Born of Fire

on Wednesday, 18 March 2020. Posted in CD

Ross the Boss

Born of Fire

Gute zwei Jahre nach dem letzten Longplayer folgt nun mit "Born of Fire" das vierte Album von Ross the Boss, seines Zeichens ex-Gitarrist von Manowar. Eigentlich wollte ich ja das Album im Schnelldurchlauf anhören und dann verreissen, da der gute Mann ein ziemlicher Idiot ist, der mich vor Jahren bei Facebook übel beleidigt hatte beim Thema Flüchtlinge. Aber da das unprofessionell wäre, hab ich mir das Album dann doch an- und durchgehört. Und ich muss sagen zum Glück. Hat man sich an das, nennen wir es mal etwas schräge, Organ von Sänger Marc Lopes (der hörbar kein Ami bzw. ‚english native speaker‘ ist) gewöhnt, bekommt man ein richtig gutes Stück US-Stahl geboten. Stimmlich hört er sich an wie eine Mischung aus Blitz und Mille, mit einem guten Schuß Punk (also mal eher nix für Feingeister und auch nicht so ganz passend für die raren getrageneren Momente). Die Musik, die hier dann zu hören ist, geht auch sehr stark in Richtung Speed Metal a la Overkill mit einer schönen Portion US-Metal, wie man sie z. B. von Vicious Rumors oder auch Metal Church her kennt. Oft rüde, nie die Melodien vergessend, mit coolen Shoutbackground-Gesängen und feinen Keyboards, wo es nötig ist. Dass der Gitarrist mal bei Manowar war, erkennt man nur ganz rudimentär beim Song "Godkiller". Ansonsten bringt er wirklich tolle Gitarrensoli an den Mann, unterstützt von einem Könner am Bass mit Mike Le Pond, der schon bei der progressive Metalband Symphony X zu begeistern wusste, und einem mir unbekannten Drummer. Soundtechnisch brennt hier ebenfalls nix an, da das Teil echt heavy produziert ist. Balladen oder ruhige Songs gibt es nicht. Bei "Undying" hat sich in der Mitte ein akustischer Part eingeschlichen, beim coolen Abschlußtrack "Waking the Moon", der wie eine verkratzte Schallplatte beginnt und sich dann in Richtung Heavydoomsong a la Candlemass meets Black Sabbath entwickelt, finden sich schräge Klavierparts. Ebenfalls etwas aus der Reihe der sich sonst recht ähnlich klingenden Song tanzt noch "Shotgun Evolution" mit seinen irisch klingenden Harmonien (auch im Intro) sowie dem genialen Gary Moore-Gedächtnissolo. Ein wirklich tolles Album (wo man eventuell die Texte ausblenden sollte), das mir dann trotz aller Animositäten fünf Punkte wert ist. Wer vorher mal reinschauen will, bei Youtube gibt es ein Video zu "Denied by the Cross", das die Richtung, die das Album nimmt, sehr gut wiederspiegelt. (AFM) HJH

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