielt haben. Aber ich glaube, wenn wir erst einmal im Proberaum sind und ein bisschen schwitzen, werden wir einen Riesenspaß haben. Eine seltsame, manchmal melancholische Explosion, aber das ist es, was der Blues ausmacht: Über den Teufel und unsere eigene menschliche Torheit gleichzeitig zu lachen.“ (Mascot) P.Ro

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