Broken Politics!

on Saturday, 03 November 2018. Posted in CD

Neneh Cherry

Broken Politics!

Auf ihrem fünften Album fragt sich die Stieftochter des großen Jazzers Don Cherry: Was ist zu tun in Zeiten des Umbruchs? Wie haben wir uns zu verhalten? Und wonach bemisst sich das Potenzial jedes einzelnen, wenn es darum geht, sich einzubringen, die Dinge zu verändern? Die Sängerin sucht behutsam nach Antworten, und sie hat auch keine Angst davor, dass es auf einzelne Aspekte womöglich keine einfache Antwort geben kann. „Ich bin da ja immer eher vorsichtig bei so großen Themen, weil das ganz schnell so rüberkommen kann, als ob ich mir anmaßen würde, eine Lösung des Problems zu haben – und wer, verdammt noch mal, hat schon derartige Lösungen?“, sagt Cherry, wenn man sie auf den Titel des neuen Longplayers anspricht. „Ich schreibe meine Songs am liebsten aus meiner eigenen Perspektive, und die Ära, in der wir gerade leben, in der dreht sich so vieles um die Frage, wie man seine eigene Stimme finden kann. So viele Menschen haben das Gefühl, nicht gehört zu werden, sie fühlen sich missverstanden und sind dementsprechend enttäuscht. Und was zur Hölle kann ich daran schon ändern? Vielleicht beginnt das Politische tatsächlich im eigenen Schlafzimmer, in den eigenen vier Wänden – als eine Form von Aktivismus, als ein Gefühl von Verantwortung. Dieses neue Album handelt von genau diesen Dingen: diesen Bruch zu fühlen, diese Enttäuschung und Trauer – aber es geht auch um Beharrlichkeit, ums Weitermachen. Es ist ein Kampf gegen die Vernichtung des freien Willens, des freien Denkens.“„Ich habe einen Namen. Du hast einen Namen. Wir sind nicht bloß irgendwelche gesichtslosen Hügel, die man irgendwo aufwirft“, sagt Cherry schließlich, um die Kernvision von ‚Broken Politics‘ in Worte zu fassen. „Wir alle sind Menschen. Menschen, die ein Leben haben. Die Geschichten zu erzählen haben.“ Kunst kann uns daran erinnern, wie es sich anfühlt, im Moment zu leben. Und sie kann einem dabei helfen, derartige Momente zu bewahren. Der Refrain von „Fallen Leaves“ spricht in diesem Fall Bände, und er trägt ganz klar ihre Handschrift, verkörpert ihre ganze Haltung: „Just because I’m down/Don’t step all over me.“ Engagiertes und nachdenkliches Album der Schwedin, irgendwo zwischen Neo-Soul, Hip-Hop und Songwriter-Sound. Mitunter sind die Songs etwas langatmig, lassen die Spannungsbögen vermissen und bei manchen Stücken dominieren mir die Elektronik-Effekte etwas zu stark. Sonst kann man nicht meckern. (Smalltown Supersound/Roughtrade) HuGe

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