Blondie Chaplin im Interview

on Friday, 15 June 2018. Posted in Musik

Studioaufnahmen in Sinzing, „Step of Fame“-Preisübergabe im “House on the Rock”

Blondie Chaplin im Interview

Die Liste der Musiker, mit denen der Gitarrist und Songwriter Blondie Chaplin im Laufe seiner erfolgreichen Karriere gearbeitet hat, ist unglaublich lang. Und sie würde sich vorzüglich als eigenes Rocklexikon eignen: Beach Boys, Rolling Stones, Beth Hart und Joe Bonamassa sind nur ein paar Namen daraus. Außerdem hatte er bereits in den 60ern in seiner Heimat Südafrika Nummer-1-Hits mit seiner eigenen Band The Flames. Aktuell ist Chaplin mit Brian Wilson auf Tour. Für mehrere Tage weilte er nun in Regensburg, nahm im „House on the Rock“ den „Step of Fame Award“ entgegen und spielte mit Judy Seutter Songs im Sinzinger „Single Coil Music Tonstudio“ ein. Alois C. Braun hatte Gelegenheit für ein ausführliches Interview mit dem passionierten Musiker aus Durban/Südafrika.

Hast Du noch Kontakte nach Südafrika und wie oft bist Du dort?
Ich habe noch viel Verwandtschaft in der Gegend um Durban. Allerdings sind inzwischen all meine Tanten gestorben. Ich mochte sie sehr gerne. Aber Cousins gibt es noch jede Menge. Vor Ort war ich aber schon sehr lange nicht mehr.

Wo lebst Du aktuell?
Ich lebe in Los Angeles.

Du bist jetzt mehrere Tage in Regensburg. Was ist der Grund?
Ich mache hier zusammen mit Judy Seutter Studioaufnahmen für eine CD. Es war gestern wirklich großartig im Studio zu arbeiten. Morgen sind wir wieder dort. Außerdem nutzten wir die Zeit meines Aufenthaltes, um die offizielle Verleihung des „Steps Of Fame Award“ zu machen. Ich finde es sehr gut, dass es das „House On The Rock“ und auch die „Steps of Fame“ gibt.

Magst Du die Stadt?
Oh ja. Als Frühaufsteher bin ich oft schon morgens um 6 Uhr unterwegs in Regensburg. So früh ist fast noch niemand auf der Straße, es ist noch nicht so heiß und ich bin allein mit mir. Das ist die beste Zeit des Tages. Du redest mit Gott, du redest mit der Natur und du kannst nachdenken. Außerdem liebe ich es, die Sonne aufgehen zu sehen. Für viele Rockmusiker mag diese Zeit nicht normal sein, aber ich bin ja ein afrikanischer Rockmusiker (lacht). Ich denke, ich habe das von meiner Mutter geerbt. Sie stand immer gegen 4.30h auf, als sie noch lebte. Die Familienmitglieder kamen alle von Farmen und da musst du früh aufstehen.

Wann hast Du begonnen Gitarre zu spielen und Songs zu schreiben?
Mit der Gitarre begann ich so mit 12 oder 13 Jahren, mit dem Songschreiben so mit 17 oder 18.

Für die Beach Boys hast Du u.a. „Sail On Sailor“ geschrieben. Der Song wurde auch von Ray Charles gecovert. Kennst Du diese Version?
Um ehrlich zu sein, ich weiß, dass viel darüber gesprochen wird. Aber selbst gehört habe ich nur einen Teil davon im Radio. Und selbst das ist lange her – ich muss mir das jetzt unbedingt komplett anhören! Es ist natürlich fantastisch, dass so ein großer Künstler diesen Song gesungen hat.

Gerade bist Du mit Brian Wilson auf Tour. Wie geht es ihm?
Brian geht es gut. Er hatte nur gerade eine Rückenoperation, von der er sich sehr gut erholt. Wir sind inzwischen knapp 3 ½ Jahre zusammen auf Tour und in der dritten Juliwoche geht es weiter. Zunächst in den USA und dann auch in Europa. In Deutschland haben wir nur ein Konzert: am 16. August in Berlin.

Auf Wikipedia steht, dass Du 1973 während einer Show mit den Beach Boys gefeuert wurdest. Stimmt das so, wird man mitten im Konzert rausgeschmissen?
Das ist Bullshit! Wir hatten eine tolle Show in der Carnegie Hall gespielt, Standing Ovations bekommen. Als wir nach dem Konzert von der Bühne gingen, kam es zum Eklat mit Stephen Love, dem damaligen Manager. Deshalb ging ich. Sie haben mich nicht gefeuert, ich habe sie gefeuert (lacht laut). Alle sagten damals „bist Du verrückt, Du verlässt die Beach Boys?“. Aber ich ging einfach meinen eigenen Weg.

Wie kam die erneute Zusammenarbeit mit Brian zustande?
Er hatte mich kontaktiert, damit ich „Sail Away“ auf der „No Pier Pressure“-CD singe. Später fragte er mich, ob ich auch mit auf Tour kommen würde. Und es ist ja nicht so, als ob wir noch nie miteinander gespielt hätten (lacht). Ich kenne ihn und seine leider verstorbenen Brüder schon lange. Aber damals bei den Beach Boys kannte ich ihn nicht so gut. Er war damals sehr in sich zurückgezogen und privat. Ein kreativer Geist. Nun arbeiten wir sehr gut und respektvoll zusammen und verbringen viel Zeit miteinander, da wir auf der Tour auch zusammen reisen.

Warum bist Du seit 2012 nicht mehr mit den Rolling Stones unterwegs? Du warst ja immerhin 15 Jahre dabei...
Sie wollten wohl einfach eine kleinere Band auf der Tour und strichen einige Begleitmusiker. Aber den genauen Grund kennen nur sie. Sie brauchten wohl einfach eine Veränderung. Ich habe sie lange nicht mehr gesehen, obwohl es nie irgendwelche Probleme gab.

Wir hatten vor zehn Jahren schon einmal ein Interview für das „Grand Gtrs“-Magazin. Damals ging es auch um Teppiche. Sammelst Du noch?
(lacht laut und dreckig, fast wie Keith Richards) Ich habe viel zu viele davon! Einige sind im Haus ausgelegt, andere gelagert. Aber das ist halt meine Leidenschaft – zusammen mit dem Musikmachen und dem Malen. Ich male sehr oft morgens und plane auch eine Ausstellung zu machen. Bisher habe ich noch nicht ausgestellt, aber ich könnte es mir sehr gut hier im House On The Rock vorstellen. Oder in einer Galerie in Regensburg. Natürlich muss man schauen, wie man die Bilder hierher transportiert. Eine andere Idee wäre, im Sommer für einen Monat hierher zu kommen, zu malen, auszustellen und einige Shows in der Gegend zu spielen.

Hast Du mehr Gitarren oder mehr Teppiche gesammelt?
Teppiche! Ich gehe ja auch auf Flohmärkte und schau mich nach Teppichen um. Aber es ist nicht mehr ganz schon schlimm wie früher (lacht). Ich habe, wie gesagt, einfach schon zu viele. Andererseits ist es eine Sucht, ich kann es nicht stoppen. Aber was ist falsch daran? Es ist ja nichts Dunkles oder Verbotenes. Mich interessiert ja auch die Geschichte der jeweiligen Teppiche.

Dein letztes Soloalbum „Between Us“erschien bereits 2006. Ist etwas Neues in Planung?
Ich habe aktuell sieben neue Songs fertig. Wenn alles glatt läuft, könnte das neue Album nächstes Frühjahr erscheinen.

Wird man auch Einflüsse aus Deinen Arbeiten mit den unterschiedlichsten Musikern hören?
Unbewusst ist man ja immer von allem beeinflusst, was man macht. Deshalb werden auf dem Album sicher Einflüsse meiner anderen Arbeiten vorhanden sein. Aber wie gesagt, mache ich das nicht bewusst.

Zwei Interpreten mit denen Du gearbeitet hast sind mir besonders aufgefallen: Chris Whitley und Elliot Murphy...
(lacht laut) SHIT! Das ist so lange her. Ich freue mich, dass Du auf sie zu sprechen kommst. Whitley war ein sehr interessanter Typ und seine Musik war sehr speziell. Man kann ihn in keine Schublade stecken. Ich liebe seine Musik, aber leider lebt er nicht mehr. Weißt du, im Rock 'n' Roll machst du manchmal Sachen, die du nicht tun solltest. Deshalb bin ich froh, dass ich noch hier bin, ich danke Gott dafür. In diesem Business sind die Überlebenschancen manchmal nicht sehr hoch. Ich bin dankbar für all die Inspiration und mache einfach weiter. Aber zurück zu deiner Frage. Elliot Murphy lernte ich über David Johansen von den New York Dolls kennen, mit dem ich auch gearbeitet habe. Das muss in den frühen 80ern gewesen sein. Ich habe bei Murphy auf dem Album „Change Will Come“ bei einigen Songs mitgespielt.

Welche Musik hörst Du privat?
Normalerweise starte ich den Tag mit klassischer Musik im Radio. Diese Musik ist ruhig und reinigt mich und meine Ohren. So bin ich wieder bereit für Rockmusik (lacht). Meist höre ich dann die alten Sachen, aber meine Tochter spielt mir auch Neues vor.

Du bist schon so lange im Geschäft. Geht es inzwischen im Rockbiz zuviel ums Geld anstatt um Musik?
Geld und Geschäftemacherei waren schon immer wichtig in der Rockmusik. Heutzutage hilft das Internet den Musikern aber, dass sie sich und ihre Sachen bekannt machen können. Du kannst deine Werke online stellen und irgendjemand wird es hören und mögen – hoffentlich (lacht). Aber natürlich ist es nicht leichter geworden von der Musik zu leben.

(Alois C. Braun)