Heartbeast

on Wednesday, 05 June 2019. Posted in CD

WellBad

Heartbeast

Mit „Heartbeast“ erscheint bereits das vierte Album der Hamburger Band um Daniel Welbat. Und wieder ist es so, dass man die Songs dieser Scheibe nicht für das Produkt eines deutschen Musikers hält, sondern eher an Steve Earle oder Tom Waits denkt. Denn diese Stimme klingt wie hundert Leben. Daniel Welbat singt, als hätte er Jahre in den dunkelsten Bars abgehangen. Den Stift fest in der Hand, nervös kritzelt er seine Texte auf vergilbte Bewirtungsbelege, die Augen wandern durch das belebte Lokal. Er ist auf der Jagd nach Geschichten. „Die kleinen Dinge, ganz groß erzählen“. Das ist sein Ziel. Welbats neues Album ist eine Hommage an seine große Liebe: den Film. Als Spross einer Künstler -und Filmemacher-Familie verbrachte Welbat seine Jugend größtenteils auf Filmsets. „Das hat mich geprägt. Der elektrisierende Tanz auf dem schmalen Grat zwischen Wahrheit und Kunst. Ich wollte diesem Teil meiner Welt ein Album widmen. Und darum ist ‚Heartbeast‘ der Soundtrack, zu einem Film, der niemals gedreht wurde.“ Erzählt wird die Story von E.L. Kruger. E.L.‘s wilder Ritt entlang der Abgründe des Seins geht über zwölf Songs. Roots Rock verliebt sich in Hip Hop. Jazzige Geistesblitze werden vom Blues wieder auf den Teppich geholt. Herrliche Melodien und catchy Hooks laden zum Verlieben ein und lassen einen nur schwer wieder los. Und bei allem sorgt die großartige Band mit packendem Groove für diesen leichten Zugang zu den ausgeklügelten Arrangements. Die Ouvertüre: „Young“. Stampfend, pulsierend, ein Tanz auf dem Vulkan. Mit verzerrter Stimme stellt der 29-jährige Songwriter klar: „Ain’t too done to die young!“ Danach wird mit „Elephant Man“ die wahre Geschichte Joseph Merrick’s, dem sogenannten Elefantenmenschen, erzählt. Über den rap-artigen Gesang und das Grölen des Bass-Saxophons hinweg, führt Daniel Welbat sein Publikum tiefer hinein in seinen ganz persönlichen Lebensfilm. Im ‚Uptempo‘ Song „Robbery“ wird der Zuhörer schlagartig Zeuge eines Raubüberfalls. Jedoch geht es hier weniger um einen materiellen Diebstahl, vielmehr um das brutale Ende einer tragischen Liebesgeschichte. Bei „Heal A Wound“ gleicht sein Gesang einer Reise auf den Traumpfaden des Blues, mitten durch die düsteren Orte der Seele. Doch das Ende ist auf bizarre Weise versöhnlich und hoffnungsvoll: „Be grateful! You still got a body left to ruin“ Ein mystischer Tanz ist „Skeleton“, ein Heilungsreigen, bei dem man die Sorgen und den Schmerz ‚wegtanzen‘ soll. Von „The Void“, einem urschrei-ähnlichen Gruß an die längst Verlorenen und Vergessenen, führt der Film über den pumpenden E-Gitarren Sound von „The Overfeeding“, den hysterisch-verzweifelten Beat von „Off-Tuned Body“, hin zu einer eiskalten Abrechnung mit einer verflossenen Liebe bei „Limited Tears“. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, denn bei „Bad Day for the Blues“, einem skurrilen Liebes-Duett zweier suchender Seelen, finden die Liebenden wieder zueinander. „Let it Sin“ öffnet eine neue Falltür im Wellbad’schen Erzähl-Kosmos und inzwischen hat man längst vergessen, was noch Realität und was schon Fiktion ist. Allerdings ist das auch nicht mehr so wichtig, denn da beginnt bereits der letzte und intimste Song des Albums: „Spit it Out“. Ein letztes Aufbäumen, ein letzter wohliger Seufzer, ein episches Liebeslied über die Liebe selbst. Und dann ist der Film zu Ende. Nach dem Release-Konzert im Juni geht die fünfköpfige Hamburger Band auf „HEARTBEAST“-Tour und rockt dann im Herbst den „Hirsch“ in Nürnberg am 24. September. (Blue Central Records/Sony-Membran) P.Ro

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