Frontm3n

on Saturday, 01 June 2019. Posted in Nachschau

Kritik zum Konzert am 29. Mai beim Zeltfestival in Lappersdorf

Frontm3n

Der martialische Name FRONTM3N klingt auf den ersten Blick etwas nach Rockmusik der härteren Gangart oder gar nach „Metal“; die Musik dieser drei Recken ist jedoch keinesfalls metallisch, sondern explizit akustisch. Hier gibt es in der Regel „nur“ drei – hervorragende – Stimmen und drei Akustikgitarren. Und das ist mehr als genug, wenn diese Supergroup - bestehend aus den „Frontmännern“ von SWEET, HOLLIES und 10cc – sich, oder besser gesagt uns, die Ehre gibt. Peter Howarth ist aktuell der Sänger von THE HOLLIES, Pete Lincoln der von THE SWEET und Mick Wilson lieh ca. 20 Jahre lang seine Stimme 10cc. In guter alter britisch-demokratischer Tradition werden Hits der drei Ur-Bands dargeboten, der Gig beginnt mit dem wunderschönen HOLLIES-Klassiker „Bus Stop“, es folgen diverse SWEET-Tracks und natürlich „The Things we do for Love“ und „I‘m not in Love“ von 10cc. Letzteres würde ich mich nicht trauen für ein Akustik-Trio zu arrangieren, denn die räumlichen orchestralen Effekte des Originals sind immer noch unerreicht, aber die drei schaffen das auf einmalige Art und Weise. Die blitzsauberen und faszinierenden dreistimmigen Gesangssätze wecken Erinnerungen an Bands wie SIMON & GARFUNKEL oder CROSBY, STILLS & NASH. Ja genau, das „Name-Dropping“ verdeutlicht, in welcher Liga sich diese Band bewegt. Das Publikum sang verzückt die geliebten Jugend-Songs mit, vor allem bei dem von Goldkehle Howarth nur mit der Akustikgitarre dargebotenen „He ain‘t heavy, he‘s my Brother“ musste mein Taschentuch herhalten. Was für eine Version! Der Spaß kam auch nicht zu kurz, denn Gaudibursch Lincoln konnte sich nicht verkneifen urige Anekdoten zum Besten zu geben und das Akustik-Konzert mit eingeworfenen lautstarken E-Gitarren-Riffs von z.B. „Whole lotta Love“ (LED ZEPPELIN) aufzupeppen, was seine Kollegen mit augenzwinkernder Kritik kommentierten. A propos Gitarre(n): Was die drei diesbezüglich draufhaben ist unglaublich und steht ihren Gesangskünsten keinesfalls nach. Einziger Wermutstropfen: Die „Klatscht-doch-mal-mit-Attitüde“ von Mick Wilson kam mir zu oft, überbordende Partystimmung passt m.E. nicht so ganz zu den Feinheiten dieser Musik; da ist primär Zuhören und Lauscher-Aufstellen angesagt. (Hubert Geue)
Fotokredit: HuGe