Weihnachtsalben – mal anders

on Tuesday, 06 November 2018. Posted in Musik

Drei neue „Weihnachtsplatten“ – einmal von Volker Schäfer, zweimal von Claudia Koreck

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft kommen jedes Jahr etliche „Weihnachtsplatten“ in die Läden. Heuer ist erstmals auch Eric Clapton dabei, sein 25. Studioalbum ist eine Sammlung mit Festtagsklassikern im Bluesgewand. „Happy Xmas“ enthält eine Mischung aus traditionellen und weniger bekannten Weihnachtsliedern. Wie es sich für den Musikgeschmack des Gitarristen gehört, steckt eine Menge Blues in seinen Fassungen von „White Christmas“ und „Have Yourself A Merry Little Christmas“. Wir stellen hier drei Veröffentlichungen vor, die etwas aus dem Rahmen fallen: zweimal von Claudia Koreck und einmal von Volker Schäfer – mit drei ganz unterschiedlichen Ansätzen.


Los geht’s mit „Auszeit – Weihnachtliche Impressionen“ von Volker Schäfer (AMR).  Zum Thema Weihnachtslieder mag dieses Album nicht unbedingt den üblichen Erwartungen entsprechen und dennoch ist alles da, was dazu gehört. Auf seiner klassischen Gitarre schafft es Volker Schäfer, mit viel Ruhe das Bild einer Auszeit fernab jeder Hektik zu malen. Dabei bindet er bekannte Weihnachtsmelodien so unspektakulär in seine Arrangements ein, dass man sie zwar wiedererkennt, jedoch drücken sie nicht unbedingt eine festliche Stimmung aus, sondern eher eine Stimmung der Ruhe und Besinnung. Der Gitarrist nimmt sich die Freiheit, klassische Lieder in geschmackvolle Arrangements zu verweben, wo typischerweise ein kurzes Intro in die wohlbekannte Melodie, wie z.B. „Leiste rieselt der Schnee“ oder „Ihr Kinderlein kommet“, führt, worauf so manche Rubato-Fantasien folgen, bis es dorthin zurückgeht, wo es anfing. Insofern passen die zwölf Stücke zwar perfekt zur Weihnachtszeit. Man kann das Album aber auch zu jeder Jahreszeit genießen. Immer dann, wenn man sich nach einer Auszeit sehnt – folglich auch ein passender Titel.


Weiter geht’s mit Claudia Koreck: Die bayerische Songwriterin Claudia Koreck schürt die Vorfreude auf die stade Zeit mit ihrer „Weihnachtsplatte“, so auch der Titel des Albums. Das ist eine facettenreiche Liedersammlung mit großen Gefühlen und folkigem Sound, es sind eigene Songs und keine tradierten Weihnachtslieder. „Ich höre selber immer so gern Musik an Weihnachten“, erzählt Claudia Koreck. Wenn es draußen kalt ist, die Menschen zusammenrücken, sich zuhören und Musik machen. Diese Sehnsucht nach der Wunsch-Weihnacht ist groß bei der Traunsteiner Singer-Songwriterin. Und genau diese Sehnsucht wollte sie in Lieder fließen lassen. Lieder, die nicht überladen sind mit Blingbling und Jingle Bells, Lieder, die erdig, echt und emotional daherkommen. Viel Folk, weitgehend akustisch. Bis zur Veröffentlichung war es aber ein weiter Weg. Einer, der sie von Traunstein nach Schweden führte, nur sie und ihre Instrumente. Mit Gitarre und Mandoline hatte sie sich eine Woche lang in eine kleine Hütte in der Nähe von Stockholm zurückgezogen, um an den Stücken zu arbeiten. Um die Muse zu finden, die sie schon so oft geküsst hat. Abgeschieden von der Außenwelt, inmitten eines Naturschutzgebietes und ohne Internetempfang, so wollte sich Koreck Anfang 2018 in winterliche Stimmung versetzen. Mit Erfolg. „Der Drang zum Schreiben war groß“, erinnert sich die Songwriterin. Es gab keine Störungen, keine Ablenkungen des Alltags wie daheim. „Alles war im Fluss. Keiner hat mich herausgerissen.“ Wie auch in früheren Werken lässt sie sich von Gefühlen und Erlebtem zu authentischen Songs inspirieren, die sich nicht in gängige Formate oder Schubladen stecken oder gar auf dem Reißbrett konstruieren lassen. Sie schreibt auf Englisch über Ruhe, Einsamkeit und das Vermissen des Liebsten („Reindeers“), singt auf Bairisch gegen Weihnachtshektik und Entfremdung an („Ruck ma olle wieder näher zam“) und widmet ihrer Tochter ein Stück auf Hochdeutsch („Wenn ich an Weihnachten denk“). Und so spiegeln denn die elf Songs exakt wider, was Claudia Koreck in den vergangenen Jahren zur selbstbewussten Künstlerin hat reifen lassen: jene kompromisslose Freiheit, sich auszudrücken, wie sie das im Moment und zum Thema des Songs passend gerade möchte. Also stehen Lieder auf Bairisch ganz selbstverständlich neben drei Songs auf Englisch. Auf Englisch singt sie zum Beispiel die einzige Cover-Version des Albums, das Hawaiianische Weihnachtslied „Mele Kalikimaka“ von Robert Alex Anderson aus dem Jahr 1949. Wie sehr Claudia Koreck mit ihrer Songkunst berühren kann, offenbart das letzte Lied des Albums, „Weihnachten ohne di“. Die Klavierballade ist eine persönliche Hommage an ihre zu früh gestorbene Großmutter; eine Hommage, die jeden anspricht, der ebenfalls geliebte Menschen verloren hat. Es ist das Lied, in dem sich die Oberbayerin offenherzig zurückerinnert: an das Weihnachten mit ihren Großeltern in Traunstein; an die Werte, die ihre Oma ihr mitgegeben hat. „Du host gsogt / hoi den Mo ohne Dahoam an unsern Disch / Nur durch di hob i verstanden wos Weihnachten is.“ Und ganz nebenbei, in wenigen Zeilen, gelingt ihr eine poetische Überhöhung, die ihresgleichen sucht - auch, weil sie so gut in die aktuellen Zeiten passt: „Du host gsogt / I brauch Liada und Poesie / Damit i wos hob, wenn die Menschen zu schwarz moin / Moist einfach ned mit.“ Die Bandbreite der Stimmungen ist unter den elf Stücken bewusst groß gehalten. Koreck: „Es gibt so viele Gefühle an Weihnachten. Nicht nur Besinnlichkeit und Schwere.“ Einige Stücke tänzeln denn auch fröhlich treibend („Mandolinenmo“), andere schmeicheln im Gewand herrlicher Oldies („Christmas In Our Hearts“). Mal jault die Blues-Gitarre, und Koreck gibt sich zum dezenten Saxofon der Sehnsucht hin („Wo bleibt der Winter“), mal zeigt sie zu schneeflockenzarten Klavierklängen, wie intensiv sie die Schönheit der Melancholie besingen kann. Produziert wurde die „Weihnachtsplatte“ in den Downtown Studios in München und in den Honu Lani Studios in Traunstein. Für die Aufnahmen stand ein bewährtes Team zur Verfügung, allen voran der Produzent und Multiinstrumentalist Gunnar Graewert, Korecks Ehemann. Auch die Musiker Oscar Kraus (Schlagzeug), Matthias Bublath (Klavier), Titus Vollmer (Gitarren) und Chris Haller (Saxofon und Klarinette) waren wieder dabei, zudem Mario Schönhofer am Bass.
Doch damit nicht genug, von Claudia Koreck ist noch eine zweite Weihnachtsplatte erschienen: „Kinderplatte II (Weihnachten im Wald). Damit bringt die bayerische Liedermacherin ihre zweite Kinderplatte heraus, als Folge auf das positive Feedback auf ihrer ersten Kinderplatte von 2016. Darauf feiert sie winterliche Weihnachten für die Kleinen, sowie beim ersten Mal. Dafür hatten freilich auch Timmi (8) und Lani (4) gesorgt, Claudia Korecks Kinder, die schon auf der ersten Platte miteingebunden waren und nun weitermachen wollten. Wenn nun die zweite Kinderplatte - nach gleichem Konzept mit Geschichten und Liedern - erscheint, gehen die Abenteuer der von der Musikerin selbst erfundenen tierischen Helden weiter. Mit der Besonderheit, dass Stinktier Rudi, Biene Martina, Nacktschnecke Glitschi & Co. „Weihnachten im Wald“ feiern, wie Claudia Korecks jüngstes Werk im Untertitel heißt. Dass man also die liebenswerten Charaktere auf dem Weg vom ersten Schnee über Plätzchenbacken und so einige Pannen bis zum Heiligabend begleitet. Beide Alben sind auf Korecks eigenem Label Honi Lani Records erschienen.