Mehr als nur das erste „S“ von „STS“

on Friday, 15 June 2018. Posted in Musik

Am 6. Oktober im Regensburger Audimax zu Gast / Gert Steinbäcker im Interview

Mehr als nur das erste „S“ von „STS“

Fast 40 Jahre lang war er Teil des österreichischen Trios „STS“, verkaufte Millionen von Tonträgern und schrieb viele Hits für die Band. 2014 war dann Schluss, was Gert Steinbäcker dazu nutze, seine Solokarriere voranzutreiben. Mit seinem aktuellen Album „Ja eh“ ist er auch 2018 wieder auf Tour. Bereits im letzten Jahr lieferte er ein grandioses Konzert in Regensburg ab. Alois C. Braun traf den ausgeglichenen Singer-/Songwriter aus Austria drei Tage nach der Ausstrahlung der BR-Serie „Gipfeltreffen – Werner Schmidbauer trifft Gert Steinbäcker“ und sprach mit ihm über sein Leben, seine Lieder und die aktuelle Tournee, die ihn am 6. Oktober auch wieder nach Regensburg führen wird - diesmal ins Audimax.

In der Sendung „Gipfeltreffen“ hat man ja eine Menge über Dich erfahren...
...das hat mir sehr gut gefallen. Aber es ist auch anstrengend, wenn sich der Weg stetig nach oben zieht und man auch noch spricht beim Gehen. Ich hab dem Werner nach der Ausstrahlung gleich geschrieben „très bien“ und er hat geantwortet „merci bien“ – wir sind jetzt praktisch Franzosen (lacht).

Fangen wir ganz vorne an. Wann hast Du begonnen Songs zu schreiben?
Das war erst mit 14 oder 15 Jahren, als ich mit Thomas Spitzer (EAV) bei Mephisto spielte. Wir haben zuerst andere Rockgruppen kopiert und wollten irgendwann einfach wissen, wie es ist, selbst Lieder zu schreiben. Ich habe dann „Hey Sun“ geschrieben. Obwohl es damals bei Strafe verboten war, deutsche Texte in einer Rockband zu spielen, habe ich mich Mitten in den Auftritten von Mephisto hingesetzt und mit der Akustikgitarre den Titel gespielt (lacht). Es war also fast genau vor 50 Jahren, als ich mein erstes Lied im Dialekt geschrieben habe.

Du hast also schon früh in Mundart geschrieben?
Wie gesagt, anfangs haben wir Bands kopiert und entsprechend in englisch gesungen. Na ja, das heißt, es war eher eine Art von Englisch (lacht), wir konnten die Sprache ja nicht wirklich. Da die Leute im Publikum aber auch nicht viel englisch sprachen, war das kein Problem. Es hörte sich ja gut an. Selbst bei STS hatten wir am Beginn das Programm gemischt in englisch und Dialekt. Irgendwann haben wir uns dann aber gesagt, dass man als ambitionierter Songwriter in der Sprache schreiben sollte, in der man sich auskennt.

Du bist ja eher das, was ich einen Oldschool-Songwriter nenne. Heute schreiben die Musiker ganz anders.
Es gibt viele neue Sachen, die ich absolut gut finde, auch wenn sie mir geschmacklich nicht gefallen. Mein Geschmack ist jedoch kein Kriterium für eine Bewertung. Ein Kriterium wäre, wenn ich Sachen für Schrott halten würde. Heute arbeiten die jungen Musiker und Bands sehr gezielt und stehen unter Zeitdruck, weil sie mit ihrer Musik etwas erreichen wollen. Wir haben damals halt einfach geschrieben und probiert. Wir waren Rock 'n' Roll und wenn man Rock 'n' Roll war, dann hat man auch Musik gemacht, ohne groß darüber nachzudenken, ob man damit etwas erreicht. Das ist heute ganz anders.

Wie schreibst Du Texte, muss Dich dazu etwas aufregen, egal ob positiv oder negativ?
Die meisten Songs sind quasi Fotografien einer Situation, deshalb sind sie immer nur gültig für diese Situation und die Zeit in der sie entstehen. Ich kann und will nicht verallgemeinern mit meine Texten. Zum eigenen Verwundern habe ich festgestellt, dass doch viele meiner Songs auch heute noch radiotauglich sind und zu Volksliedern geworden sind. Das nehme ich nicht ganz ohne Stolz zur Kenntnis – und ich staune darüber, denn beim Schreiben habe ich an so so eine Langzeitwirkung nicht gedacht.

Mit „Großvater“ und „Mach die Aug'n zu“ sind zwei große STS-Hits mit orchestralen Arrangements auf Deiner aktuellen Scheibe „Ja eh“. Warum gerade diese beiden?
Die Stücke haben sich einfach so angefühlt, als wenn sie sich am Besten dafür eignen würden. Ich dachte, ich mache mit „Ja eh“ den Bogen zu und nehme künftig keine Befindlichkeitsalben mehr auf. Einfach „nur“ hinsetzen und Lieder schreiben mag ich nicht mehr. Ich hab in all den Jahren so viele Sachen beschrieben – und etwas zwei Mal beschreiben mag ich nicht! Künftig gibt es die Singer-/Songwriter-Geschichten nur noch, wenn sie in irgendeinem Konzept stehen. Deshalb dachte ich, dass es zum Abschluss gut wäre, etwas mit Orchester zu machen.

Bleiben wir beim „Großvater“, geschrieben aus der Sicht eines Kindes. Heute bist Du selbst im Großvateralter. Hast Du Erfahrung mit Kindern, die Dich um Rat fragen.
Nein, solche Erfahrungen habe ich nicht. Grundsätzlich glaube ich jedoch, dass es eine persönliche Sache ist, ob Kinder enge Beziehung zum Opa aufbauen, ihn als Vorbild nehmen oder ihn um Rat fragen. Das ist weniger der Zeit oder dem Zeitgeist geschuldet. Jedes Kind, jeder Mensch ist anders, deshalb widerstrebt mir, wie vorher schon gesagt, auch jegliche Form der Verallgemeinerung. Natürlich gibt es aus meiner Sicht auch schräge Entwicklungen, wenn etwa beide Eltern für den Unterhalt der Familie arbeiten müssen, eine Erziehung nicht stattfindet und die Kinder nur noch vor dem PC sitzen. Aber das ist in jeder Familie anders.

Den Song „Alles hat sei Zeit“ hast Du mit Timischl und Schiffkowitz aufgenommen. Ward ihr da wieder zusammen im Studio und ist da immer noch eine gewisse Magie zwischen euch?
Ja, wir waren alle zusammen im Studio, da wir persönlich immer noch das beste Verhältnis haben. Unsere drei Stimmen, dieser Chor, das ist einfach sehr besonders, das ist unwiederbringlich, das gibt es nicht nochmal.

Deine Texte sind ja sehr oft am Zeitgeschehen. Was hältst Du von der gegenwärtigen Lage auf der Welt?
Nun, ich denke, man darf die Dichtheit der digitalen Information nicht unterschätzen, da entsteht evtl. ein verzerrter Eindruck. Früher unterschied ich zwischen rechts und links, heute mache ich die Trennung zwischen einem der nachdenkt und einem Populisten, die sind sehr verlockend für Wähler und gerade in der schnelllebigen Zeit wird der Wunsch nach raschen Lösungen größer. Darin sehe ich schon eine gewisse Bedrohung – aber das ist gefühlt! Ich könnte das jetzt aber nicht konkretisieren, es hat sicher auch früher schon „Komiker“ gegeben, die eigentlich nicht geeignet waren, einen Staat zu lenken.
Ich fürchte, dass es wirklich gefährlich werden könnte, wenn kein Gespräch mehr stattfindet. Das beginnt im Harmlosen, wenn zwei Leute (nicht nur junge!) im Café sitzen, jeder nur in seinen kleinen Computer tippt und die einzige Kommunikation darin besteht, dass sie sich gegenseitig das Gerät zeigen. Da denk ich mir schon „Habe d'Ehre“, wenn auf die eine ernsthafte Frage zukommt ist das schwierig. Aber, wie gesagt, das sind Gefühle. In Griechenland sagt man (spricht griechisch): Alle Dinge haben zwei Seiten. Manche haben drei! Ich finde diesen Spruch wunderbar.

Bist Du immer noch Stones-Fan?
Oh ja! Ich habe sie zuletzt bei ihrem Hydepark-Konzert gesehen. Sie sind bei der gleichen Plattenfirma wie ich und ich wurde zu meinem 60sten dorthin eingeladen. Ich war ganz vorne dabei und habe erstmals Jaggers Schuhe gesehen (lacht). Das ist lebendige Musik, selbst gespielt. Die Band ist einfach authentisch. Wenn Keith und Ronnie die Akustikgitarren spielen, dann hört man jeden Fehler. Die verstellen sich nicht, und es klingt immer noch kraftvoll und gut. Sie sind weit entfernt davon, zur eigenen Karikatur zu werden. Und das ist auch mein Credo: solange die Kraft reicht, ist alles gut, aber wenn sie mir – in hoffentlich sehr ferner Zeit – ausgeht, dann höre ich auf. Zur Karikatur will ich nicht werden.

Du hast ja sehr viele Songs geschrieben. Gibt es einen, von dem Du sagst, das ist der beste – warum auch immer?
Nein, so einen Song gibt es nicht. Meine Lieder können mich ja nicht überraschen, es ist eine Arbeitsbeziehung. Wenn ich aber manche Lieder nach Jahren im Radio höre, dann gibt es zwei mögliche Reaktionen: ich denke „gute Arbeit“ oder ich denke „hätte nicht unbedingt sein müssen“. Ich sage natürlich nicht, welche Songs zu welcher Kategorie gehören, das würde an Verrat grenzen (lacht).

Deine Tour im letzten Jahr war sehr erfolgreich. Gibt's Neues für die kommenden Konzerte?
Wir haben etwa 25 Prozent der Setlist geändert. Die Band ist komplett noch die gleiche. Ich will solo bewusst keine Kopie von STS sein. Ich war Teil des Trios, habe viele Lieder geschrieben und bekannte Songs gesungen. Man kennt meine Stimme, aber ich mache jetzt mein Ding.
(Alois C. Braun)