Funhouse

on Tuesday, 31 March 2020. Posted in CD, Musik

The Stooges

Funhouse

Das April-Album der Rubrik: "From the vaults" ist der zweite Longplayer der Stooges aus Detroit. „Funhouse“ wurde 1970 von Elektra Records veröffentlicht und gilt nicht nur als wichtiger Einfluss für den Punkrock, sondern auch die Hardrock-/Metal-Szene. Geprägt wurde diese Band von ihrem Sänger Iggy Pop. Den kennen garantiert viele, aber weniger wegen seine Frühphase bei den Stooges, sondern seinen Solaktivitäten seit Mitte der 70er Jahre, als ich mit „The Idiot“ ein eindrucksvolles Comeback gelang. Es ist aber durchaus Wert, dass diese Songs wieder zu Gehör kommen, die vor 50 Jahren 1970 erstmals erschienen sind.
Vor über 50 Jahren wurden in Ann Arbour/Michigan die STOOGES 1967 gegründet, und seither erfüllt deren Sänger Iggy Pop die Rolle des "entfant terrible" im Rockgeschäft, ist der Stachel im Fleisch des Mainstream. Begründet wurde das mit der Veröffentlichung von „Funhouse“, dem zweiten Album nach dem 69er selbstbetitelten Debutalbum, das von John Cale produziert wurde. Das war aber nichts gegen „Funhouse“. Für mich war dieser Longplayer damals einfach der „Hammer des Jahres“. Das hätte nichts Besonderes zu bedeuten, wenn nicht dieses Album auch heute noch für viele zum besten zählen würde, was jemals an Hard/ Heavy-Rock produziert wurde. „Funhouse“ von den Stooges ist reine Energiemusik. Die rhythmische Basis der Stücke ist sehr einfach, fast primitiv. Bassist Dave Alexander und Drummer Scott Asheton spielen einen simplen, sich ständig wiederholenden Rhythmus, der ähnlich hypnotisch wirkt wie die Musik der frühen Velvet Underground. Der Rhythmus ist so intensiv, dass der Hörer körperlich attackiert wird: mächtige Baßtöne vibrieren im Bauch. Gitarrist Ron Asheton ist nicht an klaren Melodielinien interessiert, ihn fasziniert vielmehr die Elektrizität seines Instruments, er spielt ungewöhnlich bizarre Akkorde, die elektrisch verfremdet werden. Er muß zusätzlich die Rhythmusgitarre auf der Platte einspielen, erst nach dieser Scheibe leisteten sich die Stooges einen zweiten Gitarristen. Auf drei Stücken auf der B-Seite der Vinylausgabe wird auch ein Saxophon eingesetzt, das den Sound der Gruppe durch seinen röhrenden Klang bereichert. Iggy Stooge, oder wie er nach der Auflösung der Stooges nur noch Iggy Pop genannt wird, beweist sich bereits auf diesem Album als einer der ausdrucksstärksten und eigenwilligsten Sänger, die die Rockwelt bislang hervorgebracht hat. Fünf der sieben Songs auf „Funhouse“ sind energiebeladene Rockekstase, die restlichen beiden Stücke fallen aus dem Rahmen. „Dirt“ ist ein langsames Stück, bei dem der hypnotische Charakter der Musik noch stärker hervortritt und „LA Blues“ ist ein Titel, bei dem alle Musiker scheinbar „explodieren“ und der Bass als Zentrum dient. All denen, die meinen, dass Heavy Metal erst mit AC/DC oder Judas Priest, mit Black Sabbath oder Deep Purple begonnen hat, sei dieses Studioalbum auch heute noch empfehlen, aber nicht nur denen. Diese ursprüngliche Garagenband gehört zu den wahren Pionieren des Hard Rocks mit ihrem aggresivem Stil! Leider war das Album damals nicht sehr erfolgreich und die Band löste sich noch im gleichen Jahr auf. Doch danach begann die Karriere von Iggy Pop, als er 1972 mit David Bowie zusammen traf und mit ihm „Raw Power“ einspielte – doch das ist eine andere Story! Leider lebt von den Mitgliedern der Ur-Besetzung der Stooges nur noch Iggy Pop, die anderen drei – Dave Alexander, Ron und Scott Asheton – sind alle bereits verstorben. Und so erfolglos The Stooges während ihrer Anfangszeit auch waren, so werden sie heute als „ihrer Zeit weit voraus“ bewertet und noch heute wird die Band als wichtiger Einfluss von vielen Musikern der gegenwärtigen Rockkultur genannt. Das Album ist übrigens vor einige Jahren als „Deluxe Edition“ auf zwei CDs wieder veröffentlicht worden mit zahlreichen Outtakes der sieben Orginalsongs. (no.men)