Bryan Ferry

on Monday, 23 July 2018. Posted in Nachschau

Kritik zum Konzert am 18. Juli bei den Schlossfestspielen in Regenburg

Bryan Ferry

Als im Jahr 1972 das erste Album von Roxy Music erschien, war dies ein Riesenschritt in die Musik-Avantgarde der frühen Siebziger aus dem „swingin‘ London“. Heute, 46 Jahre später, klingt die Musik von Bryan Ferry, dem damaligen Mastermind dieser Band, noch immer nach einem Hauch von Avantgarde und verzichtet auf gefälliges Anbiedern an den Mainstream. Ferry konzentriert sich überwiegend auf Roxy Music Nummern, die in den 70er und 80er Jahren entstanden sind und die auch heute noch nicht zum Rentner-Rock zählen (unter den 23 Songs der Setlist waren 14 RM-Song!). Und von seinem Auftreten ist Ferry auch mit seinen 72 Jahren immer noch ein Dandy des Pop. Dass die Show so gut ist, liegt auch zum großen Teil an seiner ausgezeichneten achtköpfigen Begleitband, mit der er zur Zeit auf Tour in Europa ist. Die Saxophonistin Jorja Chalmers würde vom Outfit her auch zum Stil der frühen Roxy passen – schwarzer Bubikopf und schwarzes Top, und ihre Sax-Einlagen gehören zu den klanglichen Highlights des Konzerts. Ebenso erwähnenswert ist die Violinistin Marina Moore, die für musikalische Ausrufezeichen sorgte. Und natürlich der legendäre Gitarrist Chris Spedding, der seinen Platz am rechten Bühnenrand kaum verlässt, er treibt mit harten Gitarrenriffs die Stücke voran, sie klingen rauer als früher und frischen die alten Songs zeitgemäß auf. „Don’t stop the Dance“, „Ladyton“, vor allem „In every dream home a Heartache“ und die beiden Zugaben, die Covernummern „Let’s stick together“ sowie „Jealous Guy“ profitieren vom Gitarrensound Speddings. Als ein Ausbund an Redseligkeit zeigt sich Bryan Ferry bei diesem Auftritt nicht, war er aber auch noch nie. Dezent und schüchtern reagiert auf den Applaus. Doch zum Ende des Konzerts wirkt er dann doch lockerer, genauso wie das Publikum, das bei den letzten Stücken stehend mitrockt mit dem Rock-Bonvivant. Fazit: Spaß scheint der alte Crooner doch bei diesem lauschigen Sommerabend im Schlosshof gehabt zu haben, für die Zuschauer war’s ein tolles Konzert! (no.men)
Fotokredit: A.R.M.