Bakerloo

on Monday, 02 September 2019. Posted in CD, Musik

Bakerloo

Bakerloo

Bakerloo, nach einer U-Bahn-Station in London, nannte sich eine der kurzlebigen, bluesorientierten Rockgruppen, die während des Bluesbooms in der zweiten Hälfte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts in England entstanden waren, konkret im Frühjahr 1968. Dem Trio gehörten Dave "Clem" Clempson (Gitarre, Gesang), Terry Poole (Bass) und Keith Baker (Drums) an. Die Band veröffentlichte im Dezember 1969 auf Harvest, dem „Label für gehobene Ansprüche“ ihr einziges Album. Von Gus Dudgeon produziert, exzellent und vor allem – weil die Gruppe noch längst nicht ausgereift erschien – frisch und unkompliziert. Clempson spielt einen harten, agressiven und kraftvollen Stil, der dennnoch sehr wandlungsfähig ist. Bei seinen Soli spürt man schon die Ausdruckskraft, die er später im Kreis der Colosseum-Leute erreicht. Das Manko der klassischen Trio-Besetzung machen die drei Musiker durch ihre Homegenität, durch den (Playback-) Einsatz weiterer Instrumente – Clempson spielt noch Piano, Slide-Gitarre, Harp und Harmonika – und durch die gelungene Stückauswahl wieder wett. Gleich der Opener "Big Bear Ffolly", eine Eigenkomposition, geht richtig in den Bauch, daneben demonstrieren sie Jazz-Einflüsse, spielen den puren Willie Dixon-Blues „Bring it on home“ satt und fett, zeigen ein jazzig-inspiriertes Barock-Stück von J.S. Bach („Drivin‘ Bachwards mit Jerry Salsibury an der Posaune) und erreichen mit der schwerblütigen Blues-Nummer „This worried feeling“ den Höhepunkt des Albums. Leider war das schon das Ende der Band, denn Clempson hatte kurz nach Veröffentlichung des Longplayers das Angebot der Jazzrock-Combo Colosseum erhalten, um deren ausscheidenden Gitarristen James Litherhand zu ersetzen. Clempson sagte zu, was mit dem Auseinanderbrechen von Bakerloo einher ging. Nachdem Split der Band bildeten die beiden anderen Bakerloo Musiker Terry Poole und Keith Baker - nach kurzen Gastspielen bei Uriah Heep (Poole) und Graham Bond (Baker) wieder zusammen unterwegs - dann 1971 die Rhythm Section bei May Blitz, einer heftigen aber leider ebenfalls nur relativ kurzlebigen Rockband dieser Zeit. Clempson blieb für zwei Jahre und drei Alben bei Colosseum, bevor er Mitglied von  Humble Pie wurde, später spielte er bei Strange Brew (u.a. mit Greg Ridley und Cozy Powell) und bei Rough Diamond (zusammen mit ex-Uriah Heep Sänger David Byron. In den 80ern und 90ern spielte er mit Jack Bruce, wieder mit Colosseum, in den letzten Jahren war er häufig mit der Hamburg Blues Band unterwegs. Zuletzt war er Mitglied bei JMC, einem Trio, das der frühere Colosseum-Leader Jon Hiseman zusammen mit Clempson und Mark Clarke gegründet hatte. Und obwohl diese Band und ihr einziges Album inzwischen in Vergessenheit geraten ist, zählt dieses Album bei eingefleischten Rockfans mit zu den begehrtesten Sammlerstücken. Jeder, der diese LP im Orginal im Plattenregal hat, besitzt damit ein Rockjuwel. Allerdings gibt es inzwischen auch Re-Issues, so bei Repertoire Records und zuletzt 2016 bei Esoteric mit sogar fünf Bonus-Tracks in einer remasterten Version. (Harvest) no.men