Live with Dubs

on Thursday, 30 January 2020. Posted in CD, Musik

Lobby Loyde & Sudden Electric

Live with Dubs

Für Februar haben wir für die Rubrik: "From the vaults" ein Livealbum von 1980 aus Australien ausgewählt: „Live with Dubs“ von Lobby Loyde & Sudden Electric. Das passt auch gut, denn in der Übersetzung bedeutet das ja "aus der Gruft" und dieses Album ist praktisch auch ein „verschollenes“. Garantiert kennen es nur ganz wenige, und sicher nur solche aus der Ü50-Generation. Ist es aber durchaus Wert, dass diese Songs wieder zu Gehör kommen.

Cover und Titel dieses Longplayers signalisierten keineswegs eindeutig den Inhalt. Spontan würde ich auch heute noch eher auf Nju Waif oder Verwandtes tippen – und das wär’s denn auch schon gewesen – wenn, ja wenn nicht auf der Rückseite unter den Credits ein Name auftauchte, dem man blind vertrauen kann: Andy Anderson, glatzköpfiges Stimm-Monster von Rose Tattoo, die allemal die schwindsüchtigen Möchtegernmachos mancher Rocktruppe von der Bühne fegt. Klar, Anderson ist kein so geiler Gockel wie damals Bon Scott es war, der damit kokettierte, dass seine Jeans sich während des Konzerts auflösten, aber er braucht sich auch keine Socken in den Hosenlatz zu stopfen, um seine (stimmliche) Potenz unter Beweis zu stellen. Wie Angry Anderson auf diese Platte von Lobby Loyde kam, ist eine eigene Geschichte. Der Gitarrist, der bereits 2007 verstorben ist, gilt heute als Mentor der australischen Hard Rock-Szene und wurde auch bei durch die Aztecs bekannt, wo er mit Billy Thorpe spielte und 1971 die Band verließ. Danach gründete er mit Coloured Balls eine Psychedelic/Hardrock/Blues-Band. Thorpe meinte in einem Interview: „Lobby is the godfather of heavy rock in this country." Und Angry Anderson ergänzt: “More than anyone else, Lobby helped create the Australian guitar sound. Long before Angus [Young of AC/DC], Billy Thorpe, the Angels or Rose Tattoo, Lobby inspired Australian bands to step forward and play as loud and aggressively as they could. People are still trying to copy it today." 1979 formte er als neue Band Lobby Loyde with Sudden Electric. Und damals wollte der australische Gitarrist mit seiner Band – Gil P. Matthews (dr) und Gavin Caroll (b) – einige Titel einer zweistündigen Live-Radio-Sendung für ein Album zusammenstellen. Beim Abhören der Bänder zeigte sich aber, dass der Gesang teilweise nicht aufgenommen worden war. So kam es, dass Anderson nachträglich auf einigen Tracks Vocals dazu sang, die übrigen Titel wurden von Mandu (keine Ahnung wer das ist) gesungen, und der ist auch nicht schlecht. Es ist aber die Musik auf diesem Album, die so überzeugt. Der Sound ist wirklich ein Hammer - schwerer Rock mit exzessiven Gitarrensolos. Leider war damals über diesen Aussie-Gitarristen wenig in Erfahrung zu bringen. Er stieg später kurz bei Rose Tattoo ein, und konzentrierte sich dann vor allem auf die Arbeit als Produzent . 2005 ging er wieder zu Rose Tattoo zurück und ersetzte Pete Wells. 2007 verstarb er an Krebs und hat angeblich ein bislang unveröffentlichtes Album hinterlassen. Doch zurück zu diesem Werk, das ehrliche und überzeugende Rockmusik abliefert, von der ersten bis zur letzten Rille, man höre nur mal in das über 8-minütige „Gypsy in my soul“ rein. Der Longplayer erschien 1980 auf Mushroom Records nur in einer limitierten Auflage von 500 Stück. In Regensburg habe ich diese Scheibe damals in der „Schallplatte“, einem Plattenladen am Haidplatz, entdeckt, der sich auf australische Importe spezialisiert hatte, und den es leider auch schon lange nicht mehr gibt. Glücklicherweise wurde das Album 2000 wiederveröffentlicht, dann mit vier zusätzlichen Bonustracks. (no..men)