38. Regensburger Stummfilmwoche: Zwischen Provinz und Metropole

on Thursday, 30 July 2020. Posted in Musik, Film, Kultur

11. bis 16. August in der FilmGalerie im Leeren Beutel

38. Regensburger Stummfilmwoche: Zwischen Provinz und Metropole

Auch die Stummfilmwoche wird in ihrem 38. Jahr von Covid-19 durchgerüttelt. Die Veranstalter haben sich entschieden, die Tradition nicht abreißen zu lassen und sie in einer den aktuellen Umständen angepassten Form durchzuführen. Der „Markenkern“ – hochkarätige Live-Musik und eine Mischung aus Klassikern und unbekannten Perlen der Filmgeschichte – wird nicht angetastet. Beim Spielort gehen sie dafür auf Nummer sicher – dies bedeutet, dass heuer kein großes Open-Air vor den eleganten Arkaden des Thon-Dittmer-Palais veranstaltet, sondern die Intimität der FilmGalerie im Leeren Beutel vorgezogen wird, in der die Hygieneregeln eingeübt sein werden.
An dieser Stelle möchten die Veranstalter explizit der Stadt Regensburg danken – ohne die Förderung des Kulturreferats wäre die Durchführung der Stummfilmwoche heuer nicht möglich. Das Programm 2020 ist eingebettet in das städtische Jahresthema „Provinz – Stadt – Metropole“ – ein Dreiklang, der dazu anregt, besondere Werke in Beziehung zu setzen: Zwei „Schwesterfilme“, die selten im Zusammenhang gezeigt werden. Beides sind Werke eines der bekanntesten Regisseure des frühen Kinos, F.W. Murnau, der sich v.a. mit Nosferatu und Faust in die internationale Filmgeschichte eingeschrieben hat. Nach seiner Emigration in die USA hat er SUNRISE und CITY GIRL geschaffen. Beide zeigen den Gegensatz zwischen dem hektischen Leben in der Metropole und dem ver¬¬meintlich ruhigen Leben in der Provinz. In beiden treffen Städterinnen auf Bauern, und doch sind ihre Geschichten verschieden. Ihre Frauenfiguren sind gegensätzliche Archetypen, ebenso sind die männlichen Hauptrollen unterschiedlich angelegt. In beiden werden Stadt-Land-Vorurteile durch¬dekliniert und damit sichtbar gemacht. Ist die Metropole wirklich DER Sündenpfuhl und die Provinz DIE Idylle? Wo ist Melancholie verortet und wo Romantik? Was macht die Faszination der Provinz für Städterinnen aus und was die Anziehung der Metropolen für Männer vom Land? Ist das Leben in der Stadt wirklich komplizierter als das in der Provinz? Flankierend dazu sehen wir eine rasante Komödie um einen Insektenpulver¬fabrikanten aus Essig-an-der-Gurk, der in den verrückten Strudel des Berliner Nachtlebens gerät und EINE TOLLE NACHT erlebt.
Neben den Stammmusikern des Aljoscha-Zimmermann-Ensembles und Vsevolod Pozdejev ist heuer der versierte Pianist Martin Rohrmeier mit an Bord. Sie schenken den Besuchern mit ihren Filmkonzerten einmalige Erlebnisse.
Unter diesem Link gibt es das vollständige Programm: https://www.stummfilmwoche.de/index.php?page=210