CHESS -das Musical

on Wednesday, 20 March 2019. Posted in Musik, Kultur

Kritik zur Premiere am 16. März im Velodrom

CHESS -das Musical

In den 80er Jahren schoss der Song „One Night In Bangkok“ von Murray Head an die Spitze der Charts und auch das Duett „I Know Him So Well“ feierte in zahllosen Cover-Versionen (u.a. von Whitney Houston und ihrer Mutter Cissy) beachtliche Erfolge. Musicalfans wissen wahrscheinlich, dass diese Songs aus der Feder des ABBA-Teams Benny Andersson und Björn Ulvaeus stammen und 1984 mit dem Musical „Chess“ am Londoner West End Premiere hatten.
Ein gewagter Schritt ist es, dieses Musical von Tim Rice aus den 80ern heute auf die Bühne zu bringen. Es thematisiert anhand der Schach-WM von 1972, bei der der Amerikaner Bobby Fischer auf den russischen Großmeister Boris Spasski traf, die Unversöhnlichkeit der beiden Großmacht-Blöcke im Kalten Krieg. Die Fronten waren klar: hier die „Guten“, und auf der jeweils anderen Seite die „Bösen“. So einfach stellt sich in der Gegenwart die Lage nun nicht mehr dar – außer im Schachspiel, das mit Schwarz und Weiß geführt wird. Und so versucht die Regensburger Inszenierung von Christina Schmidt die Story in die Gegenwart zu holen, was nur mäßig gelingt. Zum einen sind die Anspielungen auf die Politiker etwas plump – der amerikanische Spieler heißt Frederick Trumper, die Problematik der Flucht aus dem Ostblock ist heute so nicht mehr nachvollziehbar – die Ehefrau zu verlassen für eine neue Geliebte ist in den Medien schon fast eine alltägliche Geschichte. Und die eingeblendeten Twittermeldungen am Rand der Bühne lenken eher ab als dass sie die Handlung fokussieren.
Der erste Teil der Aufführung ist aus den genannten Gründen etwas zäh, da können auch die solide musikalische Begleitung und die Parts der Tanzsparte des Theaters nicht viel ändern. Nach der Pause nimmt das Spiel deutlich Schwung auf, es beginnt mit dem Hit „One Night in Bangkok“, die Tänzer brillieren mit einer launigen Version eines Tempeltanzes. Die Handlung verdichtet sich deutlich, aus ehemaligen Feinden werden Partner, die sich der Forderung an den Schach-Weltmeister Sergievsky, absichtlich gegen seinen blassen Herausforderer zu verlieren und dadurch die verlassene Ehefrau und seine Kinder wiedersehen zu können, widersetzten. „Es geht um das Spiel, nicht um die Spieler“ ist ein Schlüsselsatz aus dieser Szene. Eine dichtere Handlung, hervorragende Tanzparts, die musikalische Begleitung des Philharmonischen Orchesters geben diesem Teil der Aufführung deutlich mehr Struktur. Und nicht zuletzt sind die Gesangsparts zu würdigen, in erster Linie Christina Wimber als Florence Vassy, der Geliebten von Trumper, Esther Baar als Ehefrau des Schachmeisters, Thomas Christ als Schachmeister Anatoly Sergievsky, Seymur Karimov als Chef der russischen Delegation. Der zweite Teil des Musicals macht also richtig Spass und kann diese „Parabel über Macht und Manipulation“, wie es im Programmheft heißt, doch noch zu einem geglückten Ende führen. (arm)
Weitere Aufführungen finden noch bis Mitte Juni statt –mehr Infos unter https://www.theater-regensburg.de/spielplan/details/chess/
Fotokredit: Theater Regensburg