Crank it up in Nashville

on Friday, 12 July 2019. Posted in CD

T.G. Copperfield

Crank it up in Nashville

Irgendwie hat er einen Lauf – der T.G. – wie anders soll man das bezeichnen. Seit er 2017 beschloss, neben seiner Hauptband 3 Dayz Whizkey eigene Projekte zu verwirklichen, hat er in dieser Zeit zwei EP’s und drei Longplayer eingespielt und veröffentlicht, und meist mit unterschiedlichen Musikern. Der letzte Output, Album #4, wurde jetzt im Frühjahr gar in den Staaten aufgenommen, konkret im Musikerparadies Nashville, natürlich mit Musikern aus der dortigen Szene. Tilo selbst kam nur mit seiner Gitarre und sieben Kompositionen über den Teich. Zusammen mit Caleb Sherman an den Keyboards, der auch produzierte und in dessen Cygnus-Sound-Studios die Aufnahmen über die Bühne gingen, Accept-Drummer Christopher Williams und Session-Bassist Brandon Roberts, wurde in wenigen Tagen das Material eingespielt. Nur drei Tage haben sie dafür im Studio gebraucht – ein vergleichsweise sehr kurzer Zeitraum für eine Albumproduktion. Doch Copperfield wollte das so. „Wenn alles glatt klingen soll, dann ist eine andere Herangehensweise sicher besser“, meinte er in einem Interview nach der Rückkehr aus den Staaten. Ihm ist eben Feeling und Emotion in der Musik wichtiger. „Die Aufregung, wenn alle Künstler in einem Raum live einspielen, hört man der Musik an. Diese Spannung würde man mit ständigen Unterbrechungen und Korrekturen tot spielen.“ Und eines gleich vorweg, der Ausflug ins Ami-Land hat sich gelohnt (wie übrigens vor Jahren auch für Sacco & Mancetti, die 2000 ihr Album „Memphis“ in eben dieser Stadt eingespielt hatten. Und so wie der S&M-Sound damals vom Groove des Südens geprägt wurde, hört man diese Einflüsse auch bei den sieben neuen Copperfield-Nummern. So sind „Twosome Lonesome Blue“ und „Restless Man“ schöne Balladen, die wohl ohne das einzigartige Nashville-Flair nicht so wehklagend tönen würden. T.G.‘s große Stärke für Melodien ist klar zu hören bei „By the Riverside“ und „When the Ship goes down“ und natürlich gibt’s auch richtige Power-Nummern wie „Taste“, „I ain’t in it“ und vor allem „Babylon rising“. Fazit: „Crank It Up In Nashville“ hat alles, was ein gelungenes Rock-Album braucht – ausgereifte Songs, eingängige Melodien und Classic-Rock vom Feinsten. Das sieht auch T.G. so, in einem Pressegespräch erzählte er: „Das Album ist ganz anders geworden, als ich mir es gedacht habe - viel besser“. Das einzige Manko wäre die kurze Spielzeit, doch auch die gibt’s nicht zu bemängeln, denn Tilo hat noch vier alternative Mixe von seinem Münchner Spezl Dr. Will bearbeiten lassen. Und da gibt’s dann den Sieger der ersten „Senior Voice of Germany“-Staffel Dan Lucas, den kanadischen Songwriter Dave McCann und Dan Harrison aus Nashville zu hören. Das ist ein gelungener Gag, den hier zeigen sich neue Facetten im Sound im Vergleich zu den Orginalen. War schon „Magnolia“ ein exzellentes Album, hat T.G. mit „Crank it up in Nashville“ die Kreativitäts-Latte noch höher gelegt – und ist klar darüber gekommen. Auch Copperfield sieht das so: „Das Album war eine Herausforderung, aber es hat mir viel Selbstbewusstsein gegeben.“ Bleibt abzuwarten, was da dann als nächstes kommen wird! Für diese Scheibe gibt’s eine glatte sechs-Sterne-Wertung! (Timezone Records) no.men

******

******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal