DeWolff

on Tuesday, 18 December 2018. Posted in Nachschau

Kritik zum Konzert am 16.11.2018 im Club Stereo in Nürnberg

DeWolff

Wer etwas anspruchsvollere Rockmusik mag und Platten von all den großen 60er / 70er Jahre Heroen im Schrank stehen hat, dem sei einmal mehr die holländische Band DE WOLFF wärmstens empfohlen. Was die drei jungen Burschen auf der Bühne abliefern ist sehr professionell, ohne dabei steril oder verkopft zu wirken. Im Gegenteil: die drei Musiker sprühen vor Leidenschaft. Der Kenner mag sich bezüglich des Sounds an Bands wie Atomic Rooster, Deep Purple, Cream oder an manch andere Protagonisten dieses Genres erinnert fühlen. Trotzdem wirken die Songs nie abgekupfert; nein, es sind eigene Stücke, starke Songs; die Musiker haben in ihren mittlerweile sechs Studioalben (plus eine EP) längst bewiesen, dass sie Talent zum Songschreiben haben und es sich hier nicht um eine weitere Retroband handelt, die sich einfach darauf beschränkt alte Black Sabbath- Riffs neu zu verpacken. Nachdem DE WOLFF seit Jahren mit Lob und Anerkennung in der europäischen Musik-Fachpresse gewürdigt werden, mag es einen verwundern, dass die Band in einer Großstadt wie Nürnberg in einem so kleinen Club spielt, während z.B. die vergleichsweise frischgebackene Newcomer-70er Retroband aus den USA, Greta Van Fleet, inzwischen in großen Hallen spielt. Gewiss, auch eine Band, die Spaß macht, mit ähnlicher Zielgruppe. Aber der Hype um die jungen Amerikaner, sicher auch effektiv befeuert durch eine große Plattenfirma, scheint mir dann doch etwas überzogen. Da finde ich die Holländer DE WOLFF musikalisch schon irgendwie interessanter. Harte Rockpassagen, mit schwerem Hammondorgel-und Gitarrensound, garniert mit psychedelischen Überraschungsmomenten und verstörenden Moog-Klängen dazwischen, wechseln sich ab mit ruhigeren, gefühlvollen, bisweilen verspielten Stücken; manchmal klingt sogar etwas New Orleans-Sound a la Dr. John durch. Die Palette der musikalischen Einflüsse ist durchaus vielfältig. Das junge Musikertrio scheut sich nicht Neues auszuprobieren. Das Ergbnis ist absolut hörenswert!
Auch wenn der Veranstaltungsort in Nürnberg fast zu klein war, so gab die Club-Atmosphäre dem Konzert noch eine ganz besondere Note. Der Sound war laut aber unmittelbar und gut gemixed! Übrigens: Auch der Support Act verdient es hier erwähnt zu werden: The DAWN BROTHERS. Auch sie verblüfften mit tollen Songs und musikalischem Können, auch wenn die Stilrichtung in eine etwas andere Richtung geht. Einflüsse hier sind eher die 60er Jahre; ein bisschen Beatles, Byrds, Them etc. Alle vier können gut singen; manch andere Band wäre froh wenigstens einen guten Sänger zu haben. Aufgrund ihrer Vorliebe für mehrstimmige Gesangsharmonien fühlt man sich auch manchmal an Grandfunk Railroad, Doobie Brothers, CSN&Y oder - um wieder in die Gegenwart zu schweifen- an die Fleet Foxes erinnert, die freilich auch im Amerika der 60er Jahre ihre Inspirationen suchen. The DAWN BROTHERS stammen übrigens auch aus Holland und sind beim gleichen Label wie DE WOLFF. Lange Rede kurzer Sinn: Es war ein toller Konzert Abend! (Norbert „Notorious“ Bauer)

Tipp: Zum Kennenlernen von DE WOLFF empfehle ich die beiden Alben „Strange Fruit And Undiscovered“ und „Orchards/Lupine“; als Einstieg sozusagen.
Fotokredit: Tex Thunderfoot

Wer jetzt ein Livekonzert der Band erleben will – hier ist ein vollständiger Mitschnitt:
https://www.youtube.com/watch?v=0PoWIC6i19k&feature=youtu.be&fbclid=IwAR3z5SJBjRPSCBH7DJarfQcVZQY_IDwqAWXNUkY0EDLhVMMqaQyWV8ayCaY