Neal Morse Band

on Wednesday, 24 April 2019. Posted in Nachschau

Kritik zum Konzert am 9. April im Technikum in München

Neal Morse Band

Zur Freude der Fans gehen viele Bands und Musiker inzwischen auf Tour, um ihre vermeintlich besten Alben in voller Länge zu spielen. Das bringt mehr Publikum und man kann manche Songs zu ersten Mal überhaupt in Liveversionen hören. Auch ex-Spock's Beard Musiker Neal Morse spielt auf der Tour mit seiner Band ein Album in voller Länge. Nur ist es in diesem Fall kein längst vergangener Hit, sondern die aktuelle Veröffentlichung! Solch ein Unterfangen ist ein Risiko, aber ob der gigantischen Qualität von "The Great Adventure" sind die ersten zwei Stunden des Konzertes mit den Songs aus dieser Doppel-CD vorbei wie im Flug. Unglaublich welch Wendungen, welch Rhythmuswechsel, welch herrliche Arrangements und welch Melodien sich in diesen Liedern finden. Dabei ist die Band musikalisch flexibel, lässt es in einem Moment richtig krachen, um danach eine zerbrechliche Ballade zu spielen. Mit "Vanity Fair" bietet das Album auch einen potenziellen happy-go-lucky-Hit. "The Great Adventure" ist ein absolutes Meisterwerk des Progrock. Eric Gillette an der siebensaitige Gitarre spielt unglaubliche Soli. Mal in atemberaubender Geschwindigkeit, mal mit unglaublichem Gefühl. Ebenfalls nicht von dieser Welt: Mike Portnoy an den Drums. Je komplizierter die Rhythmen, je schneller die Songs, desto entspannter wirkt der fast ständig lächelnde Superschlagzeuger. Ja, er blödelt während des Spielens nebenbei sogar noch mit Morse herum. Dass das alles noch bei einem klaren und differenzierten Sound passiert, erzeugt Gänsehaut und zeigt, wie intensiv ein Konzerterlebnis sein kann. Höhepunkt und Abschluss des regulären Sets ist natürlich "A Love That Never Dies", das auch die CD beschließt. Die Melodie des Songs zieht sich in der ein oder anderen Variation durch die gesamte Scheibe, explodiert dann aber in einem der größten Songs der letzten Jahre. Die perfekte Symbiose aus Gefühl und Melodie in einem dynamischen Arrangement. Als Zugabe gibt es dann 25 Minuten lang ein Medley mit Songs aus allen bisherigen Morse-Alben. Abschluss ist "Broken Sky/Long Day", ein grandioser Titel aus dem vorletzten Studio-Album "The Similitude Of A Dream". Überbordende Begeisterung im Publikum ist die Folge. Was für ein Abend, was für ein Konzert! Erhabend, berührend, epochal. (acb)
Fotokredit: A.C.Braun