Regensburger Beat- und Popkultur

on Thursday, 20 October 2016. Posted in Buch

Franz Herrmann

Regensburger Beat- und Popkultur

Regensburg ist heute für eine recht vielseitige, interessante und aktive Musikszene im Rockbereich bekannt. Die ersten Anfänge dafür liegen inzwischen ein halbes Jahrhundert zurück. Damals, vor 50 Jahren, kam die Beat-Musik 1966 mit dem Münchner Konzert der Beatles im Zirkus Krone auch in Bayern richtig an. Überall sproßen die Bands, die diese Musik spielten, aus der dann der Rock wurde, nur so aus dem Boden, und natürlich auch in Regensburg. An die 100 lokale Beatbands gab es damals in der Ratisona, die meist in Tanzlokalen, wie der „Seidenplantage“ auf den Winzerer Höhen oder dem „Trocadero“, ihre Auftritte hatten. Eine davon war die „Dick Herman Group“ und einer der Musiker von damals, Franz Herrmann, und Leader dieser Combo, hat vor einiger Zeit die Geschichte dieser Szene aufgeschrieben. Es war eine wilde Zeit in den 60er und 70er Jahren - eine Zeit des Aufbruchs und der Veränderung. (Man muss sich nur die gerade im Kino gezeigte Dokumentation über die frühen Jahre der Beatles „Eight days a week“ ansehen). Vor allem die Musik- und Jugendkultur oientierte sich nun an neuen Vorbildern. Diese Dokumentation über die Regensburger Szene soll nach dem Willen des Autors verhindern, dass diese Zeit in Vergessenheit gerät. Und Franz Herrmann hat sich viel Mühe gegeben für diese Dokumentation und umfangreich recherchiert. Mit vielen Fotos illustriert, werden die Bands und ihre Musiker, aber auch die Tanzlokale und Bars der damaligen Epoche beschrieben. Es wird ein facettenreiches „Bild“ der damaligen Szene gezeichnet, das sogar die Mode und Autos dieser Zeit mit einbezieht. Von den gut 100 Bands, die damals aktiv waren, werden mehr als 20 davon ausführlich vorgestellt, z.B. die „Beathovens“ oder „The Hot Dogs“ – und hier liegt das einzige Manko des Buches. Sicher war von vielen dieser Combos nichts mehr in Erfahrung zu bringen, aber „die besten Amateurbands in und um Regensburg“, sagt Herrmann, sind seinem Ruf gefolgt und haben ihre Bandgeschichten aufgeschrieben. Günter Radny wurde nicht gefragt. Aus meiner Sicht schade, denn eine der damals aktivsten Bands, The Mystic Eyes, kommen nicht vor. Diese Band ist auch heute noch in verjüngter Besetzung, aber noch immer mit Günther V. Radny, aktiv – und werden leider nur als eine der „anderen Bands“ aufgeführt. Aber die waren ja schon damals, zwischen 1967 und1969, und später als „Black Mass“, etwas anders als die übrigen Bands, rockten härter und versuchten sich, durchaus erfolgreich, als Profimusiker. Trotzdem: Diese „Geschichte, Bands und Tanzlokale der 60er und 70er Jahre in Regensburg und Umgebung“, wie der Untertitel dieses Werks ist, ist ein Muss nicht nur für jeden Regensburger Musikbegeisterten, sondern auch für alle Liebhaber der Musikszene der 60er und 70er Jahre. Eine Entführung in die Jugendzeit, die bei vielen Ü60ern nostalgische Erinnerungen wach werden lässt. Aber auch für jüngere Musikliebhaber absolut lesenswert. (no.men)