Willow Child

on Tuesday, 16 July 2019. Posted in Nachschau

Kritik zum Konzert beim „Festival Holledau“ in Unterempfenbach am 5. Juli

Willow Child

Noch so eine „female fronted“ Rock-Granate! Und ebenfalls stark beeinflusst vom Sound der frühen 70er Jahre. Die Rede ist von WILLOW CHILD! Spätestestens seit ihrem viel beachteten Auftritt beim „Rock Im Park“- Festival 2017 gilt die aus dem Großraum Nürnberg stammende Band als ein weiterer Hoffnungsträger des Genres Psychedelic-Bluesrock. „Die sind eindeutig besser als die Blues Pills!“ ist sich einer der Veranstalter des Festivals Holledau in Unterempfenbach nach dem Konzert sicher. Er spielte natürlich auf die überaus erfolgreiche und ziemlich gehypte Band aus Schweden an. Aus meiner Sicht hat er Recht, auch ich finde sie interessanter. Umso unverständlicher ist es mir, wie die Veranstalter „Willow Child“ als Opening Act - am Freitag um 18 Uhr(!) - setzen konnten. Diese Band spricht durchaus auch ein älteres Rock-Publikum an, das in der Regel zu späterer Stunde eintrifft. Und dennoch: ich bin jetzt seit über 30 Jahren Besucher beim Festival Holledau nahe Mainburg, doch ich kann mich nicht erinnern, dass jemals ein Opener so gefeiert wurde, wie das die Besucher mit Willow Child getan haben.
Rasch füllte sich der Platz vor der Bühne, die Leute unterbrachen ihre Begrüßungsgespräche hinten an den Biertischen und eilten neugierig und verwundert nach vorne. Und die Band lieferte in der Tat ein erstklassiges Konzert ab. Ich selbst kannte „Willow Child“ und durfte bereits einige ihrer Konzerte miterleben, schon als sie sich noch „Tripdown Memory Lane“ nannten. Mit neuem Gitarristen (Flo Ryan Kiss, Ex-Limestone Whale) und einem Album im Gepäck, hat sich die Band weiterentwickelt und tritt inzwischen sehr selbstbewusst auf, ohne dabei auch nur eine Spur arrogant oder abgehoben zu wirken. Gewiss, vielen „Spezialisten“ neben mir drängten sich gleich Vergleiche auf, von anderen sogenannten „Retro-“Bands mit Sängerinnen, die teilweise auch schon beim Festival Holledau gespielt haben: die oben genannten Schweden etwa, oder die Norweger Pristine, Taming The Shrew; andere brachten Wolfspirit oder Wucan ins Spiel. Wie dem auch sei, Rockfans, die mit all diesen Bands etwas anfangen können und vielleicht noch jede Menge 60er/70er Platten mit Orgel, Wah-Wah und Fuzz Gitarrensounds zuhause stehen haben, für die dürfte Willow Child auf jeden Fall ein echter Tipp sein.
Was Willow Child von einigen der genannten Bands unterscheidet: Der Sound geht oftmals mehr ins Progressive, hier noch ein Dreh, dort überrascht man noch mit einer unerwarteten Variante um dann wieder zu schweren Riffs zurückzukehren. So habe auch ich anfangs nicht immer sofort den Zugang zu manchen Songs ihres Debutalbums „Paradise & Nadir“ gefunden. Man muss sich Zeit nehmen, die Platte öfter durchhören. Aber genau das macht ja ein gutes Rockalbum oft erst richtig spannend. Und live, das haben Willow Child in Unterempfenbach einmal mehr gezeigt, sind sie sowieso längst eine Macht. Nicht nur wegen der attraktiven Sängerin Eva Kohl. Alle Musiker konnten überzeugen. Für mich waren sie die wahren Headliner auf dem Festival Holledau. (Norbert Bauer)
Fotokredit: Norbert Bauer