Back to the garden

on Saturday, 11 May 2019. Posted in CD

Rich Hopkins & Luminarios

Back to the garden

Seit nunmehr drei Dekaden steht der Name Rich Hopkins für diesen staubigen, gitarrengetränkten Wüstenrock, wie er nur im Südwesten der USA gespielt wird. Nach all den hinreichend dokumentierten Aktivitäten als Boss der Sidewinders, Sand Rubies, Underbelly u.v.a. Projekten bleiben die Luminarios sein zentrales Thema, freilich mit ihm selbst als einzige feste Größe. Seit 1992 existiert diese Formation mal als Trio, Quartett, Quintett oder einfach als loser Haufen befreundeter Musiker aus der Szene von Tucson. Anfangs wandelte Hopkins noch gefährlich auf den Spuren von Neil Young & Crazy Horse. Später kehrte er mehr den gereiften Songschreiber heraus, veröffentlichte sogar einige spannende Konzeptwerke, variierte Stimmungen und Stile. Großes Interesse an seinen Mitmenschen und ihren Lebensumständen führten immer wieder zu sozialem Engagement und kritischen Texten. Mit diesem zwölften Studioalbum des Wüstenrockers aus Arizona geht Hopkins seinen eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Eingespielt wurde das neue Album überwiegend in Austin oder Houston, Texas und zum Teil in Tucson, Arizona, da Hopkins und Lisa Novak, mit der Hopkins seit über 10 Jahren sowohl privat (sind inzwischen verheiratet) als auch musikalisch eng liiert ist, dort abschnittsweise leben. Dazu kommen wieder musikalische Gäste . So lesen wir im Booklet von „Back To The Garden“ etliche bekannte Namen: Multiinstrumentalist Paul Beebe (von Grand Old Grizzly), Bassist Mike Therieau (ex Shurman), Drummer Darin Murphy und der langjährige Hopkins-Weggefährte Jon Sanchez (jeweils mit zusätzlichen Gitarren und Keyboards) genauso wie Damon Barnaby, der bereits auf der 2017er Tour als toller Gitarrist zu überzeugen wusste! Es ist bewundernswert, mit welcher Leidenschaft, Energie und Beharrlichkeit Hopkins, der Pate des sogenannten Desert Rock made in Tucson, Arizona, in schöner Regelmäßigkeit - meist im Gleichschritt mit einer anstehenden Europatournee - alle zwei bis drei Jahre eine Scheibe nach der nächsten herausbringt, und damit fortwährend den Nerv seiner vielen Fans bis ins Mark trifft. Das neue Album reiht sich qualitativ voll ein in diese offenbar endlos laufende Serie von erstklassigen Veröffentlichungen unter der Marke Rich Hopkins And Luminarios. Die Wüste lebt und Desert Rock wird es so lange geben, wie Rich Hopkins seine Gitarren halten kann! Elektrische Gitarren wohlgemerkt! Sie bestimmen auf den elf neuen Nummern mal wieder diese markante Mischung aus epischen Rockhymnen, sandigem Folk Rock, bewährten Rock'n Roll-Werten aus den 60/70ern, etwas jingle-jangle Guitar Pop und einer ordentlichen Dosis Psychedelia - speziell auf den längeren Tracks mit ausgedehnten Instrumentalausflügen. Das neue Album beginnt höchst standesgemäß mit dem beinharte sechsminütigen Desert Rocker 'Acoma Mary' - einer waschechten Hopkins-Hymne. Der bekannte Steve "The Deacon" Hunter (Lou Reed, Alice Cooper, Peter Gabriel u.v.m.) brilliert hier als Promigast mit zusätzlicher Axework. 'Till I'm Gone' ist zwar etwas luftiger konstruiert, strotzt allerdings nicht minder vor elektrischen Gitarren und mündet in eine unwiderstehliche Endlosschleife. Das druckvolle 'Before' beeindruckt mit attraktivem Parallelgesang von Hopkins und Novak, einem Hard Rock-Guitar Break in der Mitte sowie psychedelischem Orgel-Flair, das wie schwerer Nebel über dem ganzen Stück liegt. Die rockig pulsierende Ballade 'Coming Down Again' zeigt Hopkins eher als Singer/Songwriter, ohne dabei die Luminarios-typischen Gitarrenpflichten zu verletzen. Wiederum sorgt der klare Backgroundgesang von Novak für die kleinen, entscheidenden Nuancen, bevor zig übereinandergeschichtete elektrische und akustische Gitarren den melancholischen Song in einen epischen Saitenstrom auslaufen lassen. 'Get Off The Telephone' ist ein richtig grober Rocker mit offensivem Sprechgesang, schrägen Gitarrenbreitseiten und - fast konterkarierend - superharmonischem Chorgesang nach Westcoast-Art. Auf dem schnellen 'Another State Of Mind' gibt man sich gar "poppig" - oder besser: guitar-jangling - wie in einem beherzten Retromix aus classic Byrds und Tom Petty. In 2:37 ist alles gesagt! 'Keep Shinin' ist der einzige reine Lisa Novak-Song (alles andere sind Hopkins/Novak Co-Writes). Ihre dunkel-geschmeidige Altstimme etwa zwischen Vicki Peterson (Bangles) und Amy Ray (Indigo Girls) kommt hier optimal zur Geltung. 'Always A Way' ist ein weiterer Uptempo-Track aus der Abteilung kerniger electric Folk Rock auf dem Arizona-Texas Highway! 'Pissed' ist ganz titelgerecht genau der kurze, aggressive direct-into-the-face Punker, den man schon lange nicht mehr von Hopkins gehört hat. In nur zwei kurzen Strophen schlägt Hopkins einen weiten Bogen von seinen Nachbarn, die ihren Müll einfach auf die Straße werfen, bis hin zur globalen Umweltzerstörung. "Play the notes from my heart, try not to think about it very hard, the verse comes first, the chorus next, …you play your part and I'll play mine" - 'On And On', immerhin bereits der dritte sechs-Minuten-plus Song, erklärt lässig das kreative Teamwork von Hopkins und Novak, bevor sich die vielschichtig angeordneten Gitarren zu einem ausgedehnten Instrumentalfinish aufschwingen. Eigentlich ein perfektes Ende, aber da fehlt ja noch der quasi Titeltrack, das 8:42-Opus 'The Garden', wieder sehr souverän von Lisa Novak gesungen und von der Band in regelrechter Southern Rock-Manier episch aufgebaut. Über einem dichten Klangteppich aus akustischen Gitarren, Bass und Drums erheben sich die hypnotisch kreiselnden E-Gitarren zu einem kapitalen Psychedelic-Slow Rock-Gesamtkunstwerk - welch ein emotionaler Wirkungstreffer als Schlusspunkt eines von vorn bis hinten klug konzipierten und damit äußerst spannenden Luminarios-Albums! Besonders deswegen eignen sich die neuen Songs auch bestens als Blaupause für die nahenden Livekonzerte, denn mit diesen Songs kommt Hopkins mit seinen Luminarios im Herbst 2019 auch wieder auf Tour nach Deutschland ( seine bereits 26.), leider wieder ohne Stop in Regensburg. Der einzige Termin im süddeutschen Raum ist am 24. September im Red River Saloon in Heilbronn, aber das ist ja schließlich die Hometown seines deutschen Labels „Blue Rose“, auf dem er seit über 20 Jahren veröffentlicht. Schade, denn in den 90ern spielte er auch öfters in Regensburg und das waren immer tolle Konzerte. (Blue Rose) P.Ro

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