Interview mit Leo Leoni

on Monday, 09 April 2018. Posted in Musik

Mehr als “5” Fragen an den Gotthart-Gitarristen

Interview mit Leo Leoni

Man kennt ihn als gnadenlos rockenden Gitarristen seiner Stammband Gotthard. Egal, ob mit seiner schwarzen Les Paul oder, wie erst vor ein paar Wochen im Burglengenfelder VAZ, mit einer Akustikgitarre, was Leo Leoni aus den Saiten haut, ist purer Rock 'n' Roll. Nun hat er seine erste Solo-CD veröffentlicht: "CoreLeoni The Greatest Hits Part. 1". Dabei greift er auf alte Gotthard-Songs zurück, hat sie modifiziert und "auf respektvolle Art entstaubt" (Info der Plattenfirma). Das Ganze rockt höllisch und mit "Walk On Water" ist auch ein neuer Song zu hören. Alois C. Braun saß mit einem relaxten Leo Leoni in der Nürnberger Sonne vor der "Arena Nürnberger Versicherung" und sprach mit ihm über seine Musik, Gotthard, Steve Lee und das Gotthard-Konzert in Burglengenfeld. Am 14. April ist Leo mit Gotthard Sänger Nic Maeder im Rahmen von Rock Meets Classic auch in Regensburg zu sehen. Und soviel sei verraten: die beiden rocken grandios!

Du bist mit Nic seit ein paar Tagen auf Rock meets Classic-Tour. Wie sind Deine Eindrücke bisher?
Es ist geil hier dabei zu sein! Nicht nur Künstler wie Francis Rossi, Michael Sadler oder John Helliwell von Supertramp sind interessant, die ganze Atmosphäre ist einfach toll. Es herrscht ein total familiärer Umgang unter den Musikern und die Organisation ist sensationell. Mat Sinner und seine Band sind menschlich und musikalisch einfach großartig. Aber für mich ist es aber nicht das erste Mal, dass ich mit Orchester arbeite. Wir haben das auch schon mit Gotthard gemacht.

Die Idee zu einem Soloalbum hattest Du ja schon vor einigen Jahren, als Gotthard die erste Akustik-CD in Angriff nahmen. Wie weit warst Du damals mit den Vorbereitungen und was davon ist in "The Greatest Hits Part 1" mit eingeflossen?
Zur damaligen Zeit war die Idee für ein Soloalbum etwas anders. Ich wollte verschiedene Sänger dabei haben und habe auch darüber nachgedacht, es in unterschiedlichen Sprachen aufzunehmen. Durch Steves tragischen Tod kam dann alles ganz anders und ich legte die Pläne zurück in die Schublade. Damals hatte ich aber schon begonnen am Song "Walk On Water" zu arbeiten. Er war zu heavy für die Band und deshalb sollte es auf meiner Scheibe.

Auf der CD singt Ronnie Romero, bekannt als aktueller Sänger von Ritchie Blackmore's Rainbow. Wie kamst Du auf ihn?
Ich habe ihn getroffen, als er in Spanien mit seiner eigenen Band "Lords of Black" den Support für Gotthard spielte. Von da an blieben wir in Kontakt und haben auch über Ideen für ein Album gesprochen. Vor etwa einem Jahr rief ich ihn dann an und sagte "Jetzt bin ich soweit. Sollen wir es zusammen versuchen?" (lacht) Er war sofort Feuer und Flamme und kam ins Studio nach Lugano. Und da war von Anfang an genau die Energie, die ich haben wollte

Der Bandname CoreLeoni lässt ja verschiedene Deutungen zu, nicht nur wegen des Intros aus "Der Pate"...
Nun, Core bedeutet Herzstück oder auch Kern. Das steht für Gotthard, mein Herz. Und Leoni, das bin ich. Natürlich bietet sich auch das Wortspiel mit Corleone und der Mafia an. Deshalb auch das Intro. Aber das ist nur ein witziger Einfall. Tatsächlich war die Idee des Namens wie anfangs beschrieben.

Wer ist das Kind im Intro von "Firedance" und wie alt ist es?
(lacht) Das ist Romero Junior! Und der ist so alt (zeigt mit der Hand auf Oberschenkelhöhe). Eigentlich ist das ja von einem Video von Ronnies Frau. Als ich es hörte, sagte ich aber sofort: "Ronnie, dass sollte mit auf die Scheibe. Das hat genau die richtige Attitüde!"

Wer sein Album mit dem Zusatz "Part 1" betitelt, ist sicher nicht böse, wenn man fragt, wann Teil 2 erscheint.
(lacht wieder) Ja, Teil 2 kommt – aber sicher nicht in nächster Zeit. Wir spielen live ja sowieso mehr Songs, als auf dem Album sind. Deshalb werden wir uns irgendwann in der Zukunft treffen und für die nächste Scheibe Titel aussuchen.

Auf der Bühne explodierst Du regelrecht, bist der personifizierte Rockmusiker. Stimmt dieser Eindruck, ist die Bühne Deine Heimat?
(lacht) Oh ja, die Bühne ist mein Zuhause! Gotthard hat ja einen etwas anderen Weg genommen, was vollkommen o.k. ist und was ich absolut mag. Aber mit CoreLeoni mache ich keine Kompromisse. Ich stecke die Les Paul in den Marshall und lege los.

Früher mochtest Du ja die akustischen Sachen nicht so. Wer Dich heutzutage bei den Gotthard-Akustikshows sieht, merkt, dass dir das jede Menge Spaß macht und Du auch die akustische Gitarre rocken lässt. Hast Du Deinen Frieden damit gemacht?
Weißt Du, mit den beiden unterschiedlichen Sachen bin ich in einer sehr luxuriösen Lage. Es ist so, als wenn ich sowohl ein Cabrio als auch einen Rolls Royce hätte. Beides füllt mich aus und ich kann jederzeit wechseln. Das sind unterschiedliche Welten ohne jegliche Konkurrenz! Beides passt perfekt zueinander. Als Musiker bin ich deshalb sehr zufrieden. Ich kann meine Rockaffinität voll ausleben und trotzdem bei Gotthard auch mit der Akustikgitarre auf der Bühne stehen und tierisch Spaß haben.

Beim Konzert in Burglengenfeld vor ein paar Wochen habt ihr als letzte Zugabe eine außergewöhnliche Version von "Smoke On The Water" gespielt. Anfangs bluesig und fast mit Sessioncharakter.(Anmerkung: auf Youtube ist ein Video davon zu sehen)
Auf unseren Alben und im Liveset hatten wir ja immer Coversongs, denen wir eine Gotthard-Identität gegeben haben. "Hush" oder "Mighty Quinn" zum Beispiel. In diese Reihe von Songs passt auch "Smoke On The Water" sehr gut. Vor allem wollte ich bei dieser Version weg vom reinen Riff.

Zurück zu CoreLeoni. Wird es eine Tour mit Terminen in Deutschland geben?
Wir planen gerade für Herbst eine Clubtour mit Shows in Deutschland. Daten stehen allerdings noch nicht fest.

Und wie sehen die aktuellen Pläne für Gotthard aus?
Wir sind fast mit "Defrosted 2" fertig, die Liveaufnahmen werden derzeit im Studio gemischt. 2019 wird es Festivalshows geben und ich denke das 2020 wieder ein neues Rockalbum mit der Band ansteht.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage. Wie sehr trifft Dich Steves Tod noch immer? Ihr kanntet euch ja seit der Schulzeit.
Steve wird immer in meinem Herzen sein. Wir waren sehr gute Freunde und haben 25 Jahre lang intensiv miteinander Musik gemacht. Sein Geist ist immer mit auf der Bühne! CoreLeoni ist auch irgendwie ein Tribut an ihn und die tolle Zeit mit ihm. Manchmal denke ich, dass mir Steve selbst Ronnie als Sänger geschickt hat. Er passt einfach perfekt für diese Musik.

Das Interview führte Alois C. Braun vor dem „RmC“-Konzert in Nürnberg für er-em-online.
Fotokredit: A.C.Braun