Johnny Marr

on Tuesday, 18 December 2018. Posted in Nachschau

Kritik zum Konzert am 2. Dezember im Technikum in München

Johnny Marr

Diese fünf Jahre in einer der einflussreichsten Indie-Rockbands von der britischen Insel hängen ihm wie ein Klotz am Bein. Mit seinem prägnanten, perlenden, oft melancholischen Spiel prägte der virtuose Gitarrist Johnny Marr den Sound der Rockband The Smiths, zeichnete gemeinsam mit Sänger Morrissey auch für die meisten Songs verantwortlich. Als er die Smiths 1987 verließ, bedeutete das auch das Ende dieser Band aus Manchester, die beinahe Kultstatus genoss. Während Morrissey im Alleingang weiter machte, wirkte Marr lange Jahre im Hintergrund. Aber damit soll bald Schluss sein - den Beweis gab er in München. An einem eisigen und verregneten Sonntagabend stand der Ausnahme-Musiker auf der Bühne des nicht ganz ausverkauften Technikums. Es ist das erste Konzert seiner Solo-Karriere in der bayerischen Landeshauptstadt. Mit perfekt gestylter Beatles-Mähne stellte der 54-Jährige sein aktuelles, drittes Studio-Album „Call The Comet“ vor.
Er hatte sich nach dem Ende der Smiths mit dem Start der Solo-Karriere Zeit gelassen. Bis dahin verdingte er sich als Session-, Studio- und Tourgitarrist, unter anderem bei so klangvollen Namen wie Bryan Ferry, Noel Gallagher´s High Flying Birds, Modest Mouse, The The oder den Pretenders. Mit Bernard Sumner von New Order hob er Anfang der 90er das auf drei Alben dokumentierte Projekt Electronic aus der Taufe. Mit Hans Zimmer spielte er Filmmusiken ein („Inception“).
Erst 2014 erschien mit „The Messenger“ sein erstes Solo-Album mit eigener Band. Mit poppig-treibenden vielen „Whoo-whoos“ unterlegten neuen Song „The Tracers“ eröffnete der Gitarrist und Sänger das Konzert in München. Als zweites Stück schob sich „Bigmouth Strikes Again“ von den Smiths durch den Saal und sorgte für Euphorie beim Publikum. Die ist am größten, wenn Damen älteren Semesters durch Werke von The Smiths zurück in die 80er-Jahre des vorigen Jahrhunderts katapultiert werden. Sie liegen bei „The Headmaster Ritual“, „Last Night I Dreamt That Somebody Loved Me“ oder „How Soon Is Now?“ in den Armen ihrer Liebsten. Doch zum Repertoire gehörten auch neue Songs von Marr. Dazu zählen „New Dominions“ oder das locker leichte „Hi Hello“. Seine Zeit im Electronic striff der Musiker mit „Getting Away With It“. Stücke wie das rockige „Day In Day Out“ oder das eingängige „Bug“ können ab dem ersten Takt überzeugen und das Publikum nimmt sie dankbar an. Immer wieder wechselt Gitarren-Gott Marr zwischen Fender- und Gibson-Gitarren, entlockt den Tonabnehmern mal aggressive, mal poetische und sogar geradezu psychedelisch schwebende Töne. Kein Wunder, dass ihn Noel Gallagher von Oasis wie keinen anderen verehrt und zu seinen großen Einflüssen zählt. Zu ähnlich sind sich die beiden Mancunions in Sound und Style.
Beim Zugaben-Finale kommen nochmal alle The Smiths Fans auf ihre Kosten. Noch einmal huldigen Zuhörer und Musiker hemmungslos der gloriosen Vergangenheit. Alles singt den Smiths-Klassiker „There Is A Light That Never Goes Out“ lauthals mit, bevor sich Marr mit einem weiteren Smiths-Song „You Just Haven't Earned It Yet, Baby“, verabschiedete. (Thomas Marschel)
Fotokredit: Thomas Marschel