Fandangos In Space

on Thursday, 03 October 2019. Posted in CD, Musik

Carmen

 Fandangos In Space

Seit Juli gibt es bei den Alben-Besprechungen eine neue Rubrik: "From the vaults" - in der Übersetzung bedeutet das ja "aus der Gruft" und irgendwie passt das. Wir stellen hier einmal im Monat ein Album vor, das praktisch "aus der Gruft" kommt, keine aktuelle Scheibe, sondern ein Opus mit "Geschichte", das schon etliche Jahrzehnte auf dem Buckel hat und nach unserer subjektiven Meinung jetzt nochmal gewürdigt werden soll! Für den Oktober stellt HuGe mit „Carmen“ und ihrem Album „Fandangos in Space“ eine Band vor, die die einzige Flamenco-Progrock-Band der Rockhistory sein dürfte. Das Album wurde 1973 veröffentlicht.

In einer Rubrik „Edelsteine der Rockgeschichte“ muss ein Klang-Diamant gewürdigt werden der seinesgleichen - vergeblich - sucht. Seit den 70er-Jahren fasziniert mich diese Platte, die man immer wieder hören kann und dabei stets etwas Neues entdeckt. Diese Band ist nur mit sich selbst vergleichbar, es handelt sich um die einzige Flamenco-Progrockband der Rockgeschichte. Die fünfköpfige Gruppe brachte Anfang der 70er Jahre zwei hervorragende und eine mittelprächtige Platte heraus - und verschwand danach leider wieder in der Versenkung. "Fandangos in Space" (1973) war ihr erstes und m.E. ihr bestes Werk. Die Band kreiert ein unglaubliches Amalgam aus dynamisch-virtuoser, progressiver Rockmusik, die sie mit Flamenco-Elementen durchsetzt. Gesungen wird Englisch, mitunter Spanisch – in die Gehörgänge bohren sich mehrstimmige „male and female“ Gesangsarrangements. Hier werden Bulerias so verrückt ver-rockt, dass es eine Freude ist. Unglaublich, wie diese Musiker ein völlig neues Klanguniversum eröffnen. Die Mitglieder von Carmen waren David Allen (der später ein gefragter Fotograf wurde), seine Schwester Angela Allen, Roberto Amaral, Paul Fenton (zuvor bei Christie, nach Carmens Trennung ging er zu T.Rex) und natürlich Bassist John Glascock (davor bei Toe Fat und Chicken Shack, nach Carmens Trennung ging er zu Jethro Tull und spielte z.B. auf deren Meilenstein „Songs from the Wood“). Leider verstarb er bereits im Jahre 1979. Produziert wurde das Ganze von dem heute legendären Tony Visconti (T.Rex, David Bowie, Iggy Pop, Thin Lizzy u.v.a.). Auf der Suche nach – seltenen – journalistischen Würdigungen dieser Scheibe entdecke ich immerhin einen Platz 46 in der „Rolling Stone-Hitparade“ der „50 Greatest Prog Rock Albums of All Time“. Ein Extralob an diesen kompetenten Redakteur! Wer komplexe Rockmusik á la GENTLE GIANT schätzt, sollte sich dieses außergewöhnliche Meisterwerk anhören. Auf „Fandangos in Space“ werden ausgetretene Pfade geschickt gemieden und kreativ völlige neue Wege beschritten. Eine meiner drei Platten für das legendäre „Lonely Island“. (EMI Electrola/Re-Issue: Line/DA Music) Hubert Geue