Berthold Seliger

on Sunday, 14 July 2019. Posted in Buch

Vom Imperiengeschäft - Wie Grosskonzerne die kulturelle Vielfalt zerstören.

Berthold Seliger

Berthold Seliger ist Autor, aber auch seit über 30 Jahren im Musikgeschäft als Konzertveranstalter tätig. Dazu hat er bereits 2013 mit „Das Geschäft mit der Musik: Ein Insiderbericht“ etliche interessante Hintergrundinfos zur Musikindustrie aus der Perspektive und Sichtweise eines Insiders geliefert. Mit seinem im Frühjahr erschienenen neuen Buch „Vom Imperiengeschäft“ fasst er erneut ein heißes Eisen an und persönlicher kann es für einen Konzertagenten wohl kaum mehr werden. Diesmal geht es um das Geschäft mit (Popmusik-)Konzerten und Festivals, aber auch um unabhängige Musikclubs, soziokultureller Zentren und künstlerorientierter Festivals und die prekäre Lage vieler Musiker, sowie die, aus seiner Sicht, Anbiederung der Politik an Unterhaltungs- und Internet-Riesen. In den letzten Jahren hat sich das Konzert- und Festival-Geschäft stark verändert. Drei Groß-Veranstalter haben durch Übernahmen und Einkäufe den Konzentrationsprozess so vorangetrieben, dass sie den Markt der bekannten OpenAirs dominieren - weltweit. „Harder, better, faster, stronger“ – so lässt sich die Situation umschreiben. Er beschreibt in detaillierten Analysen und Hintergrundberichten Entwicklungen bei diesen Konzentrationsprozessen in der globalen Konzertbranche sowie die dubiosen neuesten Tricks im Ticketing. Dazu zeigt er auf, wie man mit konsequenter Gesetzgebung die Machenschaften der Konzerne eindämmen kann, die die kulturelle Vielfalt der Gesellschaft gefährden. In einem der vier Kapitel geht er auf die Geschichte der Festivals, von Monterey und Woodstock bis Coachella und Burning Man, ein und weist auf Fehlentwicklungen im Festivalgeschäft hin und erläutert den überraschenden Einfluß von Silicon Valley auf die heutige Festivallandschaft. In den anderen beiden Kapiteln mit den Überschriften „Immobilienverwertung, Kulturorte und der öffentliche Raum“ sowie „Kulturelles Prekariat und konzeptive Ideologen“ erläutert der Autor, wie unabhängige Musikclubs, soziokulturelle Zentren und künstlerorientierte Festivals Möglichkeitsräume werden, in denen eine Kultur jenseits der Konzerne stattfinden kann bzw. könnte, und wie das Musikstreaming funktioniert. Er beschreibt die soziale Situation von Musikern und Kulturarbeitern und schlägt Lösungen wie Mindestgagen vor. Seliger spricht hier Klartext und räumt mit einigen Szene-Mythen auf, dazu macht er zwar Vorschläge für Verbesserungen und spricht sich für eine neue Ethik im Pop-Business aus. Aber dabei legt er sich nicht fest und bleibt unkonkret. Und die große Frage, bzw. die ganz einfache Antwort gibt Seliger leider nicht: Warum sind Menschen bereit 200, 400 oder gar 1000 Euro und mehr für eine Eintrittskarte zu einem Konzert zu bezahlen. Fazit: Trotzdem für alle (musik-)kulturellen Dystopisten: Dicke Empfehlung, unbedingt lesen, denn teilweise liest sich das wie ein Wirtschaftskrimi!

Im Herbst beschäftigt sich der VPBy (Verband für Popkultur in Bayern e.V.) im Rahmen einer bayernweiten Veranstaltungsreihe mit den Hintergründen des Konzertgeschäfts unserer Tage. Dazu wird Berthold Seliger vom 25.-28. November in vier Städten zu Gast sein mit einer einer ca. 90-minütigen „Lecture-Show“. Danach steht er für Fragen und Diskussionen zur Verfügung. Am 28. November kommt er ins Degginger in Regensburg, Beginn ist um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei.