Guitar

on Friday, 30 November 2018. Posted in CD

Andreas Dombert

Guitar

Das neue Opus des Gitarristen aus der Oberpfalz ist schlicht „Guitar“ betitelt – absolut zutreffend, denn nur dieses Instrument bestimmt die beiden Tracks dieses Albums: „Like the birds sing – movement 1/2/3“ mit über 36 Minuten Länge und das über elfminütige „Minimal Music“. Und auch dieser Titel ist zutreffend, denn das ist der Terminus aus der Neuen Musik, der im Jazz bis dato eher als wundersames Phänomen wahrgenommen wurde, gerade auch weil stupende Virtuosität hier stets als oberstes Gebot galt. Immer nur dieselben beiden Töne, 25 Sekunden lang. Dann kommt ein weiterer hinzu, irgendwann unmerklich ein vierter. Es scheint, als hätte Andreas Dombert hier alles hinter sich gelassen, was ihn je als Gitarrist ausmachte. Er spielt mit sich selbst, entschleunigt seinen Vortrag und auch sein Publikum, indem er eine Auszeit von der Zeit nimmt. Drei Sätze lang variiert Dombert das Thema »Like The Bird Sings«, leitet dann fließend über in seine individuelle Lesart von »Minimal Music«. Ein Abenteuer, für den Konsumenten wie den Musiker gleichermaßen. Denn keiner weiß, wohin die Reise geht. Kleinste Veränderungen können, einmal in Gang gesetzt, gewaltige Entwicklungen auslösen. Der Gitarrist erweitert sein eigenes technisches Portfolio, indem er die Saiten entweder heftig anschlägt, ihren Klang mit metallischen Slides in die Länge zieht oder die Tremolos mit einem Plektrum spielt, um so eine spezielle Körnung zu erreichen. Es sind die Stilmittel eines innovativen Ton-Poeten, der sich mit dem bislang Erreichten nicht zufrieden geben möchte, der auf das „Spannende“ verzichtet, um das Einzelne hörbar zu machen. Immer und immer wieder. Diese Scheibe ist ein Abenteuer, für den Jazz-Hörer wie den Musiker gleichermaßen, keine leichte Kost! (enja/Yellowbird) P.Ro

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