Fünf Fragen an Klaus „schwafi“ Schwarzfischer

on Wednesday, 30 January 2019. Posted in Kultur

Neue Ausstellung „R leuchtet“ noch bis 24. Februar im Neuen Kunstverein Regensburg

Fünf Fragen an Klaus „schwafi“ Schwarzfischer

Universalkünstler Klaus Schwarzfischer, alias "schwafi", ist ein „unbequemer Regensburger“, er legt schon mal „künstlerisch“ den Daumen auf zweifelhafte Auswüchse des Stadtgeschehens. Gemeinsam mit seinen Spezln "hangover", Hubert Lankes, Helmut Wolf und Tony Kobler hat "schwafi" eine von Satire triefende Ausstellung im Neuen Kunstverein gestaltet mit dem Titel: "R leuchtet". Eine Ausstellung, mit der die Akteure Regensburg „derblecken“ wollen, wie die Mittelbayerische schrieb. Wir fragen nach und bekamen entsprechende Antworten!


1) Was war die Idee, die zu „R leuchtet“ führte? Welches Konzept steckt dahinter?
Es gab vor vielen Jahren ein satirisches Programm, das hieß "München leuchtet". Dieter Hildebrandt setzte sich in den 80ern kritisch mit der Stadtgesellschaft und dem Immobilienmarkt auseinander. Mit "R leuchtet" schlagen wir in eine ähnliche Kerbe. Der Ausstellungsname "R leuchtet" geht jedoch weiter. Er verleiht den Partnerstädten Regensburg und Randsperg, um die es in der Ausstellung ja geht, zusätzlich eine religiöse Konnotation. Erleuchtungen, Lichtgestalten und Heiligenscheine werden von den Besuchern der Ausstellung automatisch mit den Kunstwerken in Verbindung gebracht. Alles erscheint strahlender, heller und übernatürlicher, als es ohne den Titel "R leuchtet" der Fall wäre. Zum Konzept, das dahinter steckt dahinter? Zwei der weltweit führenden Künstlergruppen, das KUNSTKONGLOMERAT RANDSPERG und die TOURISTIFIKATION REGENSBURG stellen erstmals miteinander aus. Zusammen erwirtschaften die großartigen Künstler ca. 160 Millionen amerikanische Dollar im Jahr. Nur zu Verdeutlichung: Für diesen Betrag könnte das Kulturamt dem Bruckmandl ungefähr 2.000 Mal den Arm abschlagen und wieder hin kleben oder eine Reiterstatue bis zum Weltuntergang täglich von Bierwagenrössern zwischen Bahnhof und Dom hin und her schleppen lassen. Es handelt sich also um ein interaktives Konzept zwischen künstlerischem Weltmacht-Anspruch und der Trost- bzw. Brotlosigkeit von Provinz-Kunst, zwischen intellektuellem Kultur-Misanthropentum und nachhaltiger Eindimensionalität, zwischen Urbanität und aus sexualtherapeutischer Sicht unbedenklichem Bürgerbegehren.

2) hangover, Hubert Lankes, Helmut Wolf, Tony Kobler und schwafi – das sind die beteiligten Künstler? Was ist die „Klammer“ zwischen diesen Fünf?
Es handelt sich hierbei nicht um die richtigen Namen der Künstler. Ähnlich wie in der Agentenszene müssen sich Kulturschaffende der obersten Kategorie eine zweite Identität zulegen, um nicht beim Einkaufsbummel von sonntagsmalenden SUV-Panzerfahrerinnen belästigt oder von russischen Giftgas-Künstlern umgebracht zu werden. Folgendes ist demnach nicht wahr: hangover macht mit schwafi Comic Strips, spielt mit ihm Musik und illustriert seine Bücher. Hubert gründete mit schwafi die TOURISTIFIKATION und war Kameramann des Metzgerfilms. Helmut Wolf sägte während der CD-Präsentation des Albums "randsperg" dessen Cover aus einem Holzblock und spielt manchmal mit seiner Kettensäge Begleitgitarre bei "schwafi und die spackos". Schnell- wie Langsamzeichner und Skulpturenmacher Tony Kobler wurde vom Kulturmagazin Lichtung beauftragt, schwafi undercover zu porträtieren. Keine einfache Aufgabe.

3) Warum stellt ihr im „Neuen Kunstverein“ aus?
Wohin hätten wir sonst gehen sollen? Welche Steigerung wäre nach dem MoMa in New York, der Tate Gallery, London und dem Guggenheim in Bilbao noch möglich gewesen? Dieses eine Mal wollten wir noch in einer weltweit renommierten Kunststätte ausstellen. Vielleicht besinnen wir uns danach wieder auf Bescheideneres. Aber wer könnte widerstehen, wenn die KulturgigantInnen des Neuen Kunstvereins, Reiner R. Schmidt und Renate Haimerl-Brosch, rufen? Neuer Kunstverein - We love you!

4) Gibt es eine Reaktion von der „offiziellen“ Stadt, von Politikern?
Ich habe gehört, dass einige geringfügige allergische Reaktionen aufgetreten sind. Hautpusteln und so. Aber nichts Schlimmes. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Kommunalpolitik wichtigeres zu tun hat, als sich mit kreisklassiger Kunst zu beschäftigen und auf Vernissagen kostenlosen Wein einzusaugen. Das machen die ja sonst auch nie. Wenn man bedenkt, dass nach dem eingangs erwähnten Hildebrand-Projekt in München alles noch schlimmer, teurer und blöder geworden ist, sollte man Ausstellungen wie "R leuchtet" verbieten, um Regensburg vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren. Da muss es doch Mittel und Wege geben! Ignorieren ist jedenfalls schon mal ein akzeptabler Anfang, um sich stadtpolitisch nicht vom bewährten Pfad abbringen zu lassen.

5) Was ist das nächste Projekt?
Die Randsperber Bürgermeisterwahl kommt. Da in der Vergangenheit sämtliche Amtsträger durch Flugzeugabstürze, Volksfestbierkrüge oder Atomkatastrophen aus dem Leben gerissen wurden, streben wir eine neue Herrschaftsform auf kommunaler Ebene an, die nicht mehr Einzelpersonen die Schuld für ihre Verbrechen zuschieben kann. Uns schwebt eine Organisationsstruktur in Richtung Immobilienkonsortium oder ein Stammtisch mit Mindestverzehrklausel vor.

Das ist keine gefällige Kunst, ohne irgendwelche Aussagen oder Standpunkte. Im Gegenteil. „Diese Ausstellung will nur Stellung beziehen. Sie will nur Aussagen machen“, freute sich Reiner Schmidt vom Neuen Kunstverein bei der Ausstellungseröffnung. „R leuchtet" läuft bis Sonntag, 24. Februar im Neuen Kunstverein Regensburg, Schwanenplatz 4. Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag (16 bis 18 Uhr) sowie Samstag und Sonntag (12 bis 14 Uhr).
Fotokredit: Neuer Kunstverein Regensburg