Persischstunden

on Saturday, 03 October 2020. Posted in Film

Regie: Vadim Perelman

Persischstunden

1942. Gilles, ein junger Belgier, wird zusammen mit anderen Juden von der SS verhaftet und in ein Lager nach Deutschland gebracht. Er entgeht der Exekution, indem er schwört, kein Jude, sondern Perser zu sein –eine Lüge, die ihn zunächst rettet. Doch dann wird Gilles mit einer unmöglichen Mission beauftragt: Er soll Farsi unterrichten. Offizier Koch, Leiter der Lagerküche, träumt nämlich davon, nach Kriegsende ein Restaurant im Iran zu eröffnen. Wort für Wort muss Gilles eine Sprache erfinden, die er nicht beherrscht. Als in der besonderen Beziehung zwischen den beiden Männern Eifersucht und Misstrauen aufkommen, wird Gilles schmerzhaft bewusst, dass jeder Fehltritt ihn auffliegen lassen könnte. Soweit der Inhalt des Films. Inspiriert von wahren Begebenheiten, erschuf Regisseur Vadim Perelman („Haus aus Sand und Nebel“) mit PERSISCHSTUNDEN ein hochspannendes, wendungsreiches Drama, das eine packende und emotionale Geschichte vom menschlichen Überlebenswillen erzählt. In den Hauptrollen beeindrucken Lars Eidinger und Nahuel Pérez Biscayart, die literarische Vorlage lieferte Wolfgang Kohlhaase.  Der Film erzählt von einer komplizierten und eigentlich widerwärtigenBeziehung, die auf beiderseitigem Interesse basiert, aber manchmal an seelische Grundfesten geht. Dazu der Regiseur in einem Interview: „Ich versuche zu zeigen, dass wir alle menschliche Wesen sind, dass wir alle fähig sind zu lieben, aber gleichzeitig auch fähig sind, die abscheulichstenDinge zu vollbringen, grausame Handlungen voller Hass begehen. Es gibt nicht nur das absolut Gute und das absolut Böse. Da ist immer irgendetwas in der Mitte. Ich versuche in all meinen Filmen, meine Charaktere ausunterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und ihre unterschiedlichen Schattenseiten zu sehen. Ich wollte Kochs langsamen Wandel zeigen: Er ist in der Lage, Gefühle durch die erfundene Farsi-Sprache auszudrücken, die er nicht in Deutsch artikulieren kann, Tabuthemen. Es ist kein Zufall, dass er auf Gilles Frage „Wer bist du?“ in falschem Farsi nicht antwortet „Hauptsturmführer Koch“, sondern „Klaus Koch“. Es faszinierte mich, die Entwicklung dieser Person nachzuzeichnen, seine wachsende Menschlichkeit und dass gerade die fremde Sprache ihn befähigt, bestimmte Seiten von sich zu entdecken und zu zeigen, die er in der eigenen nicht erläutern kann.“
Seine Weltpremiere feierte PERSISCHSTUNDEN auf der Berlinale 2020, der reguläre Kinostart in Deutschland erfolgte am 24. September. Läuft auch in Regensburg.