Sinner & Asomvel

on Sunday, 06 October 2019. Posted in Nachschau

Kritik zum Konzert am 4. Oktober im „Airport“ in Obertraubling

Sinner & Asomvel

Die Vorband "Asomvel", ein klassisches Trio – Gitarre,Bass & Gesang, Schlagzeug - mit einem Bassisten, der nicht nur optisch, sondern auch gesanglich an einen jungen Lemmy von Motörhead, erinnerte, bot schnörkellos ruppige Songs, gerne mal mit Co-Gesang des Gitarristen, der schmissig, fuzzige Wah Wah Phil Campbell-Gedächtnisgitarrensoli ins mit nur geschätzten weniger als 200 Nasen spärlich besetzte Publikum schoss, während der Drummer alles zuhobelte. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man meinen die 80er Jahre-Motörhead-Version steht auf Bühne und Lemmy ist als Jungspund wieder unter den Lebenden. Die Mucke gefiel dem Rezensenten richtig gut, auch wenn sich die Songs alle relativ ähnlich waren und Abwechslung im Bandwortschatz nicht vorkommt . Der Livesound war leider sehr sumpfig und extrem laut, so wie eben bei Motörhead ja auch oft, die ich mal live in Schwandorf gesehen hatte in den 90er Jahren. Gefangene wurden keine gemacht, es gab permanent voll auf die Zwölf ohne ruhige Note. Songtitel muss ich mangels Kenntnis leider schuldig bleiben. Diese Band aus dem UK darf aber gerne wieder kommen, dann aber bitte auch mit der einen oder anderen ruhigen Note, um es nicht zu anstrengend werden zu lassen. Die gut 40 Minuten waren dennoch überzeugend. Dem Publikum gefiel es ebenfalls und an Applaus wurde nicht gespart. Beim nächsten Mal dann aber vielleicht in Verbindung mit einem musikalisch passenderen Headliner als "Sinner".
Nach einer knapp halbstündigen Umbaupause und einem Monty Pytho-Intro stürmten Sinner die Bühne vor leider nur etwas mehr gewordenem Publikum. Die um die stimmgewaltige Sängerin Giorgia Colleluori (Lead-, Background und Duettvocals) und einen weiteren Background-Sänger und Barkeeper (Name leider nicht mitbekommen) aufgestockte Band bot von Anfang an eine engagierte Hardrock-Show, wo sich Mat Sinner ganz schön anstrengen musste, um hier gesanglich immer mitzuhalten, wie bei Track Nummer 2, dem nicht nur wegen des Titels an Riot erinnernden "Shine on". Das Gitarrenduo Naumann und heute in Vertretung Beyrodt, für den aus privaten Gründen verhinderten Alex Scholpp, bot Twin Guitar Soli vom Feinsten, so wie man es von den Beiden ja auch von Primal Fear her auch kennt. Ein eingespieltes Duo halt. Einzig der Drumsound hörte sich anfangs etwas nervig an, besserte sich aber im Laufe des Auftritts. Der Sound war sonst sehr gut, man konnte alle Instrumente gut vernehmen, was ja nicht immer der Fall ist, wenn das Schlagzeug alles zudrischt, die Gitarren hätten hie und da aber doch etwas schärfer im Vordergrund stehen dürfen. Die Setlist war sehr gut gemischt mit vielen alten Songs aus den ersten vier offiziellen Alben a la „Bad Bad Girl“, „Danger Zone“ (gesungen von Giorgia), „Comin out fighting“ (Duett Mat und Girogia) oder „Knife in my heart“, aber natürlich auch vier Songs aus dem brandneuen Album Santa Muerte. Die ungewöhnlichste Wahl aus diesem Album war dann die düstere bluesige Akustikballade „Death Letter“ (ein Son House Cover), die ab der Mitte dann zu einem fetten Bluesrock-Song mit geilem Gitarrensolo von Tom umschwenkt und chillig ausfadet. Hammermäßig gersungen von Giorgia - Alannah Myles wäre stolz auf sie. Die restlichen neuen Songs passten sich ebenfalls perfekt in die Setlist ein. Das Publikum ging von der ersten Minute an steil. Mat ist mega-sympathisch, was man sowohl bei der Bandvostellung, als auch bei den Ansangen merkte (und ihm deshalb auch abnahm, wie ‚geil das Publikum ist‘ usw.) und klasse bei Stimme. Das Drumsolo hätte ich wie immer nicht gebraucht, sondern lieber einen weiteren alten Song (vielleicht sogar was von „Wild'n'Evil“ oder „Fast Decision“), aber man kann nicht alles haben. „Tequila Suicide“ gefiel mir gesanglich leider gar nicht. Die Musik selbst war top, er nimmt mich aber nicht mit und war, m. M. nach, der einzige Schwachpunkt an diesem Abend. Das Led Zeppelin-Cover „Rock and Roll“ war auch sehr kompetent dargeboten, wieder mit Leadgesang von Girogia und fasste den Abend perfekt zusammen. Allerdings hätte ich auch stattdessen lieber noch einen neueren oder aus den 90er Jahren Song gehört, da es mit dem Billy Idol-Cover „Rebel yell“ und „Death Letter“ eh schon zwei Cover Songs gab. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau, denn die 90 Minuten vergingen wie im Flug mit dem Titelsong als Zugabe und alle gingen begeistert nach Hause. Fazit: Sinner dürfen gerne wieder kommen, dann vor hoffentlich mehr Zuschauern, die Mat von „Rock meets Classic“ aber auch im etwas kleineren Rahmen bei „Primal Fear“ gewohnt ist. (HJH)
Fotokredit: Erwin Novak