Blank Page - New Impressions of Debussy

on Wednesday, 06 February 2019. Posted in CD

Florian Dohrmann

Blank Page - New Impressions of Debussy

Nach 20 erfolgreichen Jahren mit dem David Orlowsky Trio, sechs CD-Veröffentlichungen bei Sony Classical, zwei Echo Klassik-Preisen und zahlreichen Konzerten im In- und Ausland bei renommierten Festivals und Konzerthäusern kehrt Florian Dohrmann nun zu seinen Wurzeln zurück und präsentiert mit „Blank Page sein neuestes Jazz-Projekt unter dem Titel „New Impressions of Debussy“. Das Radio war an. Ein Solo-Klavierstück. Bilderreiche, lyrische Harmonien und Motive. Eine unbekannte Aufnahme von Bill Evans? Doch nein, die Moderatorin nennt ein Werk von Debussy: La fille aux cheveux de lin. Aus diesem Moment heraus hatte Florian Dohrmann die Idee, Debussys Kompositionen für ein Jazz-Quartett zu adaptieren und neu zu kreieren. Achille-Claude Debussy war durch und durch ein Künstler seiner Epoche. Im Paris der Jahrhundertwende, der Belle Epoche, lebte er in vollen Zügen das Leben eines Bohemién und Hedonisten, der im Namen der Wollust komponierte. Die Morbidität der europäischen Dekadenz inspirierte ihn, die Überwindung musiktheoretischer Doktrinen und des akademischen Regelwerks motivierten ihn. Debussy gilt als einer der wichtigsten Vorbereiter der modernen Musik, dessen „harmonische und koloristische Entdeckungen sogar in die Film- und Unterhaltungsmusik eingedrungen sind. Ohne seinen aus den unterschiedlichsten Kulturen schöpfenden musikalischen Impressionismus wäre die pianistische Tonsprache eines Bill Evans schwer vorstellbar. Debussys Kompositionen im Jazz-Kontext zu verarbeiten, erscheint somit als eine folgerichtige Entwicklung. Der Name dieses Projekts “Blank Page New Impressions of Debussy“ steht dabei für die Arbeitsweise während der Entstehung der Arrangements. Unvoreingenommen und ohne Denkverbote ist die leere Seite der Ausgangspunkt, um aus Motiven und Harmonien Debussys Neues entstehen zu lassen. Mal als deutliche Reminiszenz, mal so weit entfernt, dass man 100 Jahre nach Debussys Tod nur noch seinen Geist zu spüren vermeint. Die Stücke wurden an drei hochsommerlichen Juli-Tagen 2018 in den alt eingesessenen Bauer Studios in Ludwigsburg von dem renommierten Tonmeister Adrian von Ripka aufgenommen. In dieser besonderen Atmosphäre sind zwölf ausdrucksstarke Titel entstanden, die den Hörer musikalisch an die Orte führen, die Debussy beim Komponieren imaginierte. Joachim Staudt (Altsaxophon, Bassklarinette) lässt dabei in seinen Arrangements und Neukompositionen seine Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit der Ska-Legende Rico Rodriguez und der Band „Soulfood international“ einfließen und gibt dem Mondschein so den Glanz einer Pop-Ballade. Christoph Neuhaus veredelt die Musik mit seinen geschmackvollen Soli und seinem außergewöhnlichen Gitarren-Sound, während Lars Binder (Schlagzeug) mit seiner bei unzähligen Konzerten mit dem Cecil Verny Quartett geschulten Souveränität das rhythmische Fundament legt und inspirierende Impulse setzt. Bereits zwei Mal wurde Lars Binder schon für sein Können mit dem Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Für den Kontrabassisten Florian Dohrmann, Bandleader und Initiator des Projektes, ist das eine Traum-Besetzung, die seinem ruhigen und warmen Bass-Spiel den idealen Raum zur Entfaltung gibt und die seine anspruchsvollen Arrangements im Geiste Debussys federleicht umsetzt. (mocher music) P.Ro

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