Tractor

on Saturday, 29 February 2020. Posted in CD, Musik

Tractor

Tractor

Für März haben wir für die Rubrik: "From the vaults" ein Album von 1972 aus dem UK: „Tactor“ von Tractor. Das passt auch gut für den Monat, denn wie das Wetter im März, ist auch „Tractor“ einerseits radikal, aggressiv und rau, andererseits aber auch verträumt, lieblich und sanft. Garantiert kennen diese Scheibe nur ganz wenige, und sicher nur solche aus der Ü50-Generation, obgleich unsere Rezensentin eine ganze Generation jünger ist. Ist es doch schön, dass diese Songs wieder zu Gehör kommen, generationsübergreifend.
Es muss an einem heißen Sommertag in den großen Ferien gewesen sein, ungefähr vor zwei Jahren, als ich mich gelangweilt auf den Weg in einen Plattenladen gemacht habe und dort an diesem Tag ganz unerwartet Besitzer einer der spannendsten und aufregendsten Platten aus England geworden bin. „Tractor“ aus dem Jahre 1972 ist genauso wechsel- und vielseitig wie der März, weshalb ich mir dieses Werk für diesen Monat ausgesucht habe. Wie das Wetter im März, ist auch „Tractor“ einerseits radikal, aggressiv und rau, andererseits aber auch verträumt, lieblich und sanft. Alle darauf enthaltenen sechs Stücke haben ihren ganz eigenen Charakter, es gibt kein schwaches Stück, zusammen verbunden ergeben sie ein starkes Gesamtkunstwerk. Noch dazu ist „Tractor“ von fast allen aufkommenden und etablierten Stilen der 60er und 70er Jahre beeinflusst worden, hier werden Blues, Folk, Psychedelica, Hard- und Progressive Rock miteinander gemischt und natürlich mit eigenen Ideen verbunden, dieses Unikat jedoch in eine Schublade zu stecken, ist keine gute Idee. Um so verwunderlicher ist die Tatsache, dass allein die beiden Genies und Multiinstrumentalisten Jim Milne und Steve Clayton für diesen Ideenreichtum und die Komposition der Stücke verantwortlich sind. Diese Tatsache kann man beim ersten Durchhören gar nicht glauben. Jim Milne und Steve Clayton waren bis dahin kein unbeschriebenes Blatt, bereits mit ihrem Vorgängerprojekt „The Way We Live“ und der ersten gemeinsamen und deutlich folkorientierteren Platte „A Candle For Judith“ aus dem Jahre 1971 erregten sie Aufmerksamkeit. Ihr Stil lässt sich jedoch schon erkennen. Und 1972 folgte dann schließlich ihr zweites und meiner Meinung nach interessanteres Projekt unter dem Namen „Tractor“, unter dessen Titel auch nur diese einzige Platte auf dem Label „Dandelion“ veröffentlicht wurde. „Tractor“ eröffnet mit einem pfeifenden Teekessel, einem sirenenartigen Schlagzeug und einer aggressiven Stimme – das sind die ersten Takte des radikalen und rauen Openers „All Ends Up“, energiegeladen, roh, übersteurt und einfach brutal. Dann, bei „Little Girl In Yellow“, zuerst das Gegenteil: Eine Akustikgitarre beginnt das ruhige und folkige Stück, eine sanfte Stimme tritt hinzu, bevor ganz unerwartet die Zäsur kommt: Eine schneidende E-Gitarre setzt ein und das Stück nimmt Fahrt auf. Es entwickelt sich mit seinen aggressiven Gitarren-Soli zu einem immer härteren und radikaleren Stück, welches ungeahnte Energien freilässt und mit seinem lieblichen Beginn nicht vergleichbar ist. Mit „The Watcher“ bekommt der Hörer dann wieder eine ruhige, kurze und verträumte Folkeinlage zu hören, bevor der dreckige Rock´n´Roll „Ravenscroft´s 13 Bar Boogie“ die A-Seite beschließt. Schließlich folgt auf der B-Seite ein dreiteiliges und circa zehnminütiges Stück, das aus den Teilen „Shubunkin“, „Hope in Favour“ und „Everytime it Happens“ besteht. Dieses entwickelt sich von einem vertäumten Instrumentalstück zu einer rockigen und psychedelischen Nummer, bevor alles in einer Folkeinlage von ungeahnter Schönheit endet. Mit dem ebenfalls zehnminütigen „Make The Journey“, das gegen Ende hin mit seinem Wirrwarr aus Geräuschen immer psychedelischer und durchgeknallter wird, schließt nun auch die B-Seite. Wie man sieht, ist „Tractor“ also extrem vielseitig, fängt unterschiedliche Stimmungen ein und klingt einfach kraftvoll und gigantisch. Ein besondere und verrückte Platte, die man unbedingt gehört haben sollte. Am besten jetzt im März, wenn das Wetter genauso verrückt spielt und es regnet, während die Sonnenstrahlen durch die Wolken durchbrechen. Und natürlich gibt es dieses Werk auch wieder als Nachpressung, sogar mit Bonustracks. NiKu