Lässing

on Monday, 18 February 2019. Posted in CD

Lass die schlechten Zeiten rollen

Lässing

Nach zwei unglaublich guten EPs nun endlich der Longplayer. Yes, ich verwende 90ies-Sprech, weil Zitate vor allem aus dieser Ära auch auf diesem guten Stück liebe voll durch den Fleischwolf gedreht, verhackstückelt und zu einem saftigen, nostalgischen Mett-Igel geformt werden! Und der hat ganz schön fiese Stacheln, denn trotz leicht melancholischem Einschlag, beissen die Breitband-Gitarren wie bei den ganz großen Indie-Rock-Klassikern der Neunziger. Waren die ersten beiden EPs die Blaupause für Lässing, also zusammengefasst das „blaue“ Album, hier ist Lässings „Pinkerton“. So isses, und wenn schon immer wieder die lästigen Vergleiche, dann jetzt wenigstens mal phänomenale, denn das Song-Material hält diesen locker stand. Egal, ob garage-punkige Knaller wie „Da war kein großer Bruder“ oder „I was a Teenage Aushilfskraft“ oder mit epischen Chören unterlegte Power-Pop-Eskapaden wie „Irgendwas ist los mit uns“ oder „Im Schneesturm von 2003“, das Album reißt nicht nur musikalisch von vorne bis ganz hinten mit, sondern überzeugt durch textliche Raffinesse von Farin Urlaub´schem Niveau: „Sie haben Dich stolz getragen wie einen Heiligenschein und dann abgesägt wie ein Raucherbein.“ Eine ordentliche Portion Zynismus, ein wenig Nostalgie und eine gute Prise Lebenserfahrung schwingen durch alle der 13 Tracks mit. Kein Füller dabei, nur Knüller: So dürfen die schlechten Zeiten ruhig weiter rollen! Bester Mo! (Ferryhouse Productions) H1

*****

******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal