Fünf Fragen an MASS

on Wednesday, 06 February 2019. Posted in Musik

Back in the studio: MASS mit neuem Album

Fünf Fragen an MASS

30 Jahre nach der Auflösung reformierte der Regensburger Kultrocker G.V. Radny 2017 seine Hardrock-Combo neu. Mit MASS war Radny damals europaweit erfolgreich aktiv gewesen. Zwischen 1977 und 1986 wurden acht Longplayer aufgenommen, zuletzt 1986 „Kick Your Ass“. Als Hardrock und Heavy Metal in den 80er Jahren wahre Höhenflüge bei uns feierten, standen MASS in ihrer Heimat zwar lediglich in der zweiten Reihe, hinter den internationalen Aushängeschildern Scorpions und Accept, vor allem aber jenseits der deutschen Grenzen fanden sie Anerkennung und Fans. So kam eines ihrer Alben unter die Top-5 in Griechenland; beim 84'er Poll eines Musikmagazins belegten sie hinter den Scorpions, Accept und Warlock Platz 4. Mehr als 200.000 verkaufte Alben verdeutlichen den Stellenwert, den das Regensburger Quartett damals in der Hard´n´Heavy-Szene genoss. Bis zu 180 Konzerte pro Jahr spielte die Band in ihren Glanzzeiten, viele auch im Ausland. Warum es dann aber doch nicht für den großen Durchbruch reichte? „Wir waren zu jung und haben zu viele schädliche Substanzen zu uns genommen. Und wir haben uns dabei von zu vielen Leuten aus der Musikindustrie reinreden lassen, dabei waren wir von Anfang bis zum Schluss ja nur in Anführungszeichen eine klassische Hardrock-Band – geliebt von den Fans und gehasst von vielen Kritikern der modernen Musikpresse“ so Radny Jahre später in einem Interview. 1986 spielte das Quartett nach Veröffentlichung der LP „Kick Your Ass“ die letzte Tournee in der klassischen Besetzung, dann war Schluss mit MASS. Die Musik der Band war aber weiter gefragt, So veröffentlichte 2010 das Hardrock-Label SPV vier der acht erfolgreichen MASS Alben als remastered Rare Classic Serie wieder. Als 2016 auch noch der Metal Experte Tom „Warrior“ Fischer (Celtic Frost/Tryptikon) in einem Special des „Deaf Forever“ Magazins das Album „Angel Power“ als eine der wichtigsten Metal Veröffentlichungen der frühen 1980er listete, wurden die Rufe nach einer Rückkehr der Band immer lauter und Radny hielt die Zeit dafür gekommen. Seit 2017 gibt’s eine neuformierte Combo mit Radny als Urmitglied und den Mitmusikern seiner Cover-Combo The Mystic Eyes. Im Mai 2017 gab’s das Re-Union-Konzert in der Eventhall im Airport in Obertraubling mit einer Setlist, in der vor allem Songs von den Alben zwischen 1979 und 1986 standen. Seitdem wird getourt, vor allem auf Festivals , so beim Treveheim-Festival oder dem Metalheadz Open Air, und jetzt steht die Band mit einem Comeback-Album in den Startlöchern.

Das macht neugierig und deshalb hatten wir fünf Fragen an G.V. Radny.

1) Ihr habt euch Zeit gelassen mit dem Comeback-Album „Still Chained“, warum kommt es erst im Frühjahr 2019 auf den Markt.
Wie so oft im Leben läuft nicht immer alles so, wie man es sich vorstellt. Im Herbst 2017 haben wir bereits damit begonnen, die ersten Songs in Eigenregie zuhause einzuspielen, da wir alle beruflich sehr eingespannt waren. Am Ende sind wir damit aber schnell an unsere technischen Grenzen gekommen, weshalb wir uns Anfang 2018 neu orientierten und auf die Suche nach möglichen Tonstudios machten. Nachdem wir die Songs bis zu diesem Zeitpunkt nur für unsere Live Shows arrangiert hatten, mussten wir zudem noch mehr Arbeit reinstecken als ursprünglich gedacht. In den alten Songs wurde Platz geschaffen für die Keyboards, die Solos und Chöre wurde neu geschrieben und alles hat eine rundum Verjüngungskur bekommen, was man am Endergebnis hören kann. Bis alles dann im Kasten war, haben sich die Aufnahmen von März bis Ende November gezogen. Seitdem liegt das fertig abgemischte Album in der Schublade und wir warten darauf, dass es veröffentlicht wird. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es auf YouTube unter https://www.youtube.com/watch?v=SVH9-9VmToo

2) Ursprünglich war das Album ja mit neuen Songs geplant, jetzt sind von den 15 Tracks nur zwei neue dabei, die anderen sind Neueinspielungen aus den 70er und 80er Jahren. Was ist der Grund dafür?
Eigentlich war das eine Idee, die uns sehr gefallen hat. Es ist halt so, dass die Leute die Songs hören wollen, die sie von den alten Alben her kannten und wir für unser Live Set ein kleines „Best-of“ aufgebaut hatten. Ich meine, MASS hat immerhin mehr als 200.000 Alben verkauft und über 80.000 Klicks auf MASS Alben auf YouTube innerhalb der letzten fünf Jahre bekommen, und da kam uns die Idee mit dem ersten MASS Best-of Album. Wir wollten den Fans, die uns nach dem Comeback bisher noch nicht live sehen konnten, einfach zeigen, wie es jetzt mit neuer Mannschaft klingt. Auf den bisherigen Livekonzerten haben wir ja gesehen, dass die Songs zeitlos sind und den Sprung ins „jetzt“ ohne Probleme geschafft haben, also haben wir wie Van Halen auf ihrem „Best-of Vol.1“ das Album aus alten und neuen Songs zusammengestellt, damit die Leute wissen, was Sie „live on stage“ um die Ohren bekommen. Wo MASS draufsteht, ist zu 100 % MASS drinnen. Halt im Sound von 2018.

3) Wo wurde das neue Album eingespielt? Was ist der Unterschied zwischen einem Studioaufenthalt vor mehr als 30 Jahren und heute?
Im März haben wir mit Drums und Gesang gestartet und die Grundspuren in den Single Coil Studios bei Regensburg eingespielt. Die Gitarren-Rhythmusspuren folgten im April in den Slash Zero-Studios in Abensberg. In der Zwischenzeit wurden die Orgel-Tracks in den Goats Hill Studios aufgenommen, in denen ich auch die Bass-Demospuren getestet habe. Mit diesen Bass-Demos ging es wieder zurück in die Single Coil Studios. Die Gitarrensolos und Overdubs hat Hannes zuhause in München aufgenommen. Am Ende sammelten wir die Spuren und verlagerten alles nach Abensberg, wo die Tracks noch ihren finalen Schliff bekamen und alles gemischt wurde, was dauerte, bis wir endlich alle zufrieden waren. aber jetzt sind wir sehr glücklich mit dem Ergebnis. Der große Unterschied bei den Studioaufnahmen ist die eingesetzte Technik. Wo man früher an den Bändern herumschneiden musste, schiebt man das heute mit der Maus von A nach B. Mit der digitalen Technik muss man aufpassen, dass das Raue und Ehrliche in der Rockmusik nicht klinisch technisch weichgespült und verloren geht. Es hat alles Vor- und Nachteile und man muss abwägen, was das Beste für den eigenen Sound ist.

4) Was ist der Unterschied zwischen den „alten“ Songs und den Neueinspielungen?
Eigentlich sollte man meinen 33 – 43 Jahre, doch durch die Aufnahmen der alten und neuen Songs gibt es keinen soundtechnischen Unterschied, alles klingt wie aus einem Guss, das war ja auch der Grund für STILL CHAINED.

5) In den letzten Jahren hat ja ein richtiges Vinyl-Revival stattgefunden. Wird es die neuen Songs auch in Vinyl geben?
Mit Sicherheit ja

Die Band hat für das neue Album einen weltweiten Deal mit Pride & Joy Music für die Veröffentlichung von "Still Chained" abgeschlossen! Ab dem 26. April ist "Still Chained" überall erhältlich! Und auf unserer Homepage gibt’s sicher vorab schon eine Kritik zu diesem Album.
Fotokredit: Band/G.V.Radny