Interview mit Pete Lincoln

on Saturday, 08 June 2019. Posted in Musik

Früher bei The Sweet, jetzt bei Frontm3n

Interview mit Pete Lincoln

Es war ein besonderes Konzert, das die Frontm3n am 29. Mai in Lappersdorf spielten. Tags zuvor nämlich hatte Pete Lincoln in München seinen letzten Auftritt mit The Sweet. Nun stehen die Frontm3n im Mittelpunkt seines musikalischen Schaffens. Das Konzert, das er dann mit Mike Wilson und Peter Howarth im Zelt abliefert, war allererste Sahne. Und das nicht nur, weil es jede Menge Hits von The Sweet, Hollies, 10cc und Sailor zu hören gab. Auch die eigenen Songs des Trios (vom erstklassigen neuen Album "All For One") brachten die Regensburger zum Feiern. Vor der Show sprach Alois C. Braun mit Pete Lincoln.

Er-em-online: Gestern war dein letzter Auftritt mit The Sweet. Heute beginnt sozusagen ein neues musikalisches Leben für dich. Wie geht es dir dabei?
Die letzte Nacht in München war ein großer Triumph und natürlich war es sehr emotional. Ich war 13 Jahre bei The Sweet – länger als der Originalsänger Brian Conolly und der ist schließlich eine Ikone! Es war immer großartig mit der Band auf der Bühne zu stehen, ich habe sehr viel erlebt in dieser Zeit. Großartige Songs wie Ballroom Blitz oder Fox on the Run zu spielen macht immer wieder Spaß. Allerdings sind das halt Titel aus den 70gern und ich sehe bei Frontm3n einfach mehr Entwicklungsmöglichkeiten. Klar, auch wir haben die Wurzeln in der Vergangenheit, wir spielen die alten Hits. Aber andererseits schreiben wir auch neue Songs, die auf dem aktuellen Album zu hören sind. Zu deiner Frage, wie ich mich fühle: Einerseits bin ich natürlich traurig, dass die Zeit mit The Sweet zu Ende ist. Auf der anderen Seite haben wir uns wirklich im Guten getrennt. Das ist sehr außergewöhnlich.

Er-em-online: Andy Scott hat dich ja auch bei der Sweet-Show im Mai im Airport vor dem Publikum sehr emotional verabschiedet. Wie schwer ist dir die Entscheidung tatsächlich gefallen, die Band zu verlassen?
Natürlich war es nicht leicht. Aber als ich gestern nochmal mit Andy sprach, hat er gesagt, dass die Türen bei The Sweet immer für mich offen sind. Es ist wirklich toll, das zu hören und zu fühlen, dass wir wirklich als Freunde auseinandergehen. Das ist halt eine Sache zwischen Erwachsenen und kein Kindergarten (Anmerkung: Pete sagt das Wort in deutsch). Ich bin mir fast sicher, dass Andy mich bei Terminengpässen in den nächsten 6 Monaten anrufen und fragen wird, ob ich einen Gig mit ihnen spielen kann. Und wenn ich Zeit habe, dann mache ich das natürlich mit Freude. Aber es war einfach nicht mehr möglich die Tourpläne von The Sweet und Frontm3n komplett aufeinander abzustimmen, deshalb musste ich mich entscheiden.

Er-em-online: Im März warst du mit Rock meets Classic in Regensburg, Anfang Mai mit The Sweet. Nun mit den Frontm3n. Es macht ja bald Sinn für dich, hier ein Haus zu mieten?
Auch in Kempten war ich dreimal in diesem Jahr. Als ich beim dritten Aufenthalt spazieren ging, sprach mich ein komplett Unbekannter an und sagte: Hallo Pete, toll, dich wieder zu sehen. Hast dich wohl inzwischen in Kempten niedergelassen? (lacht) Das ist schon lustig. Aber wenn wir schon dabei sind, wie hat dir Rock meets Classic gefallen?

Er-em-online: Es war großartig dich bei der Show in einer ungewohnten Rolle als Sänger zu erleben. Ich spreche vom Duett mit Anna Maria Kaufmann und Phantom of the Opera.
Oh ja, das war sehr ungewöhlich. Aber Anna Maria ist wirklich sehr nett, es war super mit ihr zu arbeiten. Ich hatte eher eine Art Opern-Diva erwartet, so wie man sie sich halt vorstellt, und lag damit völlig falsch. Zuerst wollte ich den Song auch gar nicht singen, weil das nicht meine Stilrichtung ist. Außerdem sind in der Rock meets Classic-Band großartige Sänger, etwa Sascha Krebs, der ja auch Musicals singt. Ich schlug ihn für Phantom of the Opera vor, doch sie wollten einen von den Hauptacts als Sänger. Manfred Hertlein (Anmerkung: Veranstalter von Rock meets Classic) und Anna-Maria kamen dann zu einer Frontm3n-Show in Augsburg und teilten mir in der Garderobe mit, dass ich das Lied bei der Tour singen solle. Ich argumentierte, dass ich kein Opernsänger sei. Doch Anna Maria meinte nur, dass sie gerade ein Popalbum aufgenommen habe und deshalb auch wolle, dass ich Phantom Of The Opera mit meiner normalen Stimme singe. Wir vereinbarten, dass sie mir den Track mit ihrer Stimme schickt und ich meine dazu aufnehme, um zu hören, wie es zusammen klingt. Ich sagte: "Wenn das Ergebnis scheiße klingt, dann wird die Aufnahme und die Idee im Mülleimer landen. Sollten meine Frau und ich aber meinen, dass das Ganze o.k. klingt, wohlgemerkt o.k. und nicht brillant (!), dann schicken wir es euch zurück und ihr hört es euch an. Und wenn ihr es dann schlecht findet, dann dürft ihr es in die Tonne treten (lacht)." Ein paar Tage vor dem Tourstart kam ich dann zu Manfred Hertleins Geburtstagsparty und habe dort das Lied erstmals mit Anna Maria gesungen. Ich wusste nicht so richtig was ich mit meinen Händen machen sollte, da ich keine Gitarre, hatte, hinter der ich mich verstecken konnte (lacht). Ich fragte Anna Maria, was ich machen sollte. Sie meinte nur: "Tu einfach so, als wenn du mich auf der Bühne verführst". Bei den ersten Auftritten war ich dann sehr nervös, aber das gab sich. Und auch das Publikum nahm es gut auf, niemand hat Sachen nach mir geworfen (lacht).

Er-em-online: Im November geht ihr mit den Frontm3n in Australien und Neuseeland auf Tour. Warst du mit einer deiner früheren Bands schon mal da?
Lustigerweise war die allererste Tour, die Mick Wilson, Peter Howarth und ich zusammen in der Band von Cliff Richard gespielt haben, in Australien, Neuseeland, Singapur und Malaysia. Das war 1994, wenn ich mich recht erinnere. Seitdem war ich immer wieder mit Cliff und auch einige Male mit The Sweet dort. Peter war nach dem Ende der Frontm3n-Tour im Februar nur einen Tag zuhause und flog dann mit den Hollies für eine Tour dorthin.

Er-em-online: Hattest du bei deinen Aufenthalten Gelegenheit, etwas von Regensburg zu sehen?
Bisher habe ich leider nicht viel von der Stadt gesehen. Auf Tour ist die Zeit meist zu knapp dafür und der Tagesablauf immer vollgepackt. Und man muss sich auch erholen. Und dieses Jahr ist sowieso sehr geschäftig. Ich freue mich auf September und Oktober. Dann werde ich endlich Zeit für Ferien haben. Wir planen einen Radurlaub am Bodensee. Vielleicht fliegen wir auch nach Sardinien. Jemand aus der Rock meets Classic-Crew wohnt dort. Er hat mir Fotos gezeigt und das sah ganz toll aus. Wir werden sehen.  Ich hoffe auch, dass ich im Oktober ein paar neue Songs schreiben kann.

Er-em-online: Was magst du besonders an den Frontm3n?
Ich mag die kleinen, intimen Konzerte im Trio. Aber das Schöne daran ist, das wir das jederzeit ändern können. Wenn wir wollten, könnten wir mit einer Band, also Schlagzeug, Keyboard etc. arbeiten oder mit einem Orchester. Es sind uns alle Möglichkeiten der Entwicklung gegeben, wir sind da flexibel. Momentan läuft alles sehr gut: Das Album ist erfolgreich, wir spielen viele Konzerte, sind im Fernsehen und bekommen Airplay.

Das akutelle Album der Frontm3n heißt "All For One". Derzeit laufen konkrete Planungen, das Trio im August 2020 wieder nach Regensburg zu holen. Wer in Lappersdorf dabei war, wird es kaum erwarten können!
(acb)
Fotokredit: Veranstalter