Absinthe

on Wednesday, 06 February 2019. Posted in CD

Dominic Miller

Absinthe

Mit „“Absinthe““ hat der Gitarrist Dominic Miller ein Album geschaffen, das von einer ganz speziellen Atmosphäre geprägt ist. “Das erste, was mir in den Sinn kam, bevor ich irgendwelche Stücke schrieb, war der Titel”, schreibt er in den Liner-Notes. “Ich lebe in Südfrankreich und bin fasziniert vom Impressionismus. Scharfe, helle und fast hexenhafte Mistrals, kombiniert mit starkem Alkohol und einem intensiven Kater müssen einige dieser Künstler in den Wahnsinn getrieben haben. Der Himmel ist grün, das Gesicht ist blau, die Perspektive ist verzerrt.” Während Millers ECM-Debüt „“Silent Light““ den Schwerpunkt auf Solo- und Duo-Settings legte, hat Miller für „“Absinthe““ ein Quintett geformt, das seine lyrischen Kompositionen in ein strukturiertes Setting bringt. Miller, der zwischen Nylon- und Stahlsaiten-Akustikgitarren wechselt, hat im Bandoneon von Santiago Arias ein wichtiges harmonisch-melodisches Spiegelbild gefunden. Manu Katché, der neben Miller jahrelang Mitglied in der Band von Sting gewesen ist, bringt am Schlagzeug lebhafte Präsenz ein. Mike Lindups Keyboardtöne können eine geisterhafte Note verleihen (so z.B. im Titeltrack des Albums), während der Bassist Nicholas Fiszman den Sound des Ensembles erdet. Eine wichtige Rolle auf dem gesamten Album spielt dabei Arias’ Bandoneon, sei es atmosphärisch in Stücken wie dem schattenhaften “Ténèbres” oder als solistische Stimme in “Saint Vincent”. Der Titel des letztgenannten Songs bezieht sich nicht auf Van Gogh, sondern auf den verstorbenen kamerunischen Gitarristen Vincent Nguini, einen langjährigen Mitmusiker von Paul Simon und eine Art Mentor für Miller. “Vincent hatte ein so besonderes Zeitgefühl, über das Schlagzeuger gerne reden”, sagt er. “Mit seinem einzigartigen Timing konnte man anhand nur weniger Noten hören, dass er es war.” Was Miller betrifft, so hat ihn das Magazin JazzTimes als einen Gitarristen beschrieben, der “jeden Ton und die Pausen dazwischen melken kann, und mit seinen Fingern flüsternde Effekte erzeugt, wenn sie über Saiten gleiten”. Das Album“ wurde nicht nur in Südfrankreich konzipiert, sondern hier haben Miller und Band die Stücke auch aufgenommen und haben mit Manfred Eicher im Studio von La Buissonne, in Pernes-les-Fontaines, zusammengearbeitet. Das Ambiente war ideal, sagt Miller: “Es ist eine tolle Atmosphäre, in der man sehr gut arbeiten kann. Und ich liebe die Zusammenarbeit mit Manfred – er ist ein echter Produzent. Ich denke an die inspirierende Authentizität der Platten, die er mit Egberto Gismonti gemacht hat. Sie waren mir so wichtig.“ Und erklärt weiter: „Für meine beiden ECM-Alben, und vor allem bei diesem neuen Album, war meine anfängliche Vorstellung von einem Song wie die eines einfachen Selfie. Wenn wir die Arbeit an einem Track erst einmal beendet haben, wird das Stück zu diesem angereicherten fotografischen Standbild, mit all dem Licht und Schatten des Lebens darin.“ Auch beeinflusst hat ihn die Arbeit mit Sting. Miller ist seit langem als Stings rechte und linke Hand an der Gitarre bekannt, u.a. als Co-Autor von „Shape of My Heart”, „La Belle Dame Sans Regrets“ und anderen Welthits. “Ich bin von Stings kreativem Harmoniesinn beeinflusst worden und wie er Lieder formt”, sagt der Gitarrist. “Ich versuche das Gleiche zu tun, indem ich eine Erzählung mit Instrumentalmusik schaffe, die ich als Lieder behandle und arrangiere, mit Versen, Refrains und Brücken. Ich habe viel von ihm über Konzept und Anordnung aufgenommen, ebenso darüber, wie man eine Geschichte präzise erzählt. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit von Miller mit Manu Katché, Nicolas Fiszman, Mike Lindup und Santiago Arias ist eine faszinierende Klangmischung aus Jazz, Pop, Acoustic Folk, Contemporary Classical, Latin und Tango geworden. (ECM) P.Ro

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