Battleground

on Monday, 02 December 2019. Posted in CD

Molly Hatchet

Battleground

Eine interessante CD fand neulich den Weg in mein virtuelles Postfach. Ich bin ja schon länger ein Fan von Molly Hatchet, habe sie aber bis heute nie „live on stage“ gesehen. Nun erscheint Ende November nach über sieben Jahren mal wieder was Neues, auch wenn es "nur" ein Live-Album ist, genauer ein Doppelalbum. Dass die Songs an unterschiedlichen Orten (in Ludwigsburg, im schweizerischen Pratteln und während der 40th-Anniversary-Tour durch die USA) 2018 aufgenommen wurden, merkt man nicht, da es zum Glück keine Ausblendungen gibt. Die Musik ist typischer Southern Rock a la Lynyrd Skynyrd, 38 Special oder Blackfoot und lässt die poppige Ausrichtung Mitte der 80er außen vor, sondern rockt von der ersten Minute an richtig los. Der Sound ist klasse, der Sänger hat eine richtig schön raspelige Stimme . Die Songs nehmen sich öfter mal Zeit und dauern bis zu acht Minuten mit ausgedehnten Gitarrensoli, gerne auch in Verbindung mit coolen Pianoläufen, die einen ab und an in eine Zeit versetzten, wo die Colts noch in einem Saloon regiert haben. Erstaunlich, dass hier nur ein Gitarrist am Start ist. Hammer, was der vom Leder zieht. Mein Tipp: Unbedingt mal mit Kopfhörer anhören. Das Publikum ist jedenfalls begeistert, egal wo gerade gespielt wird. Die Setlist mit 19 Tracks lässt eigentlich keine Wünsche offen und bietet so Klassiker wie "The Fall of the Peacemaker", "Bounty hunter", "Flirting with disaster" oder "Whiskey man" plus eher Unbekanntes oder mal Episches wie die Ballade „Dreams I’ll Never See". Beide Daumen nach oben für dieses saustarke Live-Album, das ich so nicht erwartet hätte von einer Band, die auch immer wieder von Nackenschlägen gebeutelt wurde (der hier noch zu hörende Sänger Phil McCormick, der über 20 Jahre am Mikro stand, starb dieses Frühjahr völlig überraschend), wo von der Urbesetzung niemand mehr dabei ist, und die, wie oben erwähnt. auch schon ewig nix Neues mehr veröffentlicht hat. Da sehen wir gerne über den ab und zu durchschimmernden amerikanischen Patriotismus wie bei "American Pride", wo man die Band im Geiste die Stars and Stripes-Fahne schwenken oder Trump auf der Leinwand erscheinend zu sehen meint, hinweg. Dazu Gitarrist Bobby Ingram: „Auf diesem Album fassen wir aus unserem vier Jahrzehnte umfassenden Back-Katalog diejenigen Stücke zusammen, die unsere Freunde hören wollten. Sie erzählten uns, welche Songs sie auf der Scheibe finden möchten, und wir nahmen sie auf. Einige der Nummern wurden noch nie als Live-Version mitgeschnitten. Wir hatten die Ehre und sind stolz, diese Stücke für viele Generationen von Southern Rock-Fans der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft spielen zu dürfen.” Ich vergebe mal sechseinhalb Punkte und nehme mir einen Konzertbesuch vor, falls sie mal wieder im „Airport“ spielen sollten. Einzelne Songs herauszuheben verbietet das Gehörte. Man schiebt die CDs sicher öfter mal rein, denn die Songs sind durchgehend Hammer. (Steamhammer) HJH

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