Father Of The Bride

on Saturday, 11 May 2019. Posted in CD

Vampire Weekend

Father Of The Bride

Bekannt wurde die New Yorker Band Vampire Weekend in den Nullerjahren. Was die Musiker damals von anderen unterschieden habe, sei der eklektische Stil mit Afrobeat-Anleihen gewesen, meinen Kritiker. Für manche galten Frontmann Ezra Koenig & Co. sogar mal als so etwas wie die Retter der Rockmusik. Das letzte Album „Modern Vampires of the City” erreichte im Mai 2013 Platz eins der US Billboard Charts und wurde mit einem Grammy ausgezeichnet wurde. Danach war’s ruhig um diese Band – bis jetzt im Mai 2019. „Ich weiß, fünf bzw. sechs Jahre gelten als eine lange Zeit zwischen zwei Alben. Ich persönlich denke, es ist ein angemessenes Tempo für eine Band, die bereits drei Alben in Umlauf gebracht hat, aber jeder hat da sein eigenes Zeitgefühl. (Ich schwöre, dass die Zeit zwischen Album drei und vier für mich kürzer war als zwischen zwei und drei. Es kann allerdings sein, dass ich da in der Minderheit bin).“ Mit diesen launigen Worten verkündete Vampire Weekend-Frontmann Ezra Koenig vor wenigen Tagen (via Instagram) die lang herbeigesehnte Rückkehr seiner Band, die inzwischen zum Trio geschrumpft ist, in das gleißende Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit. In diesen Jahren seit dem letzten Album war Koenig nicht nur mit seiner Band auf Welttour, er veröffentlichte überdies eine Netflix-Anime-Serie mit dem Titel „Neo Yokio“, moderierte seine „Time Crises“-Show bei Beats1 und produzierte den Beyoncé-Song „Hold Up“, den er auch mitschrieb. Alle seine gesammelten Erfahrungen und Beobachtungen aus dieser Zeit finden sich nun auf dem neuen Vampire Weekend-Album. Inhaltlich drehten sich viele der 18 neuen Songs um zwischenmenschliche Beziehungen und Identitätsfragen – zumindest vordergründig. Die Single „Harmony Hall“ klingt zwar zunächst nach beschwingten Sommergefühlen, verhandelt auf der Textebene aber den Umstand, dass es „kein richtiges Leben im Falschen“ gebe, Koenig singt: „I don’t wanna live like this / But I don’t wanna die“. Ein weiterer Song heißt „Unbearably White“. Die könne man als fragmentarische Selbstkritik verstehen. Ferner spielt Koenigs jüdischer Glauben eine Rolle. „In ’Sympathy’ wehrt sich Koenig gegen das von Trump herbeibeschworene Bündnis von Juden und Christen. Musikalisch zitierten Vampire Weekend wieder einmal aus der Popgeschichte. „In ’Big Blue’ wabern die Gitarren wie einst bei George Harrison“ und im meditativen ’My Mistake’ tönt ein Van-Morrison-artiges Saxofon. Kein einziger Titel reißt die Fünf-Minuten-Grenze, das gesamte Material wurde auf klassische Pop-Song-Längen eingedampft oder besser verdichtet. Es gibt noch den leicht digitalen, Vampire-Weekend-typischen Weltmusik-Touch, die schwerelosen High-Life-Gitarren, die alttestamentarische Sprache und die Schlagwörter der modernen Popkultur, die Melodieführungen à la Paul Simon und einmal sogar: Flamenco-Touch! Wer noch Anspiel-Tipps braucht, sollte mal in „Sunflower“ oder „Big Blue“ reinhören. Das ist ein abwechslungsreiches Album geworden, das unterhaltsamen zeitlosen Indie-Pop präsentiert. In einer Kritik war zu lesen, dass Vampire Weekend jetzt die Talking Heads der Neuzeit sind – kein schlechter Vergleich! (Columbia Records/Sony Music) P.Ro

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