Sun Secrets

on Sunday, 31 May 2020. Posted in CD, Musik

Eric Burdon Band

Sun Secrets

Das Juni-Album unserer Rubrik „From the vaults“ wird von Eric Burdon gestellt. Mit seiner Eric Burdon Band veröffentlichte er Mitte der 70er Jahre nur zwei Alben, „Sun Secrets“ und „Stop“, von denen leider keines die nötige Beachtung und Wertschöpfung erhielt, die diese Alben verdient hätten, besonders „Sun Secrets“. Denn es ist ein ganz „anderer“ Burdon, den man hier hört!
 „Ain’t nobody white can sing the blues“ sang Mitch Ryder vor Jahren mal und natürlich stimmt das nicht, er selbst kann das durchaus und auch Eric Burdon kann das. Burdon, der 2019 auf Abschiedstour auch in Deutschland war, will sich vom aktiven Musikgeschehen zurückziehen, schließlich ist er inzwischen bereits 79 Jahre alt und steht seit seinem 18. Lebensjahr auf der Bühne, also schon bevor er 1967 die Animals gründete. Damit startete er seine Karriere, die von vielen Ups und Downs begleitet war. Und 1974 als er diesen Longplayer veröffentlichte, war er an einem solchen Tiefpunkt seiner musikalischen Karriere angelangt. Vielleicht ist das der Grund, warum diesem Album nie die nötige Beachtung und Wertschöpfung entgegengebracht wurde, die es verdient hätte. Die Sache mit den Animals war seit 1969 vorbei, die Geschichte mit War beendet. Eric Burdon war in Kalifornien untergetaucht und hatte zu dieser Zeit große persönliche Probleme, man sprach eher von Eric „Bourbon“ statt Burdon. 1973 kam er nach Deutschland zu Dieter Diercks ins Studio um einige neue Sachen aufzunehmen, um einen neuen Anlauf zu unternehmen, fuhr aber bald mit einigen Tapes voll mit Rohmaterial in die Staaten zurück (dieses Material erschien zwei Jahre später als „Stop“, über dieses Album war Burdon sehr unglücklich). Mit einem Teil der Musiker, die bei dieser Session mitgewirkt hatten, formierte er im gleichen Jahr die Eric Burdon Band. Aaron Butler (Gitarre), Randy Rice (Bass) und Alvin Taylor (Drums) sowie Eric „on vocals“. In dieser Besetzung wurden einige Konzerte in Europa absolviert und nach der Rückkehr in die USA wurde „Sun Secrets“ aufgenommen, in San Francisco im Record Plant-Studio. Dieses Album enthält zwar nur sieben Stücke, davon vier neue Versionen alter Animals Titel („Don’t let me be misunderstood“, „It’s my life“, „When I was young“ und das Cash-Cover „Ring of fire“), aber jedes davon ist ein musikalischer Leckerbissen. Es ist ein ganz anderer Burdon, den man hier erlebt. R&B bilden noch immer die Basis, überlagert wird dies alles von einer explosiven, stark Hardrock-lastigen Rockmischung und der zynischen, fast bösartigen Simme Burdons. In „Letter form the Country Farm“ singt er mit einer Ausdruckskraft, wie sie nur noch in frühen Lou Reed-Songs zu hören ist. Es ist ein anklagender Sprechgesang, unterlegt von einem giftigen, sich wiederholendem Gitarrenriff und einem treibenden Rhythmus. Bei den vier Animal-Tracks kann man fast von vier Neukompositionen sprechen, nur die Grundstrukturen sind erhalten geblieben, am ehesten gleicht noch „It’s my life“ dem Orginal. In „When I was young“ übertrifft er die triste Stimmung des Originals bei weitem. In diesem Song betreibt er 1974 persönliche Vergangenheitsbewältigung. Mit dieser Platte hätte er eigentlich ein überzeugendes Comeback feiern müssen, doch verhinderten juristische Differenzen mit dem alten Management und der neuen Plattenfirma und seine noch nicht überwundenen persönlichen Probleme die nötige Publizität und damit den Erfolg. Den hat er aber dann später doch noch geschafft. Eine tolle Platte, die auch mehr als 45 Jahre später nichts an der musikalischen Intensität verloren hat! no.men