Ausstellungen über Hipgnosis (Berlin) und Pink Floyd (Dortmund)

on Tuesday, 25 September 2018. Posted in Musik

Interview mit Aubrey Powell

Ausstellungen über Hipgnosis (Berlin) und Pink Floyd (Dortmund)

Hipgnosis – bei diesem Namen läuft Rockmusikfreaks das Wasser im Mund zusammen. In den 70gern und 80gern waren die Designer verantwortlich für jede Menge epochaler Albumdesigns von Bands wie Pink Floyd, Led Zeppelin, Genesis, Peter Gabriel, Styx, 10cc und vielen anderen. Storm Thorgerson, einer der Gründer, ist 2013 verstorben. Der zweite Mann, Aubrey Powell, ist derzeit sehr aktiv. So ist er in die Ausstellung "Daring to Dream. 50 Jahre Hipgnosis" in der "Browse Gallery" Berlin (ab 30. September) genauso involviert, wie in die grandiose Pink Floyd Ausstellung "Their Mortal Remains", die noch bis Februar im "Dortmunder U" zu sehen ist. Alois C. Braun hatte den vielbeschäftigten Mann, der sich in den 60gern eine Wohnung mit Syd Barrett teilte, drei Tage vor Eröffnung der Ausstellung in Dortmund am Telefon.

Aubrey, wie viel Zeit nimmt die Ausstellungsvorbereitung in Dortmund in Anspruch?
Insgesamt dauert die Vorbereitung hier ungefähr sechs Wochen. Wir müssen die Ausstellung jedes Mal den örtlichen Gegebenheiten anpassen. Wenn es dann um die Platzierung der Fotos, Objekte und Multimediainstallationen geht, bin ich für zwei Wochen selbst vor Ort. Begonnen mit der Arbeit am Konzept dieser Ausstellung habe ich aber bereits 2013. Letztes Jahr war "Their Mortal Remains" dann in London erstmalig zu sehen.

Dort und in Rom war die Ausstellung ein Riesenerfolg, musste verlängert werden. Hat dich das überrascht?
Ehrlich gesagt: Nein! Wir hatten 2008 bereits eine wesentlich kleinere Ausstellung in Paris. Die war unglaublich erfolgreich. Deshalb haben wir noch vor Storms Tod mit David Gilmour, Nick Mason und Roger Waters über eine erheblich größere Version gesprochen. Die Idee dazu kam vom "Victoria and Albert Museum" in London. Die waren so zufrieden mit der David-Bowie-Ausstellung, dass sie uns für "Their Mortal Remains" auch erheblich mehr Platz boten, als normalerweise zur Verfügung steht. Es sind etwa 400 Objekte zu sehen und 90 Prozent davon sind Originale. Pink Floyd stand immer für Perfektion und genau diesen Anspruch wollen wir auch mit dieser Aussellung zu 100 Prozent erfüllen! Es gibt in London ein Lagerhaus mit Sachen aus all den Pink Floyd Shows. Ich war dort und es war schon skurril, 20 aufblasbare Schweine der Original-Wallshow zu finden. Leider waren sie in keinem guten Zustand, genauso wie die überdimensionale Lehrerfigur aus der Show. Wir entschieden uns deshalb gegen eine Restaurierung und griffen auf die neueren Teile aus Roger Waters' Wallshow zurück.

In Berlin startet Ende September eine Ausstellung über Hipgnosis. Auch da bist du involviert. Was gibt es dort zu sehen?
Natürlich werden wir in der Browse Gallery auch einige unserer bekannten Arbeiten zeigen. Aber nicht nur das. John Colton von der Galerie wollte nicht nur die bekannten Sachen haben, sondern war an unserer gesamten Arbeit interessiert. Ich war sehr aufgeregt, als ich gefragt wurde, diese Ausstellung zu machen. Es werden große, brillante Abzüge von Fotos zu sehen sein, die ich vor 50 Jahren gemacht habe. Glaub mir, ich war den Tränen nah, als ich nach all der Zeit die Bilder in dieser großartigen Form sah. Viele davon wurden bisher noch nie gezeigt. Outtakes von Pink Floyd, verworfene Ideen, surreale Aufnahmen. Von den Rolling Stones habe ich 360 Bilder gefunden, die nie veröffentlich wurden!

Du hast das Wort schon gesagt: surreal. Hipgnosis war ja vor allem für diese Art Fotos auf den Plattencovern bekannt. Wie kam dazu, dass ihr diesen Stil entwickelt habt?
Als der leider verstorbene Storm Thorgerson und ich so 19, 20 Jahre alt waren, waren wir sehr beeinflusst von Surrealisten wie Dali, Marcel Duchamp oder Man Ray. Auch Filme von Fellini und Buñuel haben uns beeinflusst. Wir wollten aber immer unseren eigenen Stil entwickeln und nie so sein wie andere. Deshalb haben wir immer mit den Bands direkt gearbeitet und wurden von ihnen bezahlt. In den Plattenfirmen saßen nämlich die Anzugträger und das waren nicht "unsere" Leute. Die haben uns ob der Designs oft gehasst (lacht). Allerdings haben wir nicht nur diese Art surrealer Cover gemacht. Ich erinnere nur an "Coda" von Led Zeppelin oder die erste Platte von Bad Company. Da ist nur ein Schriftzug zu sehen. Oder das Cover von XTCs "Go 2". An dieser Arbeit hatte zunächst niemand Interesse. Erst als Andy Partridge (XTC) eines Tages zu uns ins Studio kam, und unsere eigentlichen Entwürfe für das XTC-Cover ablehnte, wendete sich das Blatt. Er entdeckte dieses Motiv (Anmerkung: schwarzer Hintergrund und in weißer Schreibmaschinenschrift ein kleingeschriebener Text über den Sinn von Covern) an der Wand und war sofort begeistert.

Ein Begriff, den du im Zusammenhang mit der Arbeit von Hipgnosis immer wieder benutzt ist "Non-Cover". Was ist darunter zu verstehen?
Wir haben oft damit gearbeitet, dass wir auf dem Cover nur Fotos oder Grafiken platzierten, die nichts mit der Band, dem Albumtitel, den Songs oder den Texten zu tun hatten. Auch der Bandname war nicht mit drauf. Vor allem für die Plattenfirmen ein Irrsinn (lacht). Das waren unsere Non-Cover. Beispiele sind "Houses Of The Holy" von Led Zeppelin oder "Atom Heart Mother" von Pink Floyd. (acb)

Infos:
DARING TO DREAM. 50 Jahre Hipgnosis.
Ausstellung vom 30.09. bis 28.10.2018
Öffnungszeiten: Die – So, 11:00 – 20:00 Uhr
Ort: Browse Gallery, Bergmannstr. 5, Innenhof rechts, 10961 Berlin
https://browse.gallery/ausstellungen-2018/daring-to-dream-50-jahre-hipgnosis/


THEIR MORTAL REMAINS - Pink Floyd Exhibition
Ausstellungsdauer: noch 10. Februar
Öffnungszeiten: Mo – Mi: 10 - 18 h / Do, Fr: 10 - 20 h / Sa, So: 10 - 22 h
Ort: Dortmunder U, Leonie-Reygers-Terrasse, 44137 Dortmund
http://www.dortmunder-u.de/presse/pink-floyd