Der Tag, an dem Berge aus dem Himmel wuchsen

on Tuesday, 12 March 2019. Posted in CD

Monza

Der Tag, an dem Berge aus dem Himmel wuchsen

Ausgerechnet in München haben sich Monza 2012 gegründet, wo weder in Giesing noch Laim, ja nicht einmal im Hasenbergl wütende Musik gedeiht. Zu sauber und aufgeräumt die Straßen und Menschen, zu satt die Jugend, könnte man diagnostizieren. So ist das Unbehagen des bayrischen Trios auch eher ein globales, mitunter gar kosmisches, welches sie zu harten Klängen und warnenden Texten antreibt. Monza reiben sich nicht an ihrem Alltag und bleiben deshalb schwer greifbar. Acht Jahre haben sie an ihrem Bandsound geschliffen und sich an Genres und Vorbildern abgearbeitet, um mit möglichst kleiner Besetzung (Schlagzeug, Bass, Gitarre) maximale Soundwelten zu entwickeln. Auf eine frische Art sind sie Retro- und Postirgendwas zugleich, indem sie sich bei klassischem Hardrock und Psychedelic-Rock bedienen und gleichzeitig nach Post-Rock und Post-Hardcore klingen. Treibende Drums mit zahllosen Breaks, wummernde, tiefdröhnende Bässe und sich in Schleifen behutsam auftürmende Riffs formen Songs jenseits der 5-Minuten-Marke. Ihre deutschen Texte erzählen keine Geschichten: Stattdessen werfen sie Bilder und Rätsel in den Raum, sind mal warnend, mal von Paranoia und auch wieder von hellsichtiger Zeitkritik gezeichnet, ohne dabei explizit oder eindeutig zu werden. Wenn es eine deutsche Referenz gibt, sind es trotz all der Unterschiede Fjørt, wobei das Trio aus Aachen deutlich politischer agiert und musikalisch noch mehr Wucht entfaltet. Dennoch ist „Der Tag, an dem Berge aus dem Himmel wuchsen“ eines der spannendsten heimischen Debütalben der letzten Monate. Reinhören und dem „Maschinengott“ huldigen! (noisolution) mai

*****

******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal