Telquist

on Saturday, 29 February 2020. Posted in Musik

Bandfeature März 2020

Telquist

Eigentlich heißt er ja Sebastian Eggerbauer, aber musikalisch bekannt ist er inzwischen bundesweit als Telquist. Geboren in Landshut und groß geworden im Münchner Osten, hat ihn sein Studium aber nach Regensburg verschlagen. Er hat eine wilde musikalische Sozialisation durchlebt, in seiner Jugend stand er am Bass von Indie-, Reggae- und Ska-Punk-Gruppen, bis ihm diese Bands stilistisch zu engstirnig geworden sind. Und er beschlossen hat „Wohlfühl-Singer-Songwriter-Pop“ zu machen, wie in einem Artikel seine Musik beschrieben wird. Im Sommer 2018 ging er damit an die Öffentlichkeit: Eben als Telquist. Wieso dieser Name? Da habe er einfach zwei Silben aneinandergereiht. Sebastian war lange in verschiedenen Bands aktiv, und der Name bei den Bands war immer von Bedeutung. "Mir war es immer unangenehm, eine Geschichte hochzuhalten, die mir selbst nie so wichtig war", erklärt er in einem Interview. Telquist sei der Versuch, es genau andersherum zu machen. Man könnte es einen Anti-Namen nennen, einen Namen, bei dem man sich kein Bild machen kann, bevor man die Musik gehört hat. Und diese Musik kommt an, damit ist er erfolgreich. Wer auf den chilligen Surf-Rock von Jack Johnson steht – aber auch Soundtüftlern wie The Notwist etwas abgewinnen kann, wird hier fündig. Wenn Telquist bei Songs wie "Release Me" oder "Chances" der Off-Beat packt, könnte er auch als die Reggae-Version von Milky Chance durchgehen. Was der Wahl-Regensburger an der Musikrichtung besonders mag: Das Genre kann wahnsinnig melancholisch sein und gleichzeitig einen super entspannten Vibe haben. Und seine Texte bewegen sich zwischen zweifelnder Niedergeschlagenheit und ekstatischer Euphorie. Für seinen Sound gab es 2018 nicht nur den Regensburger Musikpreis, sondern auch einen Vertrag beim Wiener Indie-Label Wohnzimmer Records, wo das Debut „Strawberry Fields“ mit zwölf seiner Songs erschienen ist. Demnächst wird sein zweites Album erscheinen, das erste neue musikalische Lebenszeichen. Er lässt sich für seine Musik viel Zeit, das tut ihr gut. Dadurch sind die Produktionen so wunderbar ausgeklügelt und abgehangen, dass man sich hineinlegen möchte. Auf seiner Instagram-Seite hat er die neuen Songs so angekündigt: „Zweieinhalb Jahre hab' ich jetzt geschrieben, gebastelt, aufgenommen, verworfen und wieder neu angefangen. Viele haben da geholfen. Ganz bald gibt’s News“. Daraus gibt’s schon den ersten Song „Trash Talk“, der auf dem Label Awal erscheint. Damit entfernt er sich etwas von seinem bisherigen Sound - das Stück sei energiegeladener, sagt er, und nicht mehr so ruhig und chillig wie zuvor. Es fängt laut an, intensiv und klingt leicht sphärisch. Drums und Becken stechen am deutlichsten hervor. Die Instrumente klingen ein bisschen verfremdet. Wenn die Instrumente schweigen, kommt seine Stimme besonders gut zum Vorschein, auch sie ist leicht verzerrt, klingt kratzig. Im neuen Jahr geht's für Telquist auf „Trash Talk“-Tour ab März, wo er sicher schon den ein oder anderen neuen Song vom zweiten Album auf der Bühne performen wird. Am 26. März steht er in Regensburg in der Alten Mälzerei auf der Bühne. Und obwohl Sebastian ein Solokünstler ist, hat er für Live-Auftritte eine feste Besetzung: Christoph Hundhammer an der Gitarre, Max Gerisch an den Drums und Thomas Huck am Bass. Fazit: Telquist, inzwischen auch im by-on Bandförderprojekt, ist weiter auf Erfolgskurs mit seinem charmanten Art-Pop. Zurecht schreibt VOLUME.at: „So muss Pop!“ und „Kulturnews“ meint "Telquist erinnert an The Notwist in ihrer besten Phase“ – wenn das kein Lob ist. Mehr Infos unter: https://www.facebook.com/Telquist/

Fotokredit: Daniel Dückminor