I have visions

on Wednesday, 06 February 2019. Posted in CD

Susan Wolf

I have visions

Melancholie und Entschlossenheit liegt in der dunkel samtigen Stimme von Susan Wolf in „The Road“, dem ersten Song ihres neuen Longplayers. Alte Fesseln lösen, dem Leben vertrauen, den Rufen der Seele folgen: Zu sphärischen Mellotron-Sounds, treibenden Riffs und subtilen Anklängen an den Soul und Pop der 60er Jahre erzählt die Singer-Songwriterin mit ihrer ausdrucksstarken Stimme von der Entschlossenheit den eigenen Weg zu suchen und vom Mut diesen auch zu beschreiten. Nach Jahren der musikalischen Abstinenz kehrt Susan Wolf wieder auf die Bühne zurück. Auf ihrer dritten und von ihr als eigentliches Debütalbum bezeichneten Platte erzählt sie die Geschichte ihres Lebens, das schon bisher von großen Erfolgen, schweren Schicksalsschlägen und mutigen Entscheidungen geprägt war. Sie meldet sich zurück mit einem bewegenden, autobiografischen Album, musikalisch angelegt zwischen Alternative Folk, Country, Americana und Singer-Songwriting. Während Susan Wolf auf ihren ersten beiden Alben noch unter dem Namen Soe Tolloy verschiedene Stilrichtungen ausprobierte, trägt das neue Album nun klare Konturen. Produziert wurde dieses Album von ihren dänischen Wikingern, wie Susan sie liebevoll nennt: den Multiinstru-mentalisten Nikolaj Heyman und Peter Dombernowsky. Diese sind durch ihre Zusammenarbeit mit internationalen Größen wie beispielsweise Giant Sand, Mark Lanegan oder Isobel Campbell bekannt. Einfühlsam arrangierten diese Musiker Wolfs Songs mit typisch alten amerikanischen Instrumenten wie Pedal Steel, Dobro und Twangy Tremolo Gitarre. Die Songs für das Album schrieb Susan in Dänemark, ihrem Sehnsuchtsland, wohin sie schließlich die gesamte Produktion verlegte. Es ist diese Spannung zwischen nordischer Melancholie und warmen Americana-Sound, in der Susan Wolf die Höhen und Tiefen ihres Lebens durchsingt. Auf dem zur Gänze schwarzem Cover verschwimmt ihre Silhouette mit der dunklen Farbe im Hintergrund. Mit den Händen fährt sich Susan Wolf durchs Haar, als ziehe sie sich selbst aus dieser Schwärze heraus, die sie umgibt. Auch dass das Album nun unter ihrem Geburtsnamen erscheint, ist ein Zeichen dieser durchlebten Emanzipation und der Rückkehr zu sich selbst. „I Have Visions“ ist ein leidenschaftliches Plädoyer, der inneren Stimme und eigenen Berufung zu folgen. Es ist ein „Sich-Immer-Wieder-Aufrichten“ und sich nicht aufgeben, sagt Susan Wolf. Und das ist ihr mit diesem Opus gelungen (Jazzhaus Records) P.Ro

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