„Oslo – Mission für den Frieden“ von J.T. Rogers

on Sunday, 22 September 2019. Posted in Kultur

Kritik zur Premiere am 21. September im Velodrom

„Oslo – Mission für den Frieden“ von J.T. Rogers

Der mittlere Osten ist der Brennpunkt  internationaler Krisen und Kriege, und seit der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 hat die Region nicht mehr aus dieser Situation herausgefunden. Allerdings schien in der Zeit nach dem Ende des Kalten Krieges eine Annäherung und vertragliche Regelung der Zweistaatenlösung zwischen Israel und den Palästinensern möglich zu sein. Diese Anstrengungen der Diplomatie sind als der „Oslo-Prozess“ in die Geschichte eingegangen. Die norwegische Hauptstadt spielte in diesem Prozess der Annäherung der beiden verfeindeten Seiten eine wichtige Rolle, galt und gilt sie doch als neutral im Nahost-Konflikt.
Wie sehr gerungen wurde um dieses Abkommen, und welche entscheidende Rolle ein norwegisches Ehepaar hinter den Kulissen der offiziellen Verlautbarungen spielte, wird in diesem Drama gezeigt. Mona Juul (Katharina Solzbacher) und Terje Rod-Larsen (Gero Nievelstein) setzen auf die Kraft einer direkten Kommunikation und bringen die Unterhändler beider Seiten, der Israeli und der Palästinenser, zusammen. Nicht zuletzt durch die überzeugende schauspielerische Leistung der Darsteller entwickelt sich daraus eine ungeheuer spannende Lektion Zeitgeschichte.  Das langsame Aufeinander-Zugehen der verfeindeten Seiten, die Formulierung der ersten Kompromisse, verworfen und erneut formuliert, und vor allem die persönliche Wertschätzung, die im Lauf der Verhandlungen zwischen den Kontrahenten entsteht, macht dieses Bühnenstück so besonders. Der Widerstreit zwischen Zustimmung und Ablehnung, zwischen dem Wunsch nach Frieden und der Befürchtung, von der anderen Seite über den Tisch gezogen zu werden, ist in jeder Sekunde präsent. Das ist auch die großartige Leistung der Schauspieler und des Textes, dass dieses Ringen um akzeptable Formulierungen so deutlich herausgearbeitet wurde, und man wünscht sich, dass dieser persönliche Einsatz und auch die Wertschätzung der jeweiligen Vertragsgegner in der Politik der Gegenwart präsent sein möge. Die Rolle der starken Frau Mona Juul, die in schwierigen Verhandlungsphasen diplomatisch geschickt Auswege weist, hält die Männerrunde kraftvoll zusammen. Gestützt durch ein unspektakuläres, klares Bühnenbild (Frank Albert), entsteht so ein beeindruckender Abend. 
Wenn dann am Ende der Vertrag zwischen Arafat und Rabin mit einem Händedruck, begleitet vom amerikanischen Präsidenten Bill Clinton, den „Oslo-Prozess“ vorläufig beendet, wünscht man sich, dass dieses Ringen um die Vertragsinhalte einen dauerhaften Frieden ermöglicht hätte – die Geschichte ist anders verlaufen, wie man weiß. Und von einem Frieden in der Region ist man weiter entfernt als je.
(arm)

Fotokredit: Theater Regensburg/J. Quast