Rund 150 Teilnehmende kamen zur diesjährigen Dialog Pop ins Degginger in Regensburg – der Fachkonferenz zur Förderung der Popularmusik in Deutschland, ausgerichtet vom Verband für Popkultur in Bayern e.V. (VPBy). Die maßgeblich aus Bundesmitteln der Initiative Musik gGmbH finanzierte Veranstaltung fand erneut in Kooperation mit der Kreativbehörde der Stadt Regensburg statt. Das bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst unterstützt die Dialog Pop ebenfalls.
Eröffnet wurde die Konferenz von Andreas Jäger, Geschäftsführer des Verbands für Popkultur in Bayern. Bayerns Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume, richtete ein digitales Grußwort an die versammelten Akteure aus Politik, Kultur und Musik und würdigte dabei auch die unermüdliche Leidenschaft der Preisträger des [pop]award bayern. Der neu benannte Preis für herausragende Akteure der bayerischen Popkulturszene – zuvor als bayerischer Popkulturpreis bekannt – wurde in diesem Jahr erstmals im Vorfeld der Dialog Pop verliehen.
Katja Lucker unterstrich die besondere Verantwortung der Popkultur angesichts der aktuellen kulturpolitischen Entwicklungen. Im Grußwort heißt es:„Gerade in der aktuellen kulturpolitischen Lage trägt die Popkultur als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen eine besondere Verantwortung. Die politischen Entscheidungen nach der Bundestagswahl 2025 werden die Zukunft der Musik- und Kulturförderung prägen. Deshalb sind Panels wie ‚Show must go on – Chancen, Perspektiven und Herausforderungen nach der Bundestagswahl 2025‘ oder ‚Popkultur und Demokratieförderung: Impulse zum Umgang gegen Rechts‘ so wichtig. Wie kann Popkultur aktiv zur Stärkung der Demokratie beitragen? Welche Weichen müssen jetzt gestellt werden, um kulturelle Vielfalt zu sichern?“
Zwei Tage lang widmete sich das Fachpublikum aktuellen Themen wie Festivalförderung, Nachhaltigkeit in Spielstätten und der Rolle der Popkultur im Kontext der Demokratie. Nachdem im vergangenen Jahr erstmals ein U27-Panel erfolgreich eingeführt wurde, erhielten junge Akteure diesmal noch mehr Raum im Programm. Unter dem provokanten Titel „Noch einmal ‚Junge Leute interessieren sich für nichts‘ und ich flippe aus“ regte das Panel zur Reflexion an: Was bewegt junge Menschen wirklich? Welche Szenen, Trends und Faszinationen prägen ihre Lebenswelten? Die Session bot spannende Einblicke – von E-Sports (Phi Pham, Munich eSports e.V.) über Fandoms (Lukas Seitz, DJ Tilda Swifton) bis hin zu Trash TV (Nate Kilian, Podcast Generation Trash) und dem Leben auf dem Land (Martin Piendl, BR/Puls-Format Baychtstuhl). Daran anschließend diskutierten junge Akteure mit Moderator Tahsin Mirza, wie eine spartenübergreifende Zusammenarbeit gelingen kann, um vielfältige, kreative Angebote zu schaffen, die junge Menschen wirklich erreichen.
Ein bewährtes Highlight der Tagung fand am ersten Abend in entspannter Bar-Atmosphäre statt: die sogenannte „Bierdeckel-Session“. Hier hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, kreative Projektideen zur Förderung der Popularmusik zu skizzieren – inklusive grober Budgetvorstellung, festgehalten auf einem Bierdeckel. Knapp 50 spannende Konzepte entstanden an diesem Abend, die ihre Ideengeber in den kommenden Wochen und Monaten weiterentwickeln können. Neben der Bierdeckel-Session boten weitere Abendsessions wertvolle Impulse für die Teilnehmenden. Die Initiative Musik stellte ihr Förderprogramm „PlugIn“ vor, das gezielt Livemusikspielstätten bei der Modernisierung und Verbesserung ihrer Konzertaufführungstechnik unterstützt. Gleichzeitig vermittelte Katrin Gleixner-Weiberg von der support factory GmbH in einem praxisnahen Workshop essenzielle Safety-Skills und Arbeitsschutzhacks für die Festivalbranche – ein Thema, das in der Veranstaltungswelt immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Die Bedeutung demokratischer Werte in der Popkultur wurde bereits im vergangenen Jahr intensiv diskutiert – und stand damit auch in diesem Jahr im Fokus. Die Dialog Pop griff den Wunsch nach demokratiefördernden Maßnahmen in Kulturpolitik und Musikbranche gezielt auf. Im Anschluss an die Impulsvorträge und die Podiumsdiskussion zu Popkultur, Demokratieförderung und Streitkultur auf Augenhöhe war die zentrale Botschaft von Experten und Publikum klar: Brandmauern dürfen nicht fallen. Es braucht ein solidarisches und respektvolles Miteinander, und Vorbilder auf, vor und hinter den Bühnen sind wichtiger denn je. Nachhaltige, popkulturelle Angebote müssen geschaffen werden, um Räume zu bewahren, in denen demokratische Werte gelebt und vermittelt werden.
Da der Verband für Popkultur die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz in den Programmen anderer Konferenzen oft vermisste, kuratierte Mitarbeiter Lukas Schätzl in diesem Jahr einen eigenen Programmpunkt zu diesem Thema. Am zweiten Tag der Dialog Pop sprach Musiker Angela Aux aus München vor einem interessierten Publikum über die Notwendigkeit, dass Musikförderanstalten nicht nur auf Entwicklungen reagieren, sondern proaktiv Strategien entwickeln müssen, um mit den Veränderungen Schritt zu halten. In einer parallel stattfindenden Session gaben Lisa Andersohn (Initiative Musik) und Nelly Welskop (Initiative Musik/Bundesstiftung LiveKultur) wertvolle Einblicke in die aktuelle Festivalförderung. Der dabei vorgestellte Festivalförderfonds unterstützt Musikfestivals, die besondere soziokulturelle Schwerpunkte setzen – sei es durch gezielte Nachwuchsförderung, eine anspruchsvolle Programmgestaltung oder ein starkes Engagement für ökologische Nachhaltigkeit. Ein zentrales Learning für kommende Förderrunden sei, so Andersohn, der Abbau bürokratischer Hürden sowie eine präzisere Zielgruppenansprache.
Den Abschluss der Fachkonferenz bildete das Panel „Show Must Go On – Chancen, Perspektiven und Herausforderungen nach der Bundestagswahl 2025“, in dem Moderatorin Anna Blaich (Bundesstiftung LiveKultur) gemeinsam mit Martin Rabanus (SPD), dem ehemaligen MdB Erhard Grundl (Die Grünen), Olaf Kretschmar (BV POP & Berlin Music Commission), Pamela Schobess (LiveKomm) und Katja Lucker (Initiative Musik) die politischen Weichenstellungen für die Zukunft der Popkultur diskutierte. Laut Katja Lucker „trägt die Popkultur in der aktuellen kulturpolitischen Lage als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen nämlich eine besondere Verantwortung.“
Auch im kommenden Jahr wird die Dialog Pop wieder eine Plattform für Austausch und Weiterentwicklung bieten. „Lasst uns gemeinsam zeigen, wie viel Kraft und Kreativität in der Popkultur steckt – und wie wir sie nutzen können, um unsere Branche und unsere Gesellschaft weiterzubringen.“– mit diesen Worten blickte Andreas Jäger (Geschäftsführer VPBy) bereits auf die nächste Ausgabe voraus. Die Dialog Pop 2026 wird voraussichtlich vom 23. bis 25. März 2026 erneut im Degginger in Regensburg stattfinden.
Weitere Informationen zur Dialog Pop gibt es hier: https://popkultur.bayern/dialogpop/