Nazareth & Tri State Corner

on Wednesday, 18 December 2019. Posted in Nachschau

Kritik zum Konzert am 10. Dezember im „Airport“ in Obertraubling

Nazareth & Tri State Corner

Fünf Jahre nach dem letzten Konzert im Pfarrheim Burglengenfeld im Vorprogramm von Rage ergab sich mal wieder die Gelegenheit für mich die Bouzouki-Rock-Band Tri State Corner „live on stage“ zu sehen. Ab 19.45 Uhr (zum Glück war ich schon frühzeitig in der Halle), bei Bombensound und mit extremer Spielfreude gesegnet, spielte sich die Band mit einer gut gemischten Setlist aus allen bisher veröffentlichen Alben mit Hauptaugenmerk natürlich auf dem noch immer aktuellen Album „Home“ mit gleich fünf Songs, in die Herzen des schnell begeisterten Publikums. Leider waren zu dem Zeitpunkt, wenn überhaupt, gerade mal 150 Leute anwesend. Lucky (auch Schlagzeuger bei Rage) hatte die Menge fest im Griff, die bereitwillig bei den Mitklatsch, Sing-, Spring- usw.  Spielen mitmachte. Aus der Setlist stachen neben dem wohl bekanntesten Song der Band, „Sooner or Later“, auf alle Fälle die vom Bouzoukimeister Ioannis auf griechisch gesungene Ballade „Kapia Stigmi“ sowie die Zugabe „Home“, wo die Band freundlicherweise nicht von der Bühne ging, sondern gleich weitermachte, heraus. Aber auch alle anderen Tracks, die live einen Tacken härter rüberkommen (außer die Balladen natürlich) als auf CD, waren ein wahrer Ohrenschmaus und sogar Alois C. Braun, der die Band vorher nicht kannte(!) war begeistert. Nach viel zu schnell vergangenen 50 Minuten verließ die grandiose Band unter tosendem Applaus die Bühne. Fazit: Die extrem sympathischen Jungs dürfen gern wiederkommen und müssten zudem viel bekannter sein. Wer sich gewundert hatte, warum kein Bass auf der Bühne zu sehen war: der Bassist will nicht mehr touren und somit kamen seine vorab eingespielten Bassspuren aus dem Rechner. Fiel aber irgendwie gar nicht auf.
Nach einer gut halbstündigen Umbaubaupause stiegen um 21.05 Uhr die schottischen Hardrock-Urgesteine Nazareth nach einem kurzen Introtape gleich mit „Turn on your Receiver“ in ein Set ein, dass zum Glück aus vielen alten und bekannten Gassenhauern bestand. Im vor drei Jahren in Cham nach 50 Minuten abgebrochenen Konzert war das noch anders. Der „neue“ (naja auch schon vier Jahre dabei nun) Sänger Carl Sentance singt die Songs doch um einiges kantiger und metallischer (eher eine Mischung aus Axl Rose und Brian Johnson) als noch Dan MacCafferty und ihm fehlt etwas das Rauchige in der Stimme. Das macht er dann aber mit einer tollen Bühnenpräsenz wieder wett. Auffällig war, dass der Gitarrist alles ohne Plektrum spielt und ab und zu zur Slidegitarre griff, während das einzige noch aktive Urmitglied Pete Agnew seine Basssaiten mit Plektrum bearbeitet. Generell kann man sagen dass hier gutes Handwerk vorherrschte. Wer das Filigrane sucht, ist bei einem Nazareth Konzert fehl am Platz. Das merkte man auch beim Sound, der doch um einiges roher und indifferenter aus den Boxen drang, aber im Großen und Ganzen dennoch sehr gut anhörbar war. Die drei Songs aus dem aktuellen Album „Tattooed on my Brain“ (sehr hörenswert übrigens) waren geschickt am Anfang, in der Mitte und zum Ende des regulären Sets platziert und wurden eingerahmt von Klassikern wie „Dream on“, „Love hurts“, „This flight tonight“, „Morning Dew“ oder „My White Bycicle“. Etwas sehr nervig war das Gitarrensolo (viel zu lang und exorbitant schräg) ,das in „Beggars Day“ mit eingearbeitet wurde. Ich hab die Katzen vor der Halle jaulen hören. Generell ist der Gitarrist Jimmy Murrsion kein besonders guter Solist. Die Gitarrensoli ,die er spielt, passen m. M. nach nicht in die Songs, und hören sich echt furchtbar an. Was er top kann, ist Rhythmusgitarre spielen. Vielleicht sollte sich die Band hier noch einen zweiten Mann an der Gitarre suchen. Dem anwesenden nun doch über 200 Mann starken Publikum gefiel es dennoch. Es ging mit, bekannte Songs wurden lautstark mitgesungen und auch beklatscht. Nach knapp 70 Minuten war dann erst Mal Schluss mit dem regulären Set, aber die Band wurde dann noch für drei weitere Zugaben, darunter die grandiose und wirklich toll gesungene Ballade „Where are you know“, zurück auf die Bühne geschrien und geklatscht. Nach 85 Minuten, die auch wirklich flott rumgingen, war dann aber wirklich Schicht im Schacht. Das Publikum war sehr angetan und auch ich wurde am Ende dieses Tages gut unterhalten und mein dritter Versuch, diese Band mal live zu sehen, war erfolgreich. Wer sich für die Setlists der beiden Bands noch interessieren sollte, kann diese bei Setlist.fm nachlesen. Sie sind logischerweise auf der ganzen Tour identisch. (HJH)
Fotokredit: HJH