Youn Sun Nah

on Tuesday, 03 September 2019. Posted in Vorschau

25. Oktober, Theater am Bismarckplatz, Regensburg, 20 Uhr

Youn Sun Nah

Wer Youn Sun Nah einmal erlebt hat, vergisst sie so schnell nicht wieder. Ihre Stimme fesselt, ihre Lieder entfalten hypnotische Intensität, ihre Konzerte begeistern. Mit ihrem neuen Album „Immersion“ geht sie neue Wege und verbindet die Intensität des Gesangs mit der Ausdruckskraft von Jazz, Rock, Folk und dem Anspruch großer Songs. Youn Sun Nah ist eine erstaunliche Künstlerin. In jungen Jahren sang sie in ihrer südkoreanischen Heimat in Musicals, war in klassischen Ensembles zu erleben, stellte dann aber für sich fest, dass ihr die Welt der festgelegten Töne auf Dauer zu eng werden würde. Also beschloss sie 1995, Seoul in Richtung Paris zu verlassen, um sich an der Seine mit Chanson und Jazz zu beschäftigen. Es war kein Bruch mit der Vergangenheit, eher eine Erweiterung der Möglichkeiten des Ausdrucks. Denn Youn Sun Nah entwickelte eine individuelle Dramaturgie gesanglicher Gestaltung. Ihre Lieder entfalteten hypnotische Intensität, die einer Mischung aus Innerlichkeit, Perfektionsdrang und intuitivem Verständnis der richtigen Balance von Ernst und Emotionalität entsprang. Das Resultat war beeindruckend. Bald hing ihr bei Konzerten das Publikum gebannt an den Lippen und folgte den musikalischen Geschichten, die sie zu erzählen hatte.
Von da an war es eigentlich nur noch eine Frage der richtigen Partner und des passenden Repertoires, um aus der Newcomerin einen Star werden zu lassen. Sie wandte den Blick nach Amerika und nahm mit befreundeten Musikern Kontakt auf, die ihr verschiedene Spielarten des Folk nahebrachten. Sie beschäftigte sich intensiv mit der Ideenwelt von Bob Dylan bis Joni Mitchell und fand Wege in eine Richtung, die sie inzwischen konsequent weiter beschreitet. „Immersion“ ist daher ein stilistisch weit gefächertes Album, ein Eintauchen in viele Welten, von der andalusischen Klassik der „Asturias“ über die Motown-Unbeschwertheit à la „You Can’t Hurry Love“ und die Nachdenklichkeit von Marvin Gayes „Mercy Mercy Me“ bis hin zu Leonard Cohens profundem Pathos in „Hallelujah“. Nur verändert Youn Sun Nah die Vorlagen so nachhaltig, dass die Lieder nicht nur neue Geschichten fernab der ursprünglichen Versionen erzählen, sondern sich in eigene Mysterien verwandeln.
Hier kommt eine Stimme, die beim Hören fesselt. Eine Persönlichkeit, die ihre Mischung aus Ernst und Empathie in die Musik trägt, ohne damit gravitätisch zu werden. Damit kommt sie, zusammen mit Tomek Miernowski (g, key) und Rémi Vignolo (dr, perc, b) nach Regensburg in der Reihe „Jazz im Theater“.
Fotokredit: Youn Sun Nah