Ceremony

on Wednesday, 12 February 2020. Posted in CD

Palais d´ Amour

Ceremony

Ein Wettbüro ist mittlerweile in die ehrwürdigen Hallen des ehemaligen Lustbunkers an der Nibelungenbrücke eingezo-gen und hässlich grinst jedem die gruslige Fratze von Ex-Dauercholeriker und jetzt Fußball-Guru Oliver Kahn aus der Fensterscheibe entgegen. Wenn schon Gentrifizierung, dann konsequent: um ein paar Groschen leichter kommt man jetzt mit Sicherheit auch aus dem Gebäude. Schöner ist es dahinten jetzt auch nicht, Nostalgie ist hier also voll fehl am Platz. Aus diesem Grund haben die vier Regensburger ihren Namen und die dargebotene Stilrichtung sicher nicht ge-wählt. Über fünf Songs präsentiert „Ceremony“ einen klassischen, an den 80ern und 90ern geschulten Indie-Rock mit geschmackvollen Referenzen. Während der Opener „Ceremony“ recht raus nach einer Mischung aus Joy Division und den Stooges klingt, wird’s im folgenden teils sphärischer und leicht gothic-lastig wie bei den frühen Sonic Youth oder noisig ungestüm wie auf den ersten Alben der Wipers. Fünf Songs lang lassen Palais D´Amour ihren Einflüssen freien Lauf und zelebrieren ihre ureigene Version dieser Spielart: leicht schepprig und dissonant, aber immer auf den Punkt. Jeder Song ein Treffer: Ein Schwein, wer da nostalgisch wird! Die Songs gibt’s bislang nur digital. (Soundcloud) H1

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