Testament, Sacred Reich, Iron Reagan, Dust Bult

on Saturday, 17 August 2019. Posted in Nachschau

Kritik zum Konzert am14. August im “Airport” in Obertraubling

Testament, Sacred Reich, Iron Reagan, Dust Bult

Die Thrashmetal-Legende Testament lud zum Tanz und eine Masse Metalfans aus nah und fern (einer kam aus z. B. aus Italien) folgte dem Aufruf und pilgerte am 14. August ins „Airport“ nach Obertraubling. Im Gepäck hatte man zudem gleich drei Vorbands mit leicht unterschiedlicher musikalischer Ausrichtung. Den Beginn machten Dust Bolt aus München mit einem 30 Minutenset bei gutem Sound und boten sehr ansprechenden Thrash Metal (á la Exodus meets Anthrax) mit ab und zu leicht melodischem Gesang. Das Publikum ging sehr gut mit und Sänger/Gitarrist Lenny Breuss bekam zum Schluss auch noch den gewünschten (wenn auch kleinen Circle Pit). Fünf Songs (einer vom aktuellen Album) wurden dem moshenden Publikum vor den Latz geknallt, wobei die Band eine klasse Bühnenshow bot. Lenny war immer unterwegs und forderte das Publikum auf noch mehr mitzugehen. Der Bassist, der aussieht wie Catweazel, und der Schlagzeuger legten ein klasse Rhythmus-Fundament und der zweite Gitarrist begeisterte mit tollen Soli.
Iron Reagan heizten dann pünktlich ab 19.50 Uhr bei glasklaren Sound und drückendem Schlagzeug/Bass die Menge weiter an mit teils kurzen erruptiven Songs im Stil von DRI, Crumbsuckers, alten Suiciald Tendencies oder auch Municipal Waste. Kein Wunder, besteht diese Band doch aus einigen Mitgliedern letztgenannter Acts. Geboten wurde metallischer Hardcore/Punk. Teils nette Slayer-mäßige Gitarrensoli, gemischt mit Moshparts. Der Sänger erinnerte allerdings eher an einen klaffenden Hund und man verstand mal mehr, mal weniger, was gesungen wurde. Dennoch extrem gelungen dieser Auftritt mit gefühlt etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Songs, die dargeboten wurden in den 30 (!) Minuten. Tatsächlich waren es wohl 18 inklusive eines Cannibal Corpse Covers.
Die etwa 500 Zuschauer mussten dann nicht lange warten und Sacred Reich föhnten dann dem begeisterten Publikum die Haare trocken mit old school Thrash Metal mit Message in den Texten. Geboten wurden neben einem Querschnitt aus allen alten, auch drei Songs aus dem neuen Album, wobei Song Nummer eins mit einem coolen Gitarrensolo und Moshpart im Mittelteil besonders viel Spaß machte. Phil war sehr gut bei Stimme, auch wenn er sich fast halbiert hat. Die Band hatte Spaß, es wurde auch viel kommuniziert, sind sind top eingespielt wie ein Schweizer Uhrwerk. Matten wurden fleißig geschüttelt, Hörner in die Luft gereckt - so wie es auf einem Metalkonzert sein soll! Auch hier wieder Granatensound und maßig Handys über längere Zeit vor meiner Nase. Mit "Who's to blame" gab es auch den einzigen nun ruhigeren Song des Abends zu hören. Neben "The american way" und "Independent" ja der Signaturesong dieser Band. Ein klasse Auftritt, zurecht bejubelt vom ausrastenden Publikum. Nur mit knapp 45 Minuten dann doch zu kurz. Die gespielten drei neuen Songs machen Lust auf das nächste Woche nach 23 Jahren erscheinende neue Album, da die Band hier keinen Millimeter von ihrer musikalischen Ausrichtung abweicht.
Die an diesem Abend technisch beste Band mit Drumtier Gene Hoglan und den beiden Gitarristen Alex Skolnick und Eric Peterson sowie Monsterbasser Steve DiGiorgio legten pünktlich um zehn Uhr los wie die Feuerwehr und spielte sich, tight wie nix, durch 15 Songs aus acht ihrer elf Alben beginnend beim Debüt "The Legacy" über "Low" bis zum noch immer aktuellen Album "Brotherhood of the Snake", wobei das Augenmerk auf den alten Kracherscheiben lag. "Low", “Into the Pit”, “Practice what you preach”, “Over the Wall”, “Disciples of the Watch”, “The New Order" - alles Klassiker, die sich in die Ohren bohren wie eben ein Ohrwurm. Die Soli von Alex Skolnick waren fast nicht von dieser Welt und seine Art des Gitarrenspiels muss man gesehen haben (am Besten checkt man mal den Livemitschnitt vom Summer Breeze 2019) - der Wahnsinn, und wenn dann noch Eric mit einsteigt. Es treten Freudentränen aus den Augen. Gene zerlegte sein Drumkit dabei nach allen Regeln der Kunst, während Steve geniale Bassläufe vom Stapel ließ. Chuck war top bei Stimme und es gab sogar melodische Gesangslinien und der Sound war bis zur Mitte des leider nur 75 minütigen Sets brilliant. Dann hatte es der Soundmann übertrieben mit dem Boostknopf und es wurde etwas zu Drumlastig und die Feinheiten gingen dadurch teilweise verloren. Dennoch ein grandioser Auftritt, der ruhig noch ein oder zwei Songs länger hätte ausfallen dürfen. Egal. Die Meute ging zufrieden und beglückt nach Hause. Fazit: Drei Stunden Thrashmetal vom Feinsten und alle vier Bands dürfen gerne wieder kommen! HJH
Fotokredit: H.J.Herbst