Fünf Fragen an …. TANA NILE

on Tuesday, 10 December 2019. Posted in Musik

Die Regensburger Band feierte im November ihr 40-jähriges Band-Jubiläum mit einem einem Konzert mit vielen musikalischen Gästen aus diesen vier Jahrzehnten in der Alten Mälzerei.

Fünf Fragen an …. TANA NILE

Die Regensburger Band Tana Nile feierte im November ihr 40-jähriges Band-Jubiläum mit einem einem Konzert mit vielen musikalischen Gästen aus diesen vier Jahrzehnten in der Alten Mälzerei. Wir hatten deshalb einige Fragen an Reinhold Blochberger (Gitarre), Jürgen Blochberger (Bass) und Stefan Adler (Schlagzeug). Und die drei  nahmen sich dafür Zeit und antworteten recht ausführlich!

1) Wenn ihr diese vier Jahrzehnte Revue passieren lasst, was ist der wesentliche Unterschied für eine Rockband damals und heute?
Jürgen: Damals war Rock relevant, eine Haltung, ein Aufbruch/Befreiung. Heute ist es eine Musikrichtung unter vielen und (nur) so relevant, wie man sie eher persönlich sieht. Nicht mehr im Sinne einer größeren (Jugend-) Bewegung. Eine Rockband, wie auch TANA NILE, gilt mittlerweile als antiquiert, einfach weil Rockmusik schon so lange existiert. Und auch weil in der Wahrnehmung vieler Menschen große Bands wie die Stones, U2, ZZ Top, etc. seit Jahren mit ihren alten Hits touren. Dadurch entsteht automatisch ein gewisser Nostalgiefaktor.
Stefan: Der Einfluss war auch grundsätzlich anders. Du wurdest entweder von älteren Geschwistern oder Freunden auf neue oder alte Bands, die vor deiner Zeit agierten, aufmerksam. Du hast Stunden beim „Govi“ (Plattenladen in der Maxstraße) verbracht und hast auf`n Govi-Werner gehört, der genau gewusst hat auf welche Musik du stehst. Im Prinzip eine verkleinerte Community, eine menschliche Variante der heutigen Algorithmen von Spotify und Co. Aber: Wenn dir ein Album gefallen hat, musstest du dein ganzes Taschengeld hinlegen. Du hast also sehr sorgfältig ausgewählt. Heute ist da zwar eine wesentlich größere Auswahl geboten, du hast als unbekannte Band einen höheren „Wirkungsgrad“, aber als Künstler wirst du mehr oder weniger verramscht. Und dies bezieht sich nicht nur auf die Tantiemen. In den 70ern und 80ern hast du sehr viel Geld ausgegeben, um Musik zu genießen. Röhrenreceiver und gute Boxen waren extrem teuer. Neil Young bringt seine Werke nur als Blue-Ray auf den Markt, weil ihm die Komprimierung der CD schon zu stark war. Bei den gängigen Streaming-Formaten gibt`s für billig nur billigen Sound… eigentlich erbärmlich. Da helfen dann auch die teuersten Kopfhörer nix mehr. Gut, dass in den Autos wenigsten mittlerweile gute Anlagen zu finden sind.
Reinhold: Live gibt es kaum Unterschiede, weder von den Auftrittsmöglichkeiten, noch von den Gagen. Aber wegen den sozialen Medien und Lernmöglichkeiten des Internets gab es einen Quantensprung in Sachen schneller vorwärtskommen.

2) Ihr spielt inzwischen wieder in der Urformation als Trio. In den 90ern habt ihr die Band erweitert um einen vierten Musiker als Sänger – Christian „Cheese“ Koller spielte über ein Jahrzehnt mit euch, dann kam für etliche Jahre Stefan Ederer. Seit 2017 agiert ihr wieder als Trio. Was ist der Grund dafür?
Jürgen: Im Herbst 1996 stand TANA NILE plötzlich als Duo mit drums & bass da. Wolfgang Haarer, der erst kurz zuvor eingestiegen war und Tschak (Helmut Jackel) ersetzte, und Reinhold Blochberger verließen aus gesundheitlichen und privaten Gründen die Band. Stefan und ich sahen sich nach Ersatz um, was sich als nicht gerade einfach herausstellte. Wir lernten Christian Koller kennen und so fügte es sich, dass auch Reinhold wieder mit an Bord war. Es entstanden anschließend sehr schnell viele neue Songs und eine Aufbruchstimmung. Drei CDs wurden in diesen zwölf Jahren produziert.
Stefan: Nicht zu vergessen, war das auch die Zeit, wo wir zunehmend als Led Zeppelin Coverband wahrgenommen wurden, und auf größeren Festivals zu Gast waren. Dies war auch die Phase, in der wir vermehrt ein jüngeres Publikum gezogen haben.
Jürgen: Im Sommer 2009 schied Christian aus persönlichen Gründen aus. Stefan „Chief“ Ederer folgte an Gesang und Gitarre. Durch die zweite E-Gitarre wurde der Sound teils komplexer, die Texte abgründiger, durch die Stimme von Chief kam ein raues Element in die Musik. Eher aus musikalischen Differenzen heraus trennte man sich im Frühjahr 2018 nach einer CD Produktion von „Chief“. Was folgte war die wirklich spannende Frage, ob es wieder zu dritt funktioniert. Tat es. Der Geist des sehr organischen, ursprünglichen Musizierens war wiedergefunden. Ziemlich schnell entstanden neue Songs, der Gesang wurde etwa 1 zu 1 aufgeteilt, es wurde wieder richtig laut und energetisch, mehr Verzerrung, teils mehr freie Songstrukturen.


3) Für das Jubiläumskonzert habt ihr mit den Musikern von Chambergrass zusammengespielt als Tana Grass. Was ist das für ein Gefühl, nach über 25 Jahren wieder gemeinsam auf der Bühne zu stehen?
Reinhold: Für mich war es, als wären dazwischen nur wenige Jahre gewesen, aber keine 25!
Jürgen: Absolute Zeitreise, als wär nichts gewesen. Ein Treffen vorab im HB, eine Probe, und schon standen zehn Songs wie eine Eins. Wir hatten uns ja in den 25 Jahren nie aus den Augen verloren, im Gegenteil. Es war ja eine tiefe Freundschaft entstanden und über viele Jahre musizierten wir ja, teils bis heute, gemeinsam bei den Sinalcos, Rockin' River Rats, etc.
Stefan: Mir hat es total Spass gemacht. Die Jungs sind musikalisch einfach total fit und die Songauswahl trifft einfach auch meinen privaten Geschmack. Wir waren damals auf alle Fälle unserer Zeit wieder mal voraus. Und gerade als wir unseren Stil gefunden hatten war` s schon wieder aus.

4) Wie seht ihr Tana Nile heute in der aktuellen regionalen Szene?
Jürgen: Vielleicht greift der Vergleich mit dem „Dude“ aus dem wunderbaren Film „The Big Lebowski“. Wir machen einfach unser Ding, Szene hin oder her. Die Frage ist ja auch, ob man von einer Szene in Regensburg sprechen kann. Der Begriff ist mittlerweile eher diffus. Früher beinhaltete er ja, dass sich ein Kreis von Musikern regelmäßig in gewissen Kreisen/Örtlichkeiten trifft/auftritt. Das hat sich wohl überholt, zumindest fühlen wir uns hier keiner Szene zugehörig.
Stefan: Das stimmt, aber dennoch hat sich in Regensburg sehr viel – aus Eigeninitiative heraus- bewegt. Er-Em-Online ist ein Beispiel, Säm Wagner mit seinem Blog, aber auch das rührige Engagement des Musikkult-Teams bieten doch Musikern wie auch Musikinteressierten neben den „klassischen“ Print- und Onlinekanälen, einen Überblick über die „Szenen“. Früher war es mehr oder minder einigen (kompetenten) Redakteuren und Fotografen der MZ und Woche vorbehalten über die lokale Szene zu berichten. Leider vergisst die MZ mittlerweile, dass sie trotz der digitalen Medien, immer noch einen sehr großen Einfluss auf die regionale Kulturszene hat, indem durch die Berichterstattung bzw. Nichtberichterstattung  über Veranstaltungen z.B. Besucherzahlen generiert bzw. beeinflusst werden. Das ist aber ein eigenes Thema, da halt ich mich mit Kommentaren zurück…
Reinhold: Ich glaube dass uns die wirklich jungen Bands, die zum Teil sehr gut sind, gar nicht kennen. Schließlich spielen wir in Regensburg direkt sehr selten.

5) Wie geht’s weiter? Ihr habt ja – wie es heißt schon viele neue Songs geschrieben. Lt. Reinhold würde das sogar für ein Doppelalbum reichen. Was dürfen die Fans 2020 erwarten?
Reinhold: Ob und wann, und vor allem in welcher „Form“ das Album kommt, steht noch in den Sternen . Tatsache ist, dass uns aktuell, seit dem wir wieder ein TRIO sind, -zig Songs eingefallen sind und wir nahezu monatlich neue Songs schreiben. Das Material soll natürlich erscheinen, egal wie.
Jürgen: Eigene Songs gibt es reichlich, keine Covers mehr! Live auftreten wollen wir in Zukunft auch wieder vermehrt. Die Produktion eines Albums wurde auch schon angedacht. Die Frage ist in der heutigen Zeit nur, was bringt die Veröffentlichung eines Albums für eine Band wie uns noch. Natürlich macht es Spaß Songs aufzunehmen und anschließend einen handfesten Tonträger mit feinem Artwork in den Händen zu halten. Aus finanziellen Gründen hat sich die Produktion einer CD ziemlich erledigt, da es kaum noch Käufer gibt, bzw. andere relevante, digitale Verbreitungsmöglichkeiten den Markt zunehmend dominieren. Der Zug geht bei uns  eher in Richtung Videoveröffentlichungen via youtube/facebook, teils auch Songmaterial auf Spotify. Abgesehen von all dem stehen wir nahezu jede Woche im Proberaum und machen einfach weiter und weiter....
Stefan: Es ist natürlich auch ein Problem der Zeit und der Motivation. Nicht jeder angebotene Gig muss gespielt werden (Lautstärkenbegrenzung, Partyzwang etc.) und nicht jeder Song ist nur deshalb gut, weil er auf Anhieb 5-stellige Klickzahlen wo auch immer erreicht. Wenn wir etwas veröffentlichen wollen, werden wir das auf irgendeinem Weg auch schaffen. Mir persönlich ist viel wichtiger, wenn wir ein Konzert geben und ich, z.B. bei einem Einsatz oder Break innerhalb eines Songs, bei einem Zuschauer ein leichtes Lächeln, ein Zucken des Mundwinkels  -  das „Leck-mich-am-Arsch,-bei-der-Band-geht’s-ab“-Gefühl -  entdecke, das erzeugt bei mir Gänsehaut und ich weiß, wofür sich die ganze Arbeit lohnt. Und ihr könnt mir glauben, so ein Besucher oder eine Besucherin ist bisher immer dabei gewesen.

Warten wir also ab was kommt! Der nächste Auftritt ist auf jeden Fall schon fix: am 9. Mai stehen sie, zusammen mit den Ingolstädtern Voltraid, auf der Bühne in der Alten Mälzerei.
Fotokredit: A.C.Braun/Band