Ritchie Blackmore’s Rainbow

on Tuesday, 18 June 2019. Posted in Nachschau

Kritik zum Konzert am 12. Juni in der Olympiahalle in München

Ritchie Blackmore’s Rainbow

„We must be over the Rainbow...“ Ja, ja, ich weiß, das legendäre Rainbow Konzert 1977 in der Münchner Olympiahalle. Oh ja, vom WDR-Rockpalast zum Glück gefilmt. DAS Rainbow Zeitdokument schlechthin, neben dem Doppelalbum „On Stage“. Die, die damals dort waren, werden sowieso sagen, nie waren sie besser. Stimmt ja auch. Nicht zuletzt wegen Ronnie James Dio, dem fabelhaften Sänger, und so weiter und so fort...
Nun, mehr als 40 Jahre später sind Ritchie Blackmore´s Rainbow wieder mal in der Münchner Olympiahalle und geben dort ihr einziges Konzert in Deutschland. Um es vorweg zu nehmen: Es war ein gutes Konzert! Meine Erwartungen wurden jedenfalls übertroffen. Auch wenn diese zugegebenermaßen nicht besonders hoch gesteckt waren, nachdem ich Rainbow zuletzt 1995 live gesehen hatte und da eher enttäuscht worden war. Die anfängliche Skepsis wich nach den zwei 80er Jahre Stücken "Spotlight Kid" und "I Surrender". Denn dann kam „Mistreated“, das wuchtige Stück aus Deep Purple-Tagen, das Blackmore von Anfang an zu einem festen Bestandteil des Live-Sets von Rainbow gemacht hatte und damals von dem inzwischen verstorbenen Sänger Dio nochmal aufgewertet wurde. Und hier konnte der aktuelle Sänger, Ronnie Romero, zeigen, dass er es kann. Und wie! Er kam dem legendären Dio erstaunlich nahe, ohne hier „Gotteslästerung“ zu betreiben. Diesbezüglich war man sich -zumindest um mich herum, am Bierstand und nach dem Konzert, einig. Da hat Blackmore einen Glücksgriff getan. Der 37-jährige Chilene nötigt auch den letzten Zweiflern Respekt ab. So hat man die Songs „Man On The Silver Mountain“, „Long Live Rock´n´Roll“ und vor allem auch das Meisterstück „Stargazer“ schon lange nicht mehr live gehört. Natürlich durften auch die beiden Radio Hits „Since You Been Gone“ und „All Night Long“ nicht fehlen, die schon vom deutlich kommerzielleren „Down To Earth“ Album (1979) stammen, bei dem Graham Bonnet den alten Sänger Dio ablöste. Romero überzeugte auch hier, genauso wie bei den Joe Lynn Turner-Songs. Dass der große Meister Blackmore vor allem mit Deep Purple Rockgeschichte geschrieben hat, das machte er an diesem Abend mehr als deutlich. So holte er in der Mitte des Konzerts gleich mehrere der alten – sorry - „Klassiker“ hervor. Und es schien ihm richtig Spaß zu machen; für seine Verhältnisse hatte er richtig gute Laune. Bei „Man On The Silver Mountain“ baute er kurz „Woman From Tokyo“ mit ein. Es folgten mit „Perfect Strangers“ und „Black Night“ gleich zwei Purple-Songs am Stück. Irgendwann zündete er auch noch die Purple-Rakete „Burn“ und als Zugabe gab es DIE Mitgröl-Hymne schechthin noch oben drauf: „Smoke On The Water“! Auch wenn sich so mancher Rainbow-Fan gefragt haben mag, ob er denn im richtigen Konzert sei, im großen und ganzen war es irgendwann völlig egal. Bei den meisten Fans dürften zuhause die Rainbow-Alben ohnehin neben den Deep Purple Scheiben im Regal stehen. Die Stimmung war gut, die Band machte einen guten Job, allen voran der Sänger, und das Publikum hatte seinen Spaß. Richtig emotional wurde es, als ein großes Bild vom verstorbenen Purple-Keyboarder Jon Lord auf der Leinwand eingeblendet wurde, mit dem sich Blackmore einst so manche „Duelle“ auf der Bühne geliefert hatte. Fazit: Zwei oder drei Rainbow Songs mehr (aus der Dio Ära) hätte ich mir gewünscht, aber ansonsten war auch ich sehr zufrieden. Natürlich kamen Rainbow verglichen mit dem 77er Konzert insgesamt etwas geschliffener und polierter daher; die rohe, ungebändigte Power von damals mag mancher Zeitgenosse vermissen. Aber wofür gibt es inzwischen soviele wirklich interessante neue, junge Bands, die genau das fortführen, was ihre Idole von einst ihnen vorgemacht haben. In diesem Sinne: Long Live Rock And Roll! (Norbert „Notorious“ Bauer)
Fotokredit: munichhorseman