Für ein Gespräch mit Josef Menzl, da braucht’s gar kein Aufwärmprogramm. Denn dieser Vollblutmusiker, der letztes Jahr 50 wurde, er ist ein gestandenes Mannsbild. Weshalb er auch sofort auf Betriebstemperatur ist. Oder, wie er während dieses Interviews immer wieder sagen wird: „On Fire!“ Erkundigt man sich bei dem Klarinette spielenden Bandleader aus Pentling über die anstehende Benefizgala zum dreißigjährigen Bestehen seiner Kapelle, die am 26. und 27. März im Audimax über die Bühne geht, dann antwortet er nicht nur blitzschnell und blitzgescheit. Nein, er lässt auch die ihm eigene Ironie aufblitzen: „Eigentlich“, so lautet gleich seine erste Antwort, „wollen wir ja schon seit 27 Jahren aufhören!“ Und schiebt dann noch ein Holzscheitl hinterher: „Bei uns ist das wie bei einem Atomkraftwerk: Das kann man nicht so einfach abschalten!“ Und genau in diesem Gaudi-Modus geht das weiter. Denn Josef Menzl meint es nicht nur bierernst mit seinem Sprachwitz. Auch als Blasmusiker, der seine künstlerische Heimat jenseits der Schweinsbraten-Tellerränder und nicht nur zwischen Wirtshausstühlen sieht, er setzt genau auf dieses Konzept der augenzwinkernden Entwaffnung seines jeweiligen Gegenübers: „Wia ma mia ogfanga hab’n, da war ja des ois no ganz anders!“, sagt er. Damals sei kein Mensch in Tracht zu Konzerten gekommen. Denn Mitte der 1990er Jahre, da stand bayerische Volksmusik noch unter dem Generalverdacht, langweilig, spießig oder noch was viel Schlimmeres zu sein. Als Kind schon war ihm das bewusst, als er mit der von Herbert Wehrer geleiteten „Islinger Dorfmusik“ keine Fahnenweihe im Umkreis von 50 Kilometern ausließ. „Mia hamma scho schee gspuit!“, bekennt er. Aber was Leidenschaft und Hingabe anbelangt, das lernte er vor allem als Jugendlicher, als er Saxophonist bei den Lokalmatadoren von Slick 50 war: Da wurde der Rock’n’Roll schnell, hart und trocken interpretiert. Weshalb sie dafür sorgten, dass alle Anwesenden augenblicklich und von Anfang an „on Fire“ waren.
Und genau das ist bis heute die Maxime der „Kapelle Josef Menzl“: Die Volksmusik, die sie spielen, sie ist krachert, sie ist rau und vor allem unkonventionell. Wenn sie Klassiker wie das „Rehragout“ oder „Aus Böhmen kommt die Musik“ spielen, dann meint das Publikum nicht nur, es wäre bei einem Popkonzert gelandet. Sondern es benimmt sich auch so. Die Leute gehen mit. Flippen aus. Recken die Hände rhythmisch in den Himmel. Weil sie spüren, dass sie „Eins-A-Qualität geliefert bekommen“. Besonders wichtig ist Josef Menzl, dass sie dabei „auch das ironische Element begreifen“. Und sich gerade deshalb umso lieber drauf einlassen. Diese Sensibilität, die hat sich die Kapelle in den letzten 30 Jahren angespielt, am Gäubodenfest in Straubing genauso wie beim „Woodstock der Blasmusik“ in Linz oder am Oktoberfest. Die Landeshauptstadt freilich ist ein hartes Pflaster, die Wirte hören gar nicht auf die Musik, sondern schielen ausschließlich auf die Umsätze. Josef Menzls Herz aber schlägt am höchsten, vernimmt es jenen harmonischen Dreiklang, der sich aus der Schnittmenge gemeinsamen Glücks von „Publikum, Wirten und Musikern“ ergibt. Weshalb zur großen Geburtstagsfeier nicht nur sein alter Slick 50-Freund Robert Hager, der jetzt in Hamburg lebt, geladen ist. Sondern auch Joseph Wasswa: Der in Uganda gebürtige Trommler, der einige Jahre an der Städtischen Sing- und Musikschule als Lehrer beschäftigt war, hat angekündigt, dass er mit einem 40-köpfigen Chor anrücken wird. So dass also an diesem Abend wirklich alle an einem Strang ziehen, wenn’s drum geht, „verschiedene musikalische Welten miteinander zu vereinen!“ (Peter Geiger)
Zweimal volles Haus im Audimax!